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Lokales „Geduld ist die erste Tugend des Trappers“
Dresden Lokales „Geduld ist die erste Tugend des Trappers“
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11:50 11.07.2018
Dieser Waschbär ist in die Falle gegangen. Quelle: privat
Dresden

Waschbär, Fuchs, Marder, Dachs, Wühlmaus & Co. sind in den Augen vieler Menschen zunächst possierliche Geschöpfe. Aber die Begeisterung weicht blankem Entsetzen bzw. purer Verzweiflung, wenn die Wildtiere in unserem zivilisierten Leben auftauchen, sich übermäßig vermehren und Schaden anrichten.

Schermäuse können junge Bäume zum Absterben bringen

Schermäuse, die zu den Wühlmäusen gehören und gern verlassene Maulwurfbaue besiedeln, fressen Wurzeln, Rhizome, Knollen und Zwiebeln. Selbst jüngere Bäume bringen die Tiere in Größenordnungen zum Absterben. Obstbauern beispielsweise können dadurch in finanzielle Not geraten.

Waschbären räumen Mülltonnen aus, zerwühlen Komposthaufen, reißen auf der Suche nach Regenwürmern und Engerlingen große Löcher in Grasnarben, plündern Vogelnester, töten Klein- und Federvieh, ernten Früchte, werfen Pflanztöpfe um und bringen alles durcheinander.

Massive Schäden an Bausubstanz durch Waschbär

Über die Katzenklappe gelangen Waschbären problemlos in Wohnungen. Außerdem springen die Tiere mühelos eine mannshohe Mauer hoch und können vortrefflich klettern. Ein Balkon – selbst in der 5. Etage – ist kein Problem.

Wenn der Urin von der Decke tropft

Immenser wirtschaftlicher Schaden entsteht, wenn sich Waschbären oder auch Marder das Dach eines Gebäudes als Schlafplatz und Kinderstube aussuchen. Die Tiere zerstören die Dämmung, nehmen Deckenverkleidungen und Trockenbauwände auseinander, zerbeißen Strom- und Antennenkabel. Und nicht nur das. Die Exkremente der Tiere sind eine weitere negative Begleiterscheinung. Manchmal geht es sogar so weit, dass der Urin durch die Decke tropft.

4,5 cm großes Loch reicht Marder als Einschlupf

„Ein Marder braucht ein nur 4,5 Zentimeter großes Loch im Dach als Einschlupf. Ein Waschbär nicht mal das. Er nimmt einfach Ziegel raus“, weiß Thomas Schröder. Er nennt sich selbst „City-Trapper“ und nimmt mit der Bezeichnung Bezug auf die nordamerikanischen Fallensteller und Pelztier-Jäger.

Fuchs, Marder, Waschbär, Iltis und Dachs haben Städte besiedelt. Gerade Fuchs und Marder machen sich als Mäuse- und Rattenfänger verdient. Problematisch wird es, wenn die Population der Tiere immer weiter wächst und sie Schäden verursachen. Kopfzerbrechen bereiten auch mehr und mehr Waschbären, die sich massiv ausbreiten. Thomas Schröder arbeitet in Dresden als City-Trapper. Er stellt auf befriedeten Grundstücken, auf denen nicht gejagd werden darf, Fallen auf.

Seit 2006 Trapper als Beruf

Schröder, seit 1998 im Besitz des Jagdscheines, rückt solchen ungebetenen Raubsäugern gewerbsmäßig auf den Pelz. Und das seit 2006. Im vergangenen Jahr hat er nach eigener Aussage allein in der Stadt Dresden unter anderem 23 Füchse, 26 Steinmarder, 11 Dachse und 98 Waschbären gegen Bezahlung zur Strecke gebracht.

Tiere wie Fuchs, Dachs und Waschbär werden lebend gefangen

„Über 100 Fallen“, betreut der City-Trapper derzeit. „60 sind von mir, die anderen sind Eigentum von Kunden.“ Schröder setzt für Fuchs, Steinmarder, Dachs, Waschbär, Mink, Marderhund, Nutria, Wildkaninchen und Iltis ausschließlich Fallen ein, in denen die Tiere unversehrt lebend gefangen werden. Dadurch bestehe keine Gefahr zum Beispiel für Igel und Katzen, die einfach wieder frei gelassen werden können.

Tägliche Kontrolle der Falle erforderlich

Allerdings setze das eine tägliche Kontrolle der Falle voraus, damit gefangene Tiere in dem Kasten nicht zu lange ausharren müssen, was Tierquälerei wäre. Außerdem ist „Geduld die erste Tugend eines Trappers“, sagt der gelernte Mechanikermeister. Denn nicht immer stellt sich der Erfolg schnell ein.

Ei als Hauptköder

„Manchmal stelle ich die Falle auch erst ein paar Tage auf, ohne sie scharf zu machen. Lasse sie also auf Durchgang. So fassen die Tiere Vertrauen. Ist das Köder-Ei weg, weiß ich, dass Marder, Waschbär oder Fuchs da waren. Ist das Ei nur kaputt, kommen Ratte, Krähe, Elster, Igel in Betracht. Katzen fressen keine Eier.“

Sind Wildtiere in die Falle getappt, erschießt Thomas Schröder diese, friert sie als Zwischenlösung in einer Kühltruhe bei sich oder bei einer Tierärztin, mit der er zusammenarbeitet, ein.

Kadaver werden verbrannt

Schließlich werden die Kadaver in der Tierkörperbeseitigungsanlage verbrannt. „Denn laut Jagdgesetz darf man diese Tiere weder in Käfigen halten noch irgendwo anders aussetzen“, erklärt Thomas Schröder. „Käme ein Waschbär aus der Falle frei, wäre das fatal. Denn die Tiere sind enorm lernfähig. Sie würden nie wieder in einer solche Falle tappen und das auch ihrem Nachwuchs beibringen.“

Baden-Württemberg hat Abbalgstation

Prinzipiell gibt es die Möglichkeit, tote Tiere nach Baden-Württemberg zu bringen. Denn in Raststatt wurde vor reichlich einem Jahr eine Abbalgstation eröffnet. Träger des Projektes und Gesellschafter der „Fellwechsel GmbH“ sind der Deutsche Jagdverband e.V. und der Landesjagdverband Baden-Württemberg. In der Station sollen Raubwildbälge - u.a. auch Waschbär-Felle - einem Nutzen zugeführt, das heißt zum Beispiel von Kürschnern zu Kleidung verarbeitet werden.

Waschbären halten Winterruhe

„Allerdings ist nur Winterfell für diese Zwecke nutzbar. Und im Winter werden eher wenig Waschären gefangen. Denn sie halten zwar keinen Winterschlaf, aber Winterruhe, gehen also nur bei wärmeren Temperaturen auf Nahrungssuche und leben ansonsten von ihren Fettreserven“, so die Beobachtung des Dresdner Mechanikermeisters, der heute als Fallensteller seine Brötchen verdient.

Mutterschutz für Waschbär

Prinzipiell darf der Waschbär ganzjährig bejagt werden. Allerdings gilt in Sachsen vom 1. März bis zum 15. Juni „Mutterschutz“. Das heißt, dass Waschbärenweibchen und ihre Jungtiere für die Jagd tabu sind. „Der Zeitraum ist viel zu kurz. Ich habe Anfang Juli noch Waschbärenweibchen mit angesaugten Zitzen gefunden“, findet der City-Trapper. Er hat deshalb für sich festgelegt, vom 1. März bis zum 1. Juli keine Fallen aufzustellen.

Grundsätzlich könne jedes Bundesland für sich die Schonzeiten für bestimmte Tierarten festlegen. Schröder hält das für „aberwitzig“ und kann nicht verstehen, dass das nicht bundesweit einheitlich geregelt wird.

Jagd auf Grundstücken

„Der Eigentümer oder Nutzungsberechtigte eines Grundstückes in einem befriedeten Bezirk darf Dachse, Füchse, Iltisse, Marderhunde, Minke, Nutrias, Steinmarder, Waschbären sowie Wildkaninchen auch ohne Jagdschein fangen und sich aneignen. Er kann, sofern er die erforderliche Sachkunde besitzt, das gefangene Wild unter Beachtung tierschutzrechtlicher Vorschriften und entsprechender Anwendung des § 22 Abs. 4 Satz 1 des Bundesjagdgesetzes töten. Sofern er die nach Satz 2 erforderliche Sachkunde für die Tötung nicht besitzt, muss er einen Jagdscheininhaber oder eine sonstige sachkundige Person damit beauftragen...“ (Auszug aus dem Sächsischen Jagdgesetz, §8 . Jagdausübung im befriedeten Bezirk, Absatz 3)

Einfache Jägerrechnung

„Schwachsinn“ finde er die Ansicht von Wissenschaftlern, dass das Bejagen von Waschbären nichts bringe, weil sie den Verlust in der Population durch das Anheben der Reproduktionsleistung ausgleichen würden. „Jeder Waschbär, der gefangen wird, kann sich nicht mehr vermehren“, so seine Rechnung.

Kein Verständnis für Wolfansiedlung

Ebenso hat Thomas Schröder als Jäger, der als Gast auch bei anderen Jagdpächtern zum Beispiel Wildschweine jagt, für die Wiederansiedlung von Wölfen null Verständnis. „Der Wolf hat in unserer zersiedelten Kulturlandschaft nichts zu suchen.“

Marder mögen Mon Cherie

Um erfolgreich Wildtiere mit Fallen zu fangen, bedarf es schon genauerer Kenntnisse der Lebensweise und Ernährung der Tiere. Thomas Schröder präpariert die Kastenfallen mit Hühnermist, legt ein rohes weißes Ei hinein, platziert ein kaputtes Ei vor der Falle. „Marder mögen außerdem Mon Cherie, Honig und Nutella. Waschbären fahren auch auf Nutella, Gummibärchen und Mais ab“, ist die Erfahrung des City-Trappers.

City-Trapper Thomas Schröder mit einem erlegten Marder. Quelle: Dietrich Flechtner

Geheime Mixtur aus ätherischen Ölen

Füchse fängt er mit Eiern und vergammeltem Fleisch. Zudem stellt er Mixturen aus ätherischen Ölen her, was je nach Zusammensetzung bestimmte Tiere anlocke. Genaueres will der City-Trapper allerdings nicht verraten. Das sei „Berufsgeheimnis“.

Wühlmäuse fangen ist eine Wissenschaft für sich

Umfangreiche Erfahrungen hat Thomas Schröder, wie er selbst erzählt, auch mit dem Bekämpfen von Wühlmäusen. „Ich arbeite für den Staatsforst und auch für Obstbauern.“

Schermäuse zum Beispiel fängt er allerdings nicht lebendig, sondern er setzt nach einem von ihm entwickelten Raster in die Gänge Fallen ein, die die Tiere sofort töten.

„Gift bei Schermäusen fast nutzlos“

„Gift wird schlecht angenommen, ist teurer, und nach den Erfahrungen von bisherigen Anwendern fast nutzlos. Auch Gas funktioniert nicht. Liegt an der Biologie und der Lebensweise als Einzelgänger in einem abgeschlossenen Bau von etwa 35 Quadratmetern“, sagt der Trapper. Außerdem könne er seinen Fangerfolg mit den toten Mäusen besser nachweisen.

Bei der Bekämpfung von Feld- und Rötelmaus, die im Forst bei massenhaftem Auftreten große Schäden anrichten können, müsse er allerdings Gift einsetzen.

Verwühlprobe schafft Klarheit

Wer sich in seinem Garten nicht sicher ist, ob er Wühlmäuse hat oder der unter Naturschutz stehende Maulwurf Gänge durch die Erde gräbt, könne das ganz leicht mit einer „Verwühlprobe“ feststellen. Schröder erklärt das anhand von Zeichnungen, die er sich aus dem Buch „Wühlmaus und Maulwurf im Garten“ von Herbert Mesch, erschienen in den 1970er Jahren im Deutschen Landwirtschaftsverlag, kopiert hat.

„Man sucht mit Hilfe eines lanzenartigen Eisenstabes im Boden nach einem Gang und öffnet diesen auf einer Länge von etwa 30 Zentimetern. Ist das Loch nach wenigen Stunden verschlossen, wohnt hier eine Wühlmaus. Ein Maulwurf würde unter dem Bereich einen neuen Gang buddeln.“

Tipps für Haus- und Gartenbesitzer

Mit einem Informationsblatt „Waschbären in Sachsen – Tipps für Hausbesitzer“, das sich jeder kostenlos auf dem Internetportal https://publikationen.sachsen.de herunterladen kann, gibt das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft Tipps, um ungebetenen Besuchen von Waschbären vorzubeugen. Was kann man also tun?

– das Futterangebot für die Tiere verringern (z. B. Speisereste nicht auf den Gartenkompost geben, verschließbare Schnellkomposter nutzen, Mülltonnen verschließen bzw. mit Spanngummis sichern, Katzen- und Hundefutter nicht draußen stehen lassen)

– Fallrohre der Dachrinnen im Sockelbereich der Gebäude mit glatten, mindestens 1,0 m langen Blechen verblenden

– Katzenklappen und Dachluken nachts fest verschließen

– Gebäudefassaden von Bewuchs, der den Waschbären das Hinaufklettern ermöglicht, frei halten

– Äste von Bäumen, die in der Nähe von Gebäuden wachsen, so kürzen, dass die Äste bis maximal einen Meter an das Gebäude heran reichen

– regelmäßiges Impfen und Entwurmen von Haustieren

Ansprechpartner vor Ort: Bei Problemen mit Waschbären können sich Betroffene an die unteren Naturschutz- und Jagdbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte wenden

Gemeinsames Vorgehen gegen den Waschbären

Der Waschbär ist von der Europäischen Union als invasive Art von gemeinschaftlicher Bedeutung gelistet worden. Da es mittelfristig nicht möglich ist, die weitere Ausbreitung des Waschbären allein mit jagdlichen Methoden spürbar zu begrenzen, haben die Minister und Senatoren der Agrarressorts der Länder den Bund im September 2017 gebeten, zum einen „eine bundesweite Studie zum Einfluss des Waschbären auf geschützte und stark bedrohte Arten“ zu initiieren. Diese Studie solle sich zudem mit „anwendungsfähigen, über die jagdlichen Methoden hinausgehenden Maßnahmen zur langfristigen Verringerung der Gesamtpopulation des Waschbären in Deutschland“ beschäftigen. Der Bund wurde im Beschluss gebeten, bis zur Agrarministerkonferenz am 28. September 2018 zu berichten und einen Erfahrungsaustausch zur Ausbreitung des Waschbären, den Folgen sowie geeigneten Management-Maßnahmen zu organisieren.

Von Catrin Steinbach

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