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Lokales Gegen den Zahlensalat im Kopf
Dresden Lokales Gegen den Zahlensalat im Kopf
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08:01 10.11.2015
Addition und Substraktion gehen schon ganz gut. Der zehnjährige Carlos besucht das Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche. Seine Eltern werden vom Verein "Aufwind" bei den Therapiekosten unterstützt. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Carlos ist zehn und geht in die 3. Klasse einer Dresdner Grundschule. "Dort bekomme ich manchmal ein paar Matheaufgaben, die ich nicht weiß", berichtet der aufgeweckte Junge. Wenn er zum Beispiel 605 + 74 rechnen soll, sei er "einfach schlecht drauf". Dann hat er Zahlensalat im Kopf. "Im Plus- und Minusrechnen bin ich aber schon viel besser geworden als früher", berichtet er. Und bis 1000 zählen könne er auch schon.

Seit anderthalb Jahren besucht Carlos das Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) in der Inneren Neustadt. Der Zehnjährige kommt einmal pro Woche für eine Stunde zu Diplompsychologin Petra Stoll, die sich auf die Therapie der Dyscalkulie, also der Rechenschwäche, spezialisiert hat. "Carlos beherrscht die Addition und die Subtraktion inzwischen schon ganz gut", schätzt sie ein. Zu multiplizieren und dividieren falle ihm aber noch schwer.

Nach neuesten Untersuchungen der Berliner Charité haben 6,6 Prozent der Grundschüler mit einer Dyscalkulie zu kämpfen. Die Dunkelziffer liege aber deutlich höher, weil die Rechenschwäche in vielen Fällen nicht diagnostiziert würde und unbehandelt bleibe, heißt es.

Carlos' Eltern haben das Manko beizeiten erkannt. "Unserem Sohn ist beispielsweise nie in Fleisch und Blut übergegangen, dass 5 plus 5 gleich 10 sind, er hat das Ergebnis immer wieder neu an den Fingern abgezählt", entsinnt sich die Mutter. Schließlich wandten sich die Eltern an das ZTR, das bereits seit 2001 besteht. Neun Therapeuten sind dort beschäftigt. Um die 150 Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene besuchen das Therapiezentrum, um richtig rechnen zu lernen. "Unser jüngster Schüler ist 7 Jahre, der älteste 36", berichtet Chefin Irmgard Slotta. Die Therapeuten setzen da an, wo die Defizite der Schüler liegen. Bis sie den Anschluss an den Unterrichtsstoff gefunden haben, dauert es zwischen einem halben Jahr und zwei Jahren. "Anders als in der Schule erklären wir weniger, sondern versuchen, durch gezielte Fragen die Kinder dazu zu bringen, selber Sachen zu entdecken und zu formulieren", beschreibt Slotta die Methode. Und die Therapeuten würden ganz viel mit Spielen und didaktischen Materialien arbeiten.

Carlos' Mutter ist der Überzeugung, dass sich ihrem Jungen durch die Therapie "etwas lange Verschlossenes geöffnet hat und es einen Weg gibt, sich das Mengen- und Zahlenverständnis zu erarbeiten". Würfelspiele wie ,Mensch ärgere dich nicht' würden nun der gesamten Familie, zu der noch ein jüngerer Sohn gehört, Freude bereiten. Und nicht mehr lange, dann könne Carlos auch die Uhr lesen. Keine Spur mehr von Schulfrust wie früher. Und der mögliche Besuch einer Förderschule sei auch vom Tisch.

Die Therapie bringt viel, ist aber auch nicht billig. Sie kostet 240 Euro pro Monat. Das Geld können Carlos' Eltern nicht allein aufbringen - ebenso wenig wie die Eltern von fünf anderen Kindern, die das ZTR im Moment besuchen. Deshalb ist der Verein "Aufwind - Kinder- und Jugendfonds" eingesprungen und hat die Kosten übernommen. Den Verein gibt es jetzt seit 15 Jahren. 1,5 Millionen Euro an Spenden sind in dieser Zeit gesammelt worden. "Die Hälfte davon haben wir in Bildung gesteckt - in die Therapie der Lese-Rechtschreib- und der Matheschwäche, aber auch in den Förderunterricht für besonders begabte Kinder", berichtet Monika Curbach, Vorstandsvorsitzende von "Aufwind". Bezahlt worden sei beispielsweise Klavier- oder Gitarrenunterricht für talentierte Mädchen und Jungen. Und eines betont sie auch: "Jeder Cent, den ,Aufwind' sammelt, geht an die Kinder und Jugendlichen".

Katrin Richter

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