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Lokales Finnisch? Gar nicht so schwer
Dresden Lokales Finnisch? Gar nicht so schwer
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08:33 30.10.2018
Doppelseite aus der finnischen Kinderfibel mit den Buchstaben E und P   Quelle: Stadtarchiv Dresden, 13.48 Schulmuseum Nr. 141/3 Quelle: Stadtarchiv Dresden
Dresden

Finnland ist ein Land, über das viele Klischees kursieren. Es sei immer kalt, die Sprache sei die schwierigste der Welt und die Menschen introvertiert und wortkarg. Doch abgesehen von diesen Vorurteilen ist weithin bekannt, dass das finnische Bildungssystem eines der Besten weltweit ist. Allein 2015 belegte Finnland den 5. Platz der weltweit geführten PISA-Studie. Den Anfang nahm diese Entwicklung in der ab Ende der 50er Jahre etablierten finnischen Bildungsreform.

Das Archivale des Monats Oktober stammt aus dem Jahr 1959 – steht also zeitlich ganz am Anfang jener Reform. Hierbei handelt es sich um eine finnische Kinderfibel mit dem Titel „Meidän Lasten Aapinen“, auf Deutsch „Unsere Kinderfibel“, die das einzig finnischsprachige Werk im Bestand des Stadtarchivs markiert und somit allein schon der Herkunft und der Sprache wegen eine Besonderheit darstellt.

Die Fibel selbst stammt aus dem Schulbestand des Stadtarchivs. Ursprünglich wurde dieses Buch von Urho Somerkivi persönlich noch im Jahr des Erscheinens während eines Besuches in Dresden einem gewissen Fritz Lehmann gewidmet und signiert. Die Autoren des Schulbuches, Aukusti Salo und Urho Sommerkivi, waren beide maßgeblich an der Reform und Bildung des neuen Schulsystems beteiligt. Die Fibel ist reich illustriert und beinhaltet beginnend mit dem finnischen Alphabet, Kinderreime, Gedichte, Gebete und auch Volksmärchen (Kansasatut). Dass Somerkivi sich auch für Folklore im eigenen Land einsetzte, erkennt man beispielsweise auch daran, dass sogar ein Gedicht vom national gefeierten Dichter Johann Ludvig Runeberg enthalten ist.

Die Zeichnungen stammen von Rudolf Koivu und Martta Wendelin. Beide waren zeitlebens populäre finnische Illustratoren von Kinder- und Märchenbüchern und noch heute wird jungen Künstlern solcher Werke der „Rudolf Koivu Preis“ verliehen. In Finnland haben Fibeln (Aapinet) schon eine lange und für die Sprache sehr bedeutende Geschichte.

Die älteste finnische Fibel wurde von Mikael Agricola, der als Reformator und Begründer der Literatursprache in Finnland gilt, im Jahr 1543 unter dem Titel „Abckiria“ veröffentlicht und ist damit eines der ältesten Werke in finnischer Sprache. Es wandte sich noch an literarisch bewanderte Priester. Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten sich dann die Schulfibeln, wie wir sie heute noch zum Teil kennen. Nur zu Kriegszeiten, die die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Finnland prägten, waren sie aufgrund von Materialnot selten. Umso populärer wurde dann die Fibel von Salo und Somerkivi am Ende der 50er, die mehrere Auflagen miterlebte und sofort mit der ersten Ausgabe „von der Schulbehörde genehmigt“ wurde.

Von Marc Eric Mitzscherling, Stadtarchiv

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