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Lokales Garagen müssen Platz für Wohnungen machen
Dresden Lokales Garagen müssen Platz für Wohnungen machen
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15:40 02.05.2017
Dietmar Leuthold (links) und Ronald Birndt vor den geräumten Garagen in Löbtau. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Kurz nach 9 Uhr, es regnet in Strömen, sagt Rechtsanwalt Uwe Schmidt höflich, aber bestimmt: „Bitte verlassen Sie jetzt das Grundstück!“ Eine Handvoll Leute hat sich an der Anton-Weck-Straße in Löbtau versammelt, um zu beobachten, wie ein Garagengrundstück an einen neuen Eigentümer übergeht.

Aus den meisten der 16 Garagen sind die Holztore ausgebaut. Ines Gischler wohnt seit 2000 in Löbtau und kennt das Prozedere inzwischen. „Das ist jetzt die dritte Garage, die ich verliere.“ Sie fährt ein 15 Jahre altes Golf Cabrio, für das sie eine Unterstellmöglichkeit gefunden hat. Aber das Motorrad von ihrem Mann, das steht im Moment auf der Straße.

„Schauen Sie“, sagt Ronald Birndt, Vorstandsvorsitzender der Garagengemeinschaft Anton-Weck-Straße, und zeigt in seiner Garage auf das Dach,„hier habe ich jede Platte selbst verlegt. Ich war damals beim Autobahnbau, meine Fähigkeiten wurden gebraucht. Deshalb durfte ich mir auch eine Garage bauen.“

Grund und Boden gehören der Stadt. Das wird der Garagengemeinschaft nun zum Verhängnis. Das Grundstück wurde zum Festpreis von 113 600 Euro ausgeschrieben – für Wohnungsbau. „Wir haben uns auch beworben und hätten den Kaufpreis gestemmt“, sagt Birndt. Rund 7500 Euro pro Garageneigentümer wären fällig geworden. „Andere wären für die eingesprungen, die es nicht hätten zahlen können.“ Doch die Stadt habe abgewinkt. „Es sollte unbedingt ein Wohnhaus auf das Grundstück.“

Girndt hatte Vorschläge unterbreitet, den Garagenhof zu verschönern. Mit Bienenstöcken auf den Dächern, einem Leihfahrradparkplatz und viel Grün. „Die schöne Linde wäre natürlich stehen geblieben.“ Doch niemand in der Verwaltung sei auf die Vorschläge eingegangen. „Wir wurden gedemütigt“, sagt der Vorstandsvorsitzende bitter.

Die Bauherrengemeinschaft „AW 09 GbR“ ist nun Eigentümerin des Grundstücks. Auch bei ihren Vertretern hat die Auseinandersetzung Spuren hinterlassen. Keiner wollte sich äußern, weder zu den Garagenbesitzern noch zu den eigenen Bauplänen.

Ein Dreifamilienhaus soll gebaut werden, glauben die Garagenbesitzer, von einem Wohn- und Geschäftshaus sprach Schmidt, ohne ins Detail zu gehen. „Weil wir ohne Probleme geräumt haben, müssen wir nichts für den Abriss zahlen“, sagt Birndt. Rechtlich wären die Garagenbesitzer verpflichtet gewesen, die Hälfte der Abrisskosten zu tragen, die etwa 15000 Euro pro Garage betragen.

Mit der Anton-Weck-Straße wurde am Montag der erste Garagenhof in Dresden für Wohnungsbau geräumt, es wird nicht der letzte sein. 1350 Garagen stehen auf kommunalen Grundstücken, der Garagenhof in der Braunsdorfer Straße wurde bereits ausgeschrieben. Dietmar Leuthold hat deshalb die Initiative „Rettet Dresdner Garagenhöfe“ gegründet und weiß: „Unsere Garagen sind wohl auch nicht zu retten. Aber wir kämpfen.“

Aufgeben will auch Birndt nicht, obwohl er jetzt keine Garage mehr hat: „Der Stachel sitzt tief in mir. Ich werde mich weiter in der Initiative engagieren und dafür sorgen, dass möglichst viele Garagenbesitzer rechtzeitig aufwachen.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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