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Gärtnern im Kleingarten ist in Dresden weiter „in“

Zu wenig Gärten für immer mehr Einwohner Gärtnern im Kleingarten ist in Dresden weiter „in“

Etwa jeder zehnte Dresdner verbringt Freizeit in einem Kleingarten. Eine Zahl, die die Bedeutung des Kleingartenwesens deutlich macht. Das wurde vor Jahren schon mal totgesagt. Doch aktuelle Zahlen sprechen eine andere Sprache. Der Zulauf hält an. Doch die Kleingartenfläche und die Grünfläche pro Einwohner nehmen ab. Eine fatale Entwicklung.

Kleingartenanlage in Dresden.

Quelle: Catrin Steinbach

Dresden. Etwa jeder zehnte Dresdner verbringt Freizeit in einem Kleingarten. Eine Zahl, die die Bedeutung des Kleingartenwesens deutlich macht. Das wurde vor Jahren schon mal totgesagt. Doch aktuelle Zahlen sprechen eine andere Sprache. Der Zulauf hält an. Doch die Kleingartenfläche und die Grünfläche pro Einwohner nehmen ab.

„Standen 2015 noch 14,75 m² Kleingartenland pro Einwohner zur Verfügung, werden es 2018 noch 14,05 m² pro Einwohner sein“, zitiert Hofmann städtische Zahlen aus dem Doppelhaushalt 2017/18. „Wenn die Stadt und die Zahl der Einwohner wächst, muss auch die Zahl der Kleingärten wachsen“, sagt Frank Hoffmann, Chef des Stadtverbandes der Gartenfreunde Dresden. Denn das Kleingartenwesen hat für eine Stadt viele positive Seiten.

Wer sind die neuen Kleingärtner?

Vor allem Familien mit Kindern „kommen in Größenordnungen“. „Und denen geht es nicht darum, den Liegestuhl auf eine Wiese zu stellen. Sie wollen wirklich selbst Obst und Gemüse für den Eigenbedarf anbauen, beschäftigen sich mit naturnahem Gärtnern“, weiß Frank Hoffmann. Ein Leerstand „von deutlich unter einem Prozent“ von Kleingärten spreche Bände. Und auch die enorme Resonanz beim Wandertag durch Dresdner Kleingärten – 2016 kamen mit 360 Teilnehmern fast doppelt so viele wie 2015 – sei aus seiner Sicht ein Indiz für die Popularität des Kleingartenwesens.

„Ja, es gibt ein paar Anlagen, die nippeln am Rand der Existenz, weil es immer weniger Mitglieder werden. Aber wenn ich Nachfragende abwimmle, weil ich meine Ruhe haben will, dann ist das selbst gemachtes Elend“, findet der Stadtverbandsvorsitzende deutliche Worte.

Und er macht damit unmissverständlich deutlich, dass die Schreber für eine Pacht von preiswerten 0,088 Euro pro Quadratmeter und Jahr den Gedanken der Gemeinnützigkeit nicht aus den Augen verlieren dürfen, also sich an die Vorgaben des Bundeskleingartengesetzes halten müssen. Sonst droht die Aberkennung dieses Status, der unter Umständen empfindliche finanzielle Folgen (mehr Pacht und Steuern) hat und auch den Verlust des Gartenlandes bedeuten kann.

Wie vielen Kleingartenvereinen wurde in den zurückliegenden Jahren die Gemeinnützigkeit aberkannt?

Zwischen 2009 und 2014 waren es fünf Vereine mit 145 Parzellen und einer Fläche von 70 678 qm. „Die Flächen bleiben aber als Freizeit- und Erholungsgärten für das Grün erhalten.“ Das ist einer Antwort der Stadtverwaltung vom 17. November 2016 auf eine Anfrage des Linken-Stadtrates Andreas Naumann zu entnehmen. In den vergangenen zwei Jahren wurde laut Stadtverwaltung keinem Kleingärtnerverein die Gemeinnützigkeit aberkannt.

Kleingartenkolonie in Dresden

Kleingartenkolonie in Dresden.

Quelle: picture alliance / dpa

Was hat die Gemeinschaft vom Kleingartenwesen?

„Es bietet eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung auch für Menschen mit kleinem Geldbeutel, fördert die Beschäftigung mit Umwelt und Natur sowie Kontakte zwischen Menschen unterschiedlichen Alters, sozialer Herkunft, Gesundheitszustandes und auch Nationalität. Wir haben – um ein Beispiel zu nennen – im Verband einen Ausländeranteil von 5 Prozent. Es gibt Gemeinschaftsgärten für Familien, Tagesmuttergärten und vieles andere mehr. Zudem verbessern die Anlagen als grüne Oasen die Lebensqualität in der Stadt, schaffen Ruhe- und Erholungszonen auch für Nichtgärtner und es ist Stadtgrün, das gepflegt wird, so dass weniger Steuermittel dafür aufgewendet werden müssen“, nennt Hoffman einige Argumente. Das müsse man immer wieder ins Bewusstsein rufen. Denn die Dresdner Kleingärten vor allem in Innenstadtlage sind in Gefahr.

Warum geht Kleingartenland verloren?

Peu a peu werden Flächen abgeknapst. Weil neue Gebäude und Verkehrswege entstehen. Und weil aus Hochwasserschutzgründen weitere Gärten zurückgebaut werden müssen. „500 sind es insgesamt“, so Frank Hoffmann. 123 sind erst geschafft. Der Stadtverband der Gartenfreunde Dresden setzt auf Einsicht und Freiwilligkeit. „Der Stadt geht das zu langsam. Wir haben unser Tempo. Punkt.“

Seit 2014 verschwand aufgrund von Hochwasserschutzmaßnahmen 32 389 qm Kleingartenland. Hinzu kommen 3374 Quadratmeter, die für das neue Parkhaus Pfotenhauerstraße geräumt werden mussten. 33 Parzellen gingen durch Kündigungen der privaten Eigentümer des Grund und Bodens verloren. Das sind noch einmal 16 463 qm Fläche. Kamen in Dresden 2015 auf einen Einwohner noch 14,75 qm Kleingartenland, werden es laut Doppelhaushalt 2017/18 noch 14,05 qm sein.

Frank Hoffmann weist auf Gärten am Blasewitzer Landgraben, die wegrationalisiert werden sollen

Frank Hoffmann weist auf Gärten am Blasewitzer Landgraben, die wegrationalisiert werden sollen. Den Grund kann der Chef der Dresdner Kleingärtner nicht nachvollziehen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Wo sollen in naher Zukunft weitere Kleingärten verschwinden?

Ein privater Grundstückseigentümer hat am Wilden Mann dem dort ansässigen Kleingartenverein zum 30. November 2016 gekündigt, weil er andere Pläne mit dem Land hat. „Da es kein Bauland ist, werden wir hier nicht weggehen, sondern warten die Klage ab“, macht Stadtverbandschef Hoffmann klar.

Durch die Renaturierung des Leubnitzer Baches werden im Kleingartenverein Spitzweg acht Gärten verschwinden.

Ebenso sollen am Blasewitzer Landgraben Gärten weg. Acht Stück in diesem Fall. Der Grund: „Für den Bach soll ein Gewässerrandstreifen geschaffen werden. Doch ein paar Meter weiter Richtung Elbe kann dieser Schutzstreifen aufgrund der Bebauung gar nicht weitergeführt werden. Welchen Sinn hat das Ganze dann?“, fragt sich Hoffmann und will das Einkassieren der Gärten deshalb nicht hinnehmen.

Viertes Beispiel: „Weil die Prießnitz für ein 100-jähriges Hochwasser ertüchtigt wird, soll 2018 der Kleingartenverein Prießnitzaue weichen. Hier geht es um 34 Gärten. Ursprünglich war vorgesehen, dass nach Abschluss der Bauarbeiten am Wasserlauf wieder ein Teil der Gärten bewirtschaftet werden kann. Aber Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnis 90/Grüne) will jetzt die Bürger entscheiden lassen, was mit dem Gartenland passieren soll. Erste Planungen sehen einen Spielplatz vor“, empört sich Dresdens Kleingärtnerchef. Und er kündigt Widerstand an. „Wir sind nicht einverstanden, dass alle Gärten dort weg sollen, zumal es ein Konzept gibt, wie man auf Hochwasserflächen trotzdem gärtnern kann.“

Mobile Wände, an denen man Werkzeugschränke und Sonnensegel befestigen kann, sind eine Lösung, um in Hochwassergebieten trotzdem gärtnern zu

Mobile Wände, an denen man Werkzeugschränke und Sonnensegel befestigen kann, sind eine Lösung, um in Hochwassergebieten trotzdem gärtnern zu können.

Quelle: Landschaftsarchitekturbüro Grohmann

Gärtnern in Hochwassergebieten – an einigen Stellen in Dresden soll das möglich gemacht werden. Aber wie?

„Im Auftrag des Amtes für Stadtgrün und mit Zustimmung der Vereine wurde ein Konzept erarbeitet, wie man in Hochwassergebieten, wo Lauben abgerissen werden müssen, weiter gärtnern kann“, berichtet Frank Hoffmann. Die Lösung: Mobile Wände, an denen man Werkzeugschränke und Sonnensegel für einen Sitzplatz befestigen kann. Denn diese Stellwände sind im Hochwasserfall mit wenig Aufwand schnell weggeräumt. Bestücken lassen sich damit Gemeinschaftsgärten aber auch von einzelnen Personen oder Familien bewirtschaftete Gärten. „Ohnehin gibt es viele, die gar keine Laube haben wollen, weil sie gleich um die Ecke wohnen und den Garten wirklich zum Anbau nutzen“, weiß Hoffmann.

Schafft die Stadt Ersatz für verloren gegangene Kleingärten?

Ja. Aber aus Sicht der Dresdner Kleingärtner nicht genug. Für die acht Parzellen, die an der Pfotenhauerstraße dem Parkhaus weichen mussten, wurden acht Parzellen auf einem brach liegenden Land im KGV Blumenhain im Kleingartenpark Hansastraße geschaffen. „Die Stadt hat die Fläche beräumt, parzelliert und Wege gebaut, wir haben Strom und Wasser gelegt. Außerdem wird der Verband Lauben errichten, die dann von den künftigen Pächtern entsprechend ihren finanziellen Möglichkeiten langfristig abgezahlt werden können“, erklärt Frank Hoffmann. Mit der Verpachtung wurde am 1. Januar begonnen.

Ersatzland für weitere 17 oder 18 Gärten ist an der Pirnaer Landstraße/Bierweg gefunden. „Das so herzurichten, dass gegärtnert werden kann, wird unser Projekt im Zweiten Quartal 2017“, erfahren wir vom Stadtverbandschef.

Er sieht auch das Bauprojekt zwischen Reicker Straße und Bahntrasse „auf einem guten Weg“. Denn dort müssen zwar von fünf Vereinen Gärten dem Wissenschaftsstandort Ost weichen. Im Zuge der Planung sei aber gleich in unmittelbarer Nachbarschaft für Ersatz gesorgt worden.

Leider sei – so Hoffmann – dieses Vorgehen nicht die Regel. „Die Planer sehen einfach nicht den öffentlichen Nutzen, den Kleingärten haben. Muss es denn immer ein Park sein, dessen Pflege dann wieder jemand bezahlen muss?“, fragt der Chef der Kleingärtner. Und er weiß, dass Kleingärten wohnortnah entstehen müssen. Sonst würden die vielen positiven Effekte, die Kleingärten für die Umwelt und das soziale Miteinander haben, verpuffen.

Von Catrin Steinbach

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