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Lokales Geduldsspiel für hessische Helfer: Marburger Feuerwehr wartete 30 Stunden auf Einsatzbefehl
Dresden Lokales Geduldsspiel für hessische Helfer: Marburger Feuerwehr wartete 30 Stunden auf Einsatzbefehl
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18:02 09.09.2015
Bildunterschrift marionfotos Warten auf den Einsatz. Die Feuerwehrleute des gebündelten Verbandes aus Vogelsbergkreis, Landkreis und Stadt Kassel harren in der Turnhalle der Schule auf der Gamigstraße in Prohlis aus Quelle: Marion Doering
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Der Elbe-Pegel steigt

Im Julius-Ambrosius-Hülße-Gymnasium im Stadtteil Reick hatten sie sich eingerichtet, ihre Feldbetten aufgestellt, die Schlafsäcke ausgerollt.

Noch am Dienstag hatten Religionsschüler ihre mündlichen Abiturprüfungen an dem Gymnasium abgelegt. Doch schon währenddessen wurden Klassenzimmer und Turnhalle zum Quartier für die fast 300 Einsatzkräfte aus Hessen umfunktioniert. Feuerwehrautos, Krankenwagen und Boote standen seither auf dem Schulhof herum. Im Einsatz waren sie da aber noch nicht.

"Am Dienstag um fünf Uhr früh sind wir hier angekommen", erklärt Feuerwehrmann Schienbein. Im Tross mit 25 Fahrzeugen waren sie am Montagabend gen Elbe aufgebrochen. Das sächsische Innenministerium hatte zuvor auch bei den Amtskollegen in Hessen um Hilfe gebeten. Für die Bekämpfung des stetig steigenden Hochwassers, für Evakuierungen, für die Aufräumarbeiten nach der Flut. Rund 5600 Helfer von Bundeswehr, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk sind dem Hilferuf aus Sachsen gefolgt. Die rund 950 hessischen Feuerwehrleute, Sanitäter und andere Rettungskräfte wurden noch in Sporthallen an der Gamigstraße und der Nöthnitzer Straße einquartiert.

Nach mehr als einem Tag des langen Wartens wünschten sich viele der Helfer im Hülße-Gymnasium, dass sie endlich Grünes Licht vom Krisenstab des Freistaats bekommen. "Wir sind bereit - sobald wir das Signal bekommen, kann es los gehen", betont Schienbein und gewinnt dem Warten sogar etwas Gutes ab: "Immerhin konnten wir so die Zeit nutzen, um uns auszuruhen." Bis Sonnabend sollen sie bleiben.

Viele nutzten die Zeit des Wartens, um Geräte und Fahrzeuge zu warten und fit für den Einsatz zu machen. Andere spielten "Mensch ärgere dich nicht", lasen Bücher oder lümmelten auf Liegen herum und langweilten sich. Feldkoch Sebastian Eberl vom Deutschen Roten Kreuz bruzzelte derweil seine Hackfleischsoße. "Die gibt es mittags zu den Nudeln", erklärt er. Die Zutaten seien frisch, würden vor Ort gekauft.

Während Schienbein über Wege gegen den drohenden Lagerkoller nachdachte - für gestern Nachmittag war eine Besichtigungstour möglicher Einsatzorte am Elbufer vorgehen -, schoben einige Helfer Frust. "Ich bin nicht hergekommen, um mich zu sonnen", sagt so etwa einer der Freiwilligen aus Marburg, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen mag. In den Medien hatte der Feuerwehrmann verfolgt, wie "katastrophal die Zustände in Sachsen" sind. "Und nun sitzt man hier herum."

Schon im August 2002 dauerte es ein bis zwei Tage, bevor es "richtig los ging", erinnert sich Sven Halbhuber von der Freiwilligen Feuerwehr Biedenkopf. Der heute 33-jährige Hesse war schon vor elf Jahren in Sachsen, um zu helfen. "In Löbnitz haben wir Keller ausgepumpt, Wohngebiete nach der Flut in Ordnung gebracht", sagt Halbhuber. "Ich bin gespannt, wo es diesmal hingeht - Hauptsache es geht bald los."

Im sächsischen Innenministerium ist man indes froh darüber, dass die Helfer aus anderen Bundesländern "frühzeitig" in Sachsen sind. "Wenn in Dresden erst einmal Pegel von neun Meter erreicht sind und die Einsatzkräfte erst dann hier einträfen, wäre es zu spät", sagt Ministeriumssprecherin Patricia Vernhold. Das Hochwasser beschäftige Sachsen noch bis in die kommende Woche. Von den dann anstehenden Aufräumarbeiten ganz zu schweigen.

Derzeit würden die Helfer aus Hessen in Nordsachsen und Dresden eingesetzt. In der Landeshauptstadt seien gestern Terrassenufer, die Ortschaft Cossebaude und der Stadtteil Laubegast Einsatzschwerpunkte gewesen. Der Bedarf wird von den Kommunen und Kreisen an das Ministerium weitergeleitet, das die Kräfte koordiniert.

Am frühen Nachmittag meldete sich der Krisenstab des Freistaats im Hülße-Gymnasium. 200 Rettungskräfte aus Marburg-Biedenkopf und Vogelsbergkreis sollten aufbrechen in Richtung Mühlberg an der Elbe, nördlich von Riesa. Laut Schienbein sollen sie dort Deiche sichern. Die weiteren Freiwilligen würden später eingesetzt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.06.2013

Stephan Klingbeil

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