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Lokales Frauenkirchenglocke Maria klingt auch mit 500 Jahren noch gut
Dresden Lokales Frauenkirchenglocke Maria klingt auch mit 500 Jahren noch gut
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11:24 30.10.2018
Die Dresdner Frauenkirche hat sieben neue Glocken und eine alte namens Maria. Quelle: Roland Halkasch
Dresden

In den Jahren 2002 und 2003 wurden sie gegossen, die Glocken der wiederaufgebauten Frauenkirche – mit einer Ausnahme: die Glocke Maria. Sie ist bereits sage und schreibe ein halbes Jahrtausend alt. Dass es sie noch gibt, ist Zufällen zu verdanken. Umso außergewöhnlicher ist, dass dieser mit Abstand älteste Teil des achtstimmigen Geläuts in dem berühmten Gotteshaus am Neumarkt nun dieses 500. Jubiläum vor sich hat, das natürlich auch gefeiert wird.

Im Jahr 1518 hatte Martin Hilliger (1484–1544) aus einer bekannten sächsischen Glockengießerdynastie die Maria gegossen – jedoch nicht für die Frauenkirche. Einst war sie die größte Glocke des dreistimmigen Hauptgeläuts der Stiftskirche des Klosters Altzella bei Nossen. Allerdings wurde das Kloster 1540, ein Jahr nach der Einführung der Reformation in Sachsen, aufgehoben. Später verteilte Vater August, seit 1553 sächsischer Kurfürst, die zwölf Glocken des Klosters nach eigenem Gutdünken.

Von Dresden nach Hamburg und auf Umwegen zurück

Die Glocke Maria ist Vortragsthema in der Frauenkirche. Quelle: Stiftung Frauenkirche Dresden

Seit 1539 hatte es infolge der Reformation in der Frauenkirche keine Gottesdienste mehr gegeben. Bei der Erweiterung der Dresdner Befestigungsanlagen war sie bis 1556 aber ins Stadtgebiet einbezogen worden und sollte wieder geöffnet werden, da sich die Kreuzkirche als alleinige Stadtkirche als zu klein erwiesen hatte. Auch ein neues Geläut war nötig. Und so stiftete August drei einstige Altzellaer Glocken, die 1557 im Dachreiter des damaligen gotischen Vorgängerbaus der heutigen Frauenkirche aufgehängt wurden. Eine davon war Maria.

Weil das als Glockenstuhl dienende Türmchen baufällig war, wurde es 1722 – fünf Jahre vorm Abbruch der alten Frauenkirche – abgerissen. Das Geläut fand seinen Platz in einem als Zwischenlösung gedachten und 1735 wieder entfernten Glockenturm auf dem Kirchhof. In jenem Jahr wurde auch George Bährs Kuppelbau als Nachfolger der alten Frauenkirche eingeweiht. Schon im Jahr zuvor war Maria als nunmehr kleinste und älteste von vier Glocken in der Frauenkirche aufgehängt worden. Dort läutete sie auch während des Ersten Weltkriegs. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Geläuten wurde sie damals nicht eingeschmolzen.

Nachdem das Gotteshaus 1925 als Ersatz für die Weltkriegsverluste drei neue Bronzeglocken erhalten hatte, passte die Maria wegen ihres angeblich unreinen Tones nicht mehr ins Geläut. Deshalb wurde sie verkauft und landete in der evangelischen Kirche der Landesanstalt Hubertusburg. Dort überstand sie auch den Zweiten Weltkrieg, da sie ab 1940 in einer Liste erhaltenswerter Glocken stand. Nach dem Krieg erhielt sie die Kirchgemeinde Wermsdorf als Geschenk. Dann ging die Glocke 1960 an die Kirchgemeinde in Dittmannsdorf über, gelegen zwischen Nossen und dem Tharandter Wald – und damit schlug sie wieder in der Nähe ihrer Ursprungsorte Freiberg und Altzella.

Alle Glocken läuten nur am 13. Februar und zu Pfingsten

In Dittmannsdorf war die Glocke 75 Jahre älter als die Kirche selbst. Als in Dresden die Pläne zum Wiederaufbau der Frauenkirche konkreter wurden, erklärte sich die Dittmannsdorfer Kirchgemeinde 1997 bereit, die Glocke an die Frauenkirche zurückzugeben. Im Jahr darauf wurde die immerhin 328 Kilogramm schwere Maria, die 690 Millimeter hoch ist und 846 Millimeter Durchmesser hat, nach Dresden transportiert. Während der Bauzeit der Kirche hing sie ab 1998 auf einem provisorischen Glockenträger aus Holz auf dem Neumarkt, wo sie zur Andacht und zum Gottesdienst läutete.

Heute ist die Maria als Gedächtnisglocke Teil des achtstimmigen Geläuts der wiederaufgebauten Frauenkirche, das erstmals zu Pfingsten 2003 erklang. Allerdings wurde sie nicht in die Disposition aufgenommen, harmoniert also nicht sonderlich gut mit den anderen Glocken – alle acht zusammen läuten nur zu Pfingsten und am Abend des 13. Februars im Gedenken an die Luftangriffe. Zu Ostern, Weihnachten und in der Neujahrsnacht sind nur die anderen sieben zu hören.

Die Verzierung der alten Glocke ist sparsam. Ihre Inschrift lautet: „afe maria gracia plena domynvs thekvm mader myseri kortie mcccccxviii jar“, was sich mit dem aus dem katholischen Grundgebet Ave Maria bekannten Anfangssatz übersetzen lässt: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, Mutter der Barmherzigkeit. Jahr 1518.“ Auch mit der Glocke selbst scheint der Herr gewesen zu sein, denn dass sie noch existiert, ist eine glückliche Fügung.

Um das Jubiläum zu feiern, widmen sich am heutigen Dienstg von 17 bis 21 Uhr in der Unterkirche der Frauenkirche (Eingang F) Vorträge der 500-jährigen Geschichte der Glocke. Zu den Referenten gehören der Kunsthistoriker und ehemalige Landeskonservator Heinrich Magirius, der Pfarrer und Kirchenhistoriker Hans-Peter Hasse, der Neinstedter Glockensachverständige Christoph Schulz und der Sachverständige für Geläute und Turmuhren Rainer Thümmel aus Radebeul. Die Veranstaltung steht allen Interessierten bei freiem Eintritt offen.

Von Stefan Schramm

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