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„Gebührenlast von der Bevölkerung nehmen“

Friedhofsgärtnertagung in Dresden „Gebührenlast von der Bevölkerung nehmen“

Deutschlands Friedhofsgärtner, die noch bis zum 12. Januar in Dresden tagen, haben sich zwei neue Grabgestaltungskonzepte ausgedacht, um dem Wandel in der Friedhofskultur begegnen. Sie fordern zugleich aber auch ein Umdenken in der Politik im Hinblick auf die Finanzierung. Unterhaltskosten von Friedhöfen müssten auf breitere Schultern verteilt werden.

Memoriam-Garten in Duisburg-Trompet

Quelle: GdF Bonn

Dresden. Die Friedhofskultur ist im Wandel. Alternative Bestattungsangebote, stagnierende oder sinkende Anzahl von Bestattungen, zunehmende Freiflächen, der Wegfall des Sterbegeldes und damit verbundene fehlende Gelder stellen viele Friedhöfe vor immense Herausforderungen, weiß Birgit Ehlers-Ascherfeld, Vorsitzende des Bundes deutscher Friedhofsgärtner (BdF). Sie gehört zu den rund 100 Experten – darunter Friedhofsgärtner, Geschäftsführer von Gartenbau Landesverbänden und von friedhofsgärtnerischen Dauergrabpflegeorganisationen – die noch bis Freitag in Dresden tagen und sich Gedanken über die Zukunft der Friedhöfe machen.

Friedhöfe sind mehr als ein Kostenfaktor

„Es ist unsere Aufgabe und die anderer auf dem Friedhof tätigen Gewerke, den Wandel in der Friedhofskultur aktiv mitzugestalten, attraktive Lösungen anzubieten, um so zum Erhalt von Friedhöfen beizutragen.“ Denn aus ihrer Sicht seien diese „ganz wichtige Orte“. Laut Birgit Ehlers-Ascherfeld würden Friedhöfe „bislang vor allem durch Gebühreneinnahmen von Bestattungen finanziert, d.h. die einzelnen und regional sehr unterschiedlichen Gebühren werden durch die Bestattungen eingenommen. Für eine langfristige Lösung brauchen wir eine Neubewertung des Friedhofs.“

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Deutschlands Friedhofsgärtner haben mit Memoriamgärten und „NaturRuh“ neue Grabgestaltungskonzepte entwickelt. Die Bildergalerie vermittelt davon einen Eindruck und zeigt auch Gestaltungsbeispiele für Einzelgräber.

Zur Bildergalerie

Friedhöfe seien „viel mehr als nur ein Kostenfaktor. Sie sind Kulturgegenstände und Denkmäler, Orte der Trauer und der Begegnung, Naherholungszentren, Biotope und Kaltluftschneisen. Das alles hat einen immensen Wert, den es auch entsprechend zu schätzen gilt. Deshalb sollten Unterhaltskosten auf alle Bereiche verteilt werden und die Gebührenlast von der Bevölkerung genommen werden. Das ist aber vor allem eine politische Frage.“

Alternative Grabgestaltungskonzepte auf dem Friedhof

Die Friedhofsgärtner ihrerseits hätten in den zurückliegenden Jahren „sehr konzeptionell gearbeitet und Grabgestaltungskonzepte wie den Memoriam-Garten und – ganz aktuell – NaturRuh entwickelt“, erläuterte Birgit Ehlers-Ascherfeld am Rande der Sitzung in Dresden.

Bei Memoriam-Gärten – eine Alternative zu Einzelgrabanlagen – handele es sich um gestaltete Gärten, die zugleich Teil eines Friedhofs sind. Darin eingebettet finden sich beispielsweise Urnen- und Erdbestattungsplätze, Einzelgräber oder Partnergräber. Die Planung, Umsetzung, Instandhaltung und Pflege werde von Friedhofsgärtnern übernommen. 75 solcher – lizensierter – Memoriamgärten sind seit 2009 in Deutschland entstanden. Aber es gibt – abgesehen von Berlin – keinen einzigen in den östlichen Bundesländern.

Das Konzept von NaturRuh-Begräbnisstätten wurde erstmals 2017 im Rahmen der IGA in Berlin vorgestellt. Ein solches Areal mit integrierten Grabstätten ist von seiner Gestaltung und Bepflanzung her naturnah gestaltet. Eine saisonale Wechselbepflanzung wie bei klassischen Gräbern gibt es nicht. Insektenhotels und Nistkästen bieten unterschiedlichen Tieren Unterschlupf. Die Pflege und die generelle Instandhaltung der Anlage übernehmen ganzjährig kompetente Friedhofsgärtnerfachbetriebe. Angehörige der auf einem solchen Areal bestatteten Verstorbenen werden von der Grabpflege entlastet und sparen durch die kostengünstigere Kollektivpflege.

Friedhofsgärtner setzen auf Pillnitzer Test für Buchsbaumalternativen

Apropos Natur und Ökologie. Laut dem Bund deutscher Friedhofsgärtner sei auf nahezu allen Friedhöfen in Deutschland die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln mittlerweile verboten oder ganz stark reglementiert. „Das bedeutet, dass insbesondere bei der Auswahl von Grabpflanzen – immer auf den jeweiligen Standort bezogen – auf Robustheit und Vielfältigkeit geachtet werden muss. Das ist eine der Kompetenzen von Friedhofsgärtnern, genauso wie die dauerhafte Pflege entsprechender Pflanzen ohne Einsatz von Pflanzenschutzmitteln“, gibt Ralf Kretschmer, stellvertretender Vorsitzender des BdF, Auskunft.

Die Raupen des Buchsbaumzünslers – eines aus Ostasien eingeschleppten Schmetterlings – die Buchsbäume (beliebte Form- und Heckengehölze) kahl fressen, treiben auch Friedhofsgärtner zur Verzweiflung. „Hier hilft nur noch ein Austausch der Pflanzen“, sagt Anja Qayyum-Kocks, ebenfalls stellvertretende Vorsitzende des BdF. Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz habe 2014 begonnen, 20 verschiedene Gehölzarten, die als Buchsbaum-Alternativen dienen könnten, zu testen.

Zahlen & Fakten

Zahl der Friedhofsgärtnereien in Deutschland: Laut Statistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gab es 2014 rund 9200 Friedhofsgärtnereien. Die Menge an Betrieben, die friedhofsgärtnerische Tätigkeiten ausführt, dürfte jedoch sehr viel höher liegen, da viele Gärtnereien mit anderen Schwerpunkten auch auf dem Friedhof arbeiten.

Zahl der Friedhofsgärtnereien in Sachsen: Vor 10 Jahren gab es 120 Vertragsgärtner der Dauergrabpflege. Heute sind es 116.

Zahl der Beschäftigten in Friedhofsgärtnereien: Deutschlandweit sind in den privatwirtschaftlichen Betrieben ca. 20 000 Personen beschäftigt. Dazu kommen die Mitarbeiter in den Friedhofsverwaltungen. Der Bund deutscher Friedhofsgärtner geht daher von ca. 50 000 Mitarbeitern rund um den Bereich Friedhof aus. Allein in Sachsen arbeiten etwa 400 Beschäftigte in privatwirtschaftlich organisierten Betrieben im friedhofsgärtnerischen Bereich.

Zahl der Auszubildenden: In den letzten 10 Jahren ist die Zahl der Azubis in Deutschland um 1/3 auf derzeit 400 Gärtner der Fachrichtung Friedhofsgärtnerei gesunken. 2016 waren in Sachsen 12 Jugendliche in der Ausbildung. Vorhandene Ausbildungsplätze können nicht alle vergeben werden.

Was verdient ein Friedhofsgärtner: Die Tarifhoheit liegt bei den jeweiligen Landesverbänden Gartenbau. Der Tariflohn der jeweiligen Region sei, bei entsprechender Tarifgebundenheit, mindestens zu zahlen. Vielfach werde je nach Leistung der Arbeitnehmer und mit Blick auf die Lebenshaltungskosten in den jeweiligen Regionen übertariflich gezahlt. In Sachsen werden um die 10 Euro für ausgebildete Gärtner gezahlt. Gärtnermeister verdienen mehr.

Zahl der Friedhöfe in Dresden: 58. Nur vier unterstehen kommunaler Verwaltung. Ein Friedhof befindet sich in Landeseigentum. Darüber hinaus gibt es in Dresden 49 evangelische, 2 katholische und 2 jüdische Friedhöfe.

Quelle: BdF/LHD

Möglichkeiten der Bestattung

Erdbestattung im Sarg. In Deutschland nur auf einem Friedhof möglich.

Feuerbestattung. Gemeint ist die Kremierung des Verstorbenen. Beigesetzt wird die Urne mit der Asche.

Naturbestattung: Sie setzt eine Kremierung des Verstorbenen voraus. Es gibt See-, Baum-, Wiesen- oder Felsbestattung. Bei der Felsbestattung wird die Asche des Verstorbenen in einem Felsengebiet verstreut oder unter einer Grasnarbe an einem Felsen beigesetzt. Diese Bestattungsart sowie die Almwiesenbestattung sind in Deutschland nicht erlaubt. Bei der Seebestattung wird die Asche in einer speziellen wasserlöslichen Urne im Meer versenkt. Die Baum- oder auch Waldbestattung ist in Deutschland gerade groß im Kommen. Bei dieser wird die Urne im Wurzelbereich eines Baumes vergraben.

Luftbestattung: Die Asche des Verstorbenen wird aus einem Fluggerät heraus in der Luft verstreut. Ist in Deutschland gesetzlich nicht möglich.

Diamantbestattung: Setzt die Kremierung des Verstorbenen voraus. Der größte Teil der Asche muss wie üblich beigesetzt werden. Aus dem anderen Teil wird in einem aufwändigen Verfahren ein Edelstein hergestellt. Da das in Deutschland nicht erlaubt ist, wird es im Ausland durchgeführt.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit

Von Catrin Steinbach

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