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Lokales Geblitzt in Dresden – Das sind die dümmsten Ausreden der Verkehrssünder
Dresden Lokales Geblitzt in Dresden – Das sind die dümmsten Ausreden der Verkehrssünder
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13:16 14.02.2019
Ja, es gibt ihn! Der Weihnachtsmann fährt in Dresden offenbar nicht Schlitten sondern BMW und das auch noch viel zu schnell. Heiligabend 2018 wurde er auf der Dohnaer Straße geblitzt. Nicht im Bild: die Geschenke. Quelle: Ordnungsamt Dresden
Dresden

Es soll ja vorkommen, dass man beim Rasen oder Rote-Ampeln-Überfahren heiße Ohren bekommt. Der erfahrene Autofahrer greift in einem solchen Moment zum Kühlakku.

So oder so ähnlich stellt sich das Szenario dar, dass Mitarbeitern der Bußgeldstelle im Ordnungsamt immer wieder geschildert wird – von Autofahrern, die mit dem Handy am Ohr geblitzt wurden. „Das war gar kein Handy, sondern ein Kühlakku“, heißt es dann. Wahlweise soll es statt des verbotenerweise benutzen mobilen Fernsprechgeräts auch ein Rasierer gewesen sein, was zumindest auf eine fragwürdige Hygiene schließen lässt. Oder der ertappte Autofahrer will in einen Getränkepack der Marke Capri-Sonne hineingehorcht haben – was man eben so macht, wenn man zu zügig über die Straßen der Landeshauptstadt brettert.

Diese wenig glaubhaften Ausreden lesen die Mitarbeiter der Bußgeldstelle jedenfalls häufiger auf eingesandten Anhörungsbögen, nachdem die erwischten Bleifüße und Rotlichtsünder unliebsame Post aus dem Ordnungsamt erhalten hatten. Dort ist ein regelrechtes Standardrepertoire fadenscheiniger Flunkereien bekannt, die inzwischen keinem der Mitarbeiter mehr ein müdes Lächeln entlocken. Einwände solcher Art halten der Überprüfung in der Bußgeldbehörde, zu der im Zweifelsfall auch andere Behörden hinzu gezogen werden, in aller Regel nicht stand.

Dresdner Verkehrssünder ist wenig einfallsreich

In den meisten Fällen wird das Verwarn- oder Bußgeld anschließend von den angeblichen Heißohren und Getränkelauschern auch ohne weiteren Kommentar gezahlt – die Behörde unterrichtet die Betroffenen meist von ihrem Unglauben, bevor sie die Sache ans Gericht zur weiteren Behandlung gibt. Das gilt auch für andere Standards ertappter Verkehrssünder wie „Ich bin doch bei Gelb gefahren“ oder „Ich musste einem Rettungsfahrzeug Platz machen“. Beides nicht einfallsreich und beides lässt sich in aller Regel auch gut überprüfen. Ebenso ist die Ausrede „Ich musste meine Frau in die Klinik fahren“ in der einstigen Geburtenhauptstadt Dresden zwar naheliegend, aber nach einer Überprüfung oft nicht haltbar.

An dieser Stelle lassen sich zwei Schlüsse ziehen: Der Dresdner Verkehrssünder, der 2018 übrigens so oft erwischt wurde wie lange nicht, ist nicht besonders einfallsreich und weicht wenig von den einschlägig bekannten Ausreden ab. „Völlig absurde Argumentationen kommen relativ selten vor“, heißt es aus dem Ordnungsamt. Immerhin: Nur ein geringer Prozentsatz der Verkehrssünder lässt es auf eine gerichtliche Überprüfung ankommen. Nur etwa 1,24 Prozent der Einsprüche im Bußgeldverfahren landeten 2018 und 2017 jeweils vor dem Amtsgericht. 2016 der Prozentsatz mit 1,87 Prozent ein wenig höher. Für Einwände gegen Verwarngeld gibt es keine statistische Angabe, weil die Unterlagen dazu aus Datenschutzgründen relativ zügig vernichtet werden. In jeden Fall gilt fast immer der Fall, dass zumeist die Einsicht nach der Ausrede kommt.

Geburtsurkunde als Entschuldigungsschein

Gleichwohl gibt es einige kuriose Fälle, bei denen sich die vermeintliche Lügengeschichte bei der Überprüfung als wahr herausgestellt hat. So setzte man sich in der Bußgeldstelle Ende des vergangenen Jahres mit einer jungen Mutter auseinander, die ihr Auto zu schnell durch eine Tempo-30-Zone gesteuert hatte. Als Grund gab sie an, dass sich das Kind „bereits auf den Weg gemacht hätte“, was an sich schon ungewöhnlich ist, weil in einem solchen Fall meist der Kindsvater oder ein Verwandter am Steuer sitzt. Dass an ihrer Aussage etwas dran war, konnte die junge Mutter jedoch mit einem in der Bußgeldstelle selten gesehenen Dokument nachweisen: Die Geburtsurkunde bewies eindeutig, dass ihre Fahrt ins Krankenhaus sehr eilig war. „Hier hatte die Behörde einsehen und stellte das Verfahren ein, da tatsächlich ,besondere Umstände’ vorlagen“, heißt es aus dem Ordnungsamt.

Schwieriger stellten sich die Ermittlungen in einem Fall heraus, der mit dem ruhenden Verkehr zu tun hat. 2017 wurde ein Dresdner belangt, weil er sein Auto ohne Berechtigung in einem Bewohnerparkbereich abgestellt hatte. Der Mann gab jedoch an, dass er als Kunde eines Gewerbes dort hatte parken dürfen. Sein Roller habe sich zur Reparatur in einer Werkstatt in der Nähe befunden. Die Bußgeldbehörde ließ ermitteln, ob sich in dem Bereich überhaupt Werkstätten befanden und ging sogar mit dem Gewerbeamt vor Ort auf Suche – Fehlanzeige. Da der vermeintliche Falschparker auf seiner Darstellung beharrte, ging die Sache vor Gericht. Dort stellte sich heraus, dass es tatsächlich eine Werkstatt gab, deren Betreiber es jedoch mit der Gewerbeanmeldung und dem Steuerrecht nicht so hielt, wie das der Gesetzgeber gerne hätte. Pech für ihn: Das Gewerbeamt nahm sich des Falles an. Der vermeintliche Falschparker konnte hingegen das Verwarngeld vermeiden.

Das kranke Kind, das gar nicht da war

Manchmal verstricken sich ertappte Verkehrssünder aber auch in seltsame Widersprüche. Im Sommer 2015 wurde eine Mutter gegen Mitternacht auf der Waldschlößchenbrücke mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt. Als Grund gab die Frau an, dass ihre im Auto mitfahrende Tochter erkrankt gewesen sei. Deshalb habe sie schleunigst die Brücke queren und dann rechts ranfahren wollen, um sich um ihr Kind zu kümmern. Dem Gericht kam das fadenscheinig vor. Wäre es eine Notsituation gewesen, hätte die Betroffene gleich rechts ranfahren müssen, was auf der mitten in der Nacht leeren Brücke kein Problem gewesen wäre. Oder sie wäre direkt weiter in die Uniklinik gefahren. Zu allem Überfluss war auf dem Foto des Blitzers gar kein Kind im Auto zu erkennen. Die Frau wurde vom Amtsgericht zur Zahlung verurteilt. Ob sie vor Gericht mit roten Ohren erschien, ist nicht überliefert.

Von Uwe Hofmann

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