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Lokales Gedenken an die Novemberpogrome – OB Hilbert warnt vor Wertezerfall
Dresden Lokales Gedenken an die Novemberpogrome – OB Hilbert warnt vor Wertezerfall
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22:46 09.11.2015
Quelle: DNN
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Dresden

Vor 77 Jahren sind während der deutschen Novemberpogrome mehr als 400 Juden Opfer des von den Nazis inszenierten „Volkszorns“ geworden. 1406 Synagogen brannten. Mehr als 7000 jüdische Geschäfte, Wohnungen und Gemeindehäuser wurden zerstört, jüdische Friedhöfe geschändet. Mit einer Kranzniederlegung vor der neuen Synagoge gedachten die Dresdner am Montag dieses Tages.

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So gedachten die Dresdner am Donnerstag der Pogrome von 1938.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) stellte klar, dass Juden im deutschen Reich schon vor dem 9. November 1938 drangsaliert und marginalisiert wurden. So verlas er die Betreffzeile einer Dienstanweisung an das Dresdner Rathaus aus dem Jahr 1933. Drei kleine Worte, die für viele Angestellte das berufliche Aus bedeuteten: „Entfernung jüdischen Personals“ – erlassen zwei Monate nach Hitlers Machtergreifung.

Die moralischen Werte hätten schon vor dem 9. November 1938 gelitten – durch Bücherverbrennung, Antisemitismus und die Ächtung der von den Nazis als „entartet“ diffamierten Kunst. „Dresden verlor damit seine Unschuld und seinen Status als Stadt der Kultur und Kunst“, mahnte Hilbert. „Wie gehen wir heute damit um, wenn unser Wertesystem erneut herausgefordert wird?“

Auch Nora Goldenbogen, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Dresden, erinnerte daran, dass es schon vor 77 Jahren Demonstrationen gab. Kurz darauf seien Geschäfte und Wohnungen geplündert sowie 151 jüdische Männer deportiert worden. Sie sieht den heutigen Rückgriff auf die Sprache des Dritten Reiches als Rückgriff auf den Geist des Nationalsozialismus. Deswegen richtete sie einen Appell an die Politik und alle Bürger, so etwas nie mehr zuzulassen.

Im Gedenken an das Geschehen vom 9. November 1938 fanden am Abend zudem Mahnwachen an fast allen der 179 Stolpersteine in Dresden statt.

Paul Felix Michaelis

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