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Flecktarn trifft Lidschatten: 37 Mädchen lernten zum Girls’ Day den Offiziersberuf kennen

Flecktarn trifft Lidschatten: 37 Mädchen lernten zum Girls’ Day den Offiziersberuf kennen

40 Augenpaare richteten sich gestern auf Oberstleutnant Henry Hölzner, Kasernenkommandant der Offizierschule des Heeres (OSH) in der Marienallee.

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Oberstleutnant Henry Hölzner (50) zeigt den Schülerinnen Schulungsräume und Sportanlagen der Offizierschule.

Quelle: Andor Schlegel

Von jane Jannke

Doch es waren keine Offiziersschüler, die dem Kommandanten lauschten, sondern 37 Mädchen und drei Jungen im Alter von 15 bis 16 Jahren. Aus der Region Chemnitz/Zwickau waren sie angereist, um im Rahmen des Girl's Day einen Eindruck vom Beruf des Bundeswehroffiziers zu bekommen.

Ob es der ungewohnt zackige militärische Ton war, den der Oberstleutnant geschickt mit einer großzügigen Por- tion Wortwitz mischte, oder doch der spannend geschilderte Alltag in der Kaserne, war nicht endgültig auszumachen: Still war es jedenfalls, keiner schwatzte, niemand blieb zurück. Stattdessen Fragen: "Was ist, wenn ich den Hindernisparcours nicht gleich schaffe?", wollte ein Mädchen wissen, nachdem Hölzner die Jugendlichen über die großzügigen Sportanlagen der Kaserne mit Schwimmhalle, Fußballplatz, Fitnessräumen und Laufparcours geführt und über die wesentliche Rolle referiert hatte, die körperliche Fitness für den Beruf des Offiziers spiele. "Dann müssen Sie trainieren, dafür haben Sie ja hier auch ausreichend Zeit", lautete die Antwort. Sport sei ohnehin nicht alles beim Offiziersberuf, so der Oberstleutnant. An der OSH werde viel Wert auf die Entwicklung von taktischen Fertigkeiten, Kenntnisse auf den Gebieten Militärgeschichte, Politik und Sprachen sowie auf die Vermittlung von Führungskompetenzen gelegt.

Überhaupt machten die körperlichen Anforderungen den Mädchen am meisten Sorgen: 3000 Meter laufen mit 15 Kilogramm Ausrüstung auf dem Buckel - das muss hier jeder Schüler, ganz gleich welchen Geschlechts. Hört sich nicht gerade nach Spaß an. Da ändern auch verlockende Aussichten auf abenteuerliche Biwak-Trips in die Sächsische Schweiz nichts. "Der Gepäcklauf ist schon ziemlich hart", bestätigt Simone Förster. "Aber sonst ist das eigentlich alles zu schaffen, wenn man einigermaßen sportlich ist."

Der 20-jährige Obergefreite weiblich, wie es im immer noch unüberhörbar männlich belegten Dienstjargon der Bundeswehr heißt, strebt eine Laufbahn bei den A-B-C-Truppen an. Den Mädchen versucht die zierliche Offiziersanwärterin die Angst vor den Herausforderungen zu nehmen: "Bislang habe ich alle meine Prüfungen geschafft." Doch warum überhaupt das Militär? "Ich wollte nach der Schule was Interessantes machen. Das vielfältige Angebot bei der Bundeswehr hat mich gereizt, man verdient auch recht gut." Ihr Umfeld habe ihre Entscheidung mit gemischten Gefühlen aufgenommen. "Meine Familie unterstützt mich sehr. Aber gerade unter älteren Lehrern gab es auch Vorbehalte", erzählt die 20-Jährige. Noch ist sie die einzige Frau in ihrem Lehrgang.

Ein weiblicher Offizier, der männlichen Untergebenen im Feld Befehle erteilt? Noch vor wenigen Jahren schwer vorstellbar. Bis weit in die 1990er-Jahre hinein galt die klassische Militärkarriere als strikt männliche Domäne. "Wir sind immer noch in einem Lernprozess", verrät OSH-Presseoffizier Holger Hase. Derzeit liege der Frauenanteil in der Kampftruppe bei lediglich vier Prozent. Auch heute werde bei Frauen in der militärischen Ausbildung immer noch stärker hingeschaut: "Sie müssen sich mehr bewähren als Männer", redet der Major Klartext. Oft sei aber auch eine Tendenz männlicher Kommandeure zu beobachten, die weiblichen Schüler mit Samthandschuhen anzufassen - "Obwohl wir das eigentlich gar nicht wollen!", protestiert der Obergefreite weiblich lachend.

Erstaunte Blicke, als Simone Förster den Teenagern später ihre Stube zeigt: Ein geräumiges, helles Zimmer mit Bett, Schrank, Schreibtisch und Bad hat sie für sich allein. "Das ist nicht die Regel, normalerweise liegen wir zu zweit auf der Kammer", stellt sie klar. "Das hatte ich mir immer ganz anders vorgestellt", erzählen Emma und Lea aus Limbach-Oberfrohna später. "Armee - das war für uns bislang Geschrei, Drill und düstere Kasernen, aber hier ist alles modern und großzügig, und alle sind freundlich", so die beiden 15-Jährigen. Offizier möchten sie zwar nicht werden, die harten Anforderungen schreckten dann doch ab: "Aber wir haben so einige Vorurteile abgebaut."

weitere Infos im Internet bei www.dnn- online.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.04.2012

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