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Lokales Fünf Jahre Haft wegen Totschlags an Khaled
Dresden Lokales Fünf Jahre Haft wegen Totschlags an Khaled
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11:19 07.11.2015
Dresden

Der Eritreer Hassan S. ist gestern wegen Totschlags vom Landgericht Dresdem zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Die Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richterin Birgit Wiegand sah es als erwiesen an, dass der 27-Jährige am 12. Januar dieses Jahres seinen Landsmann Khaled B. im Hinterhof einer Plattenbausiedlung auf der Johannes-Paul-Thilman-Straße in Leubnitz-Neuostra erstochen hat. Das Opfer erlitt Stiche in die linke Halsseite, die linke Brust und den Kopf und starb an einem Verblutungsschock.

Der Angeklagte hatte die Tat zum Prozessauftakt eingeräumt, sie aber mit Notwehr begründet. Er sei von Khaled B. nach draußen gebeten und dann angegriffen worden. Der 20-Jährige hätte ihn geschlagen und in den Schwitzkasten genommen. Dabei habe er einen „Gegenstand“ in dessen Hosenbund zu fassen bekommen, so der Angeklagte, und damit in Panik auf den Angreifer „eingeschlagen“.

Dass es sich dabei um ein 25 Zentimeter langes Küchenmesser mit einer 15 Zentimeter langen Klinge handelte, sei ihm erst viel später bewusst geworden. Diese Aussage glaubte die Kammer dem Angeklagten nicht. „Ein Messer fasst sich anders an als zum Beispiel ein Stück Holz. Ein Messer sieht auch in Eritrea wie ein Messer aus. Er wusste, dass er mit einem Messer mehrfach und mit voller Wucht auf sein Gegenüber eingestochen hat“, erklärte Wiegand. Auch das Nachtatverhalten des Angeklagten spreche gegen diese Aussage. Hassan S. war, als Khaled zu Boden ging, einfach weggelaufen und hatte seinen 20 Jahre alten Landsmann in der eisigen Kälte liegenlassen.

Probleme bereitete der Kammer und auch der Staatsanwaltschaft das Motiv. Zeugen für die Tat gab es nicht. Hassan S. hatte angegeben, dass es im Vorfeld einen Streit um die Nutzung der Waschmaschine gegeben habe. Das jedoch war anderen Mitbewohnern nicht präsent. Die jungen Asylbewerber aus Eritrea waren mit ihren Aussagen vor Gericht generell sehr zurückhaltend. Keinem von ihnen war aufgefallen, dass sich das Opfer die Nacht nicht in der Wohnung befand. Alle hätten erst am nächsten Morgen, als die Polizei vor der Tür stand, vom Tod Khaleds erfahren.

Man habe sich, auch wenn man zusammen in einer Wohnung oder sogar in einem Zimmer lebte, kaum gekannt und wenig miteinander gesprochen. Die Mitbewohner begründeten dies mit Sprachproblemen. Wer wen vor die Tür gebeten hatte und was dort genau passiert war, konnte so in der Beweisaufnahme nicht eindeutig geklärt werden. Der 27-jährige Angeklagte war aber zum Tatzeitpunkt uneingeschränkt schuldfähig. Das hatte der psychiatrische Gutachter Dr. Eberhard Heering vor Gericht erklärt.

Die Kammer ging von einem minderschweren Fall aus. Durch den „Schwitzkasten“ habe es eine gewisse Notwehrlage gegeben, die aber keine „gerechtfertigte Notwehr“ oder eine „Überschreitung der Notwehr“ bedeute. Einen Freispruch, wie von der Verteidigung gefordert, könne es deshalb nicht geben, so die Vorsitzende. Oberstaatsanwalt Christian Avenarius hatte acht Jahre Haft gefordert.

Der Tod von Khaled hatte bundesweit für erhebliche Aufregung gesorgt, da viele sofort von einem rassistischen Tatmotiv ausgegangen waren: Der Asylbewerber könne nur ein Opfer von Rechtsradikalen geworden sein, hieß es vielfach. Rund 3000 Menschen folgten einem Trauerzug für Khaled B. Auch Hassan S. trauerte öffentlich um seinen Mitbewohner.

Der Polizei wurde damals, obwohl die Ermittlungen erst begonnen hatten, umgehend Vertuschung vorgeworfen. „Da gab es sofort ein Schubladendenken und viel Voreingenommenheit nach dem Motto: ,Die Sächsische Justiz ist wieder einmal blind auf dem rechten Auge‘“, kritisierte Wiegand. „Die Polizei hat alles richtig gemacht und wurde behandelt, als ob dort nur Dilettanten arbeiten.“ Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck hatte sogar Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt gegen die Dresdner Polizei erstattet.

Monika Löffler

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