Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Frisch aus dem Knast: Wie in Dresden ein Wohnheim für Studenten aufgemöbelt wird
Dresden Lokales Frisch aus dem Knast: Wie in Dresden ein Wohnheim für Studenten aufgemöbelt wird
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 07.11.2018
Die neuen Möbel für die Zimmer im Studentenwohnheim an der Hoyerswerdaer Straße haben Gefangene des Bautzener Gefängnisses gefertigt – und teilweise auch gleich vor Ort mit aufgebaut. Quelle: Studentenwerk Dresden/Bildarchiv
Dresden

Tische, Schränke, Betten – das Dresdner Studentenwerk lässt derzeit das Wohnheim an der Hoyerswerdaer Straße aufmöbeln. Schritt für Schritt werden die Zimmer und Küchen der Einrichtung am Rand der Dresdner Neustadt neu eingerichtet. Die Möbel stammen jedoch nicht aus dem Einrichtungshaus um die Ecke, sondern kommen direkt frisch aus dem Knast. Denn mit der Herstellung der neuen Möbel und deren späteren Aufbau im Wohnheim hat das Studentenwerk jetzt erstmals Ge­fangene der Justizvollzugsanstalt in Bautzen beauftragt.

Bereits 50 der insgesamt 106 Zimmer in dem Wohnheim sind inzwischen neu eingerichtet worden. Die alten Möbel flogen raus, stattdessen stehen dort nun die Schreibtische und Schränke mit grau-weißem Dekor und dazu im farblichen Kontrast passend grüne Stühle. Gebaut werden die Möbel tatsächlich im Bautzener Gefängnis, wo schon seit Jahren Gefangene Möbel herstellen, die dann vorwiegend vom Freistaat für die Ausstattung in öf­fentlichen Einrichtungen angekauft werden. Gemeindeverwaltungen, Kindertageseinrichtungen und Gerichte zählen da­­­zu. Aber auch private Interessenten wissen die Möbel aus dem Knast zu schätzen. So finden sich die Knast-Möbel auch in Ho­tels, Gaststätten, Arztpraxen und im Leipziger Zentralstadion.

Bereits vor rund zwei Jahren waren die für den Möbeleinkauf verantwortlichen Mitarbeiter des Studentenwerks auf die JVA Bautzen und die Tischlereiprodukte aufmerksam geworden. Anfang 2017 schauten die Dresdner dann erstmals vor Ort vorbei, machten sich ein Bild von der Werkstatt. Nach einigen Gesprächen über den Verwendungszweck und das Dekor stand bereits im Oktober vor einem Jahr ein Musterzimmer zur Be­gutachtung im Wohnheim bereit. „Die Mö­bel trafen auf große Zustimmung so­wohl bei den Studenten als auch bei den Mitarbeitern“, heißt es vom Studentenwerk.

Kurz darauf wurde ein Vertrag ge­schlos­sen, dessen Abwicklung über einen Beamten der JVA läuft. Seitdem liefern die Insassen des Bautzener Knastes „sehr zu­verlässig die Möbel für ein Zimmer nach dem anderen aus.“ Etwa zehn bis 15 Gefangene arbeiten den Angaben zufolge an den Tischen, Schränken und Betten – und einige sind sogar beim Aufbau im Wohnheim an der Hoyerswerdaer Straße dabei. Hierbei kommen nur aber nur so genannte „Freigänger“ zum Einsatz.

In den nächsten Wochen sollen nun die übrigen Zimmer folgen, auch die großen Gemeinschaftsküchen werden Schritt für Schritt modernisiert. Die Unterkunft ist al­len voran wegen ihrer Lage beliebt, sind die Wege ins benachbarte Kneipenviertel Äußere Neustadt doch problemlos per Fuß zu meistern. Und: Die Zimmer sind mit Mietpreisen in Höhe zwischen 203 und 213 Euro vergleichsweise günstig. Al­lerdings müssen sich die Bewohner Küche, Bad und Toiletten auch mit bis zu 18 weiteren Bewohnern auf einem Gang teilen.

Von Sebastian Kositz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wer in Dresden mit dem Taxi unterwegs ist, muss künftig tiefer in die Tasche greifen: Nach Beschluss des Stadtrats werden die Preise wegen Betriebskosten und Inflationsrate um bis zu 14,4 Prozent steigen. 

07.11.2018

1893 – und zwar am 8. September – erschien in Dresden zum ersten Mal die Tageszeitung „Neueste Nachrichten“. Nur wenig später wurde sie in „Dresdner Neueste Nachrichten“ umbenannt. Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, zurückzuschauen in die Geschichte Dresdens, Deutschlands und der Welt. Heute widmen wir uns dem Jahr 1981.

11.11.2018

In verschiedenen europäischen Großstädten ist es schon Realität: ein Rauchverbot in öffentlichen Parks. Steht dies auch in Dresden bevor? Gegenüber den DNN äußern sich Stadt und Land, was sie davon halten.

07.11.2018