Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Finnen bauen in Dresden Kraftwerk für 95 Millionen Euro
Dresden Lokales Finnen bauen in Dresden Kraftwerk für 95 Millionen Euro
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:35 15.01.2019
An der Farbgebung wird noch gearbeitet: Vorläufige Visualisierung des Neubaus in Reick. Quelle: Visualisierung: Drewag
Dresden

Wo früher Schweröl gelagert wurde, entsteht bis 2021 ein hochmodernes Kraftwerk: Am Montag schloss die Geschäftsführung der Dresdner Stadtwerke GmbH (Drewag) mit der Konzernspitze des finnischen Herstellers Wärtsilä den Vertrag über den Neubau in Reick, für den ein Budget von 95 Millionen Euro zur Verfügung steht. „Wir haben einen Risikozuschlag eingeplant, werden aber nicht dreistellig“, erklärte Drewag-Geschäftsführer Frank Brinkmann.

Das 105 Meter mal 30 Meter große Gebäude mit 28 Metern Höhe und zwei 58 Meter hohen Schornsteinen wird acht Gasmotoren beherbergen. Diese werden in zwei Modulen zu je vier Motoren angeordnet. Jeder einzelne Motor kann separat in Betrieb genommen werden, erläuterte Thomas Doltze, Projektleiter für das Kraftwerk bei der Drewag. „Wir können die Anlage minutengenau entsprechend der Preise und der Lastsituation in der Stadt regeln.“

Melle Kriusdijk: „Die Deutschen geben bei der Energiewende den Ton an.“

Die Energiewende erfordert laut Brinkmann flexible Erzeugungseinheiten. Stehen Wind- und Solarstrom wegen der Witterung nicht zur Verfügung, müssen andere Erzeuger einspringen. Und zwar schnell: Bei einem Schnellstart liefert das Kraftwerk in weniger als 30 Sekunden Strom. Die neue Anlage wird schwarzstartfähig sein, was heißt: Sie kann ohne externe Energie hochgefahren werden. Bei einem deutschlandweiten Stromausfall, dem sogenannten Blackout, kann Reick die Energie liefern, um das Kraftwerk Nossener Brücke wieder zu starten. So wird es gelingen, ein sogenanntes Inselnetz aufzubauen, das die Landeshauptstadt mit Strom versorgt.

Die Motoren verfügen über 20 Zylinder mit je 32,5 Liter Hubraum und bringen eine Leistung von 11,34 Megawatt, erläuterte der Projektleiter, die Gesamtleistung des Kraftwerks liegt bei etwa 90 Megawatt. „Damit kann eine Betriebseinheit in der Nossener Brücke ersetzt werden“, so Doltze. Die Drewag rechnet laut Brinkmann damit, dass das neue Kraftwerk 5000 Stunden im Jahr im Betrieb ist. Mit dem Neubau könnte Dresden 80.000 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen pro Jahr einsparen, weil Einheiten von ungekoppelter Wärmeerzeugung in Reick und an der Nossener Brücke ersetzt werden können.

Melle Kriusdijk, Vizepräsident des finnischen Konzerns mit weltweit rund 18.000 Mitarbeitern, erklärte, der Drewag-Auftrag sei nach Mainz die zweite Referenz für das Unternehmen in Deutschland. „Die Deutschen geben bei der Energiewende den Ton an. Deshalb ist der Auftrag für uns so wichtig.“ Die Turbinen würden im finnischen Vaasa hergestellt und auf dem Seeweg nach Dresden kommen.

Die Drewag-Geschäftsführung mit Ursula Gefrerer und Frank Brinkmann mit Wärtsilä-Vizepräisdent Melle Kriusdijk (v.l.). Quelle: Anja Schneider

Die letzten Meter vom Alberhafen bis nach Reick dürften zur großen Herausforderung werden: Fünf Meter sind die Einheiten inklusive Rahmen hoch, hinzu kommt die Höhe des Sattelschleppers. „Wir werden eine Route finden“, verspricht der Projektleiter.

Nach dem Vertragsabschluss beginnt die Detailplanung für den Bauantrag. Im Spätsommer oder Frühherbst soll der Grundstein in Reick gelegt werden, so Brinkmann. Mitte 2020 werden die Motoren geliefert, Mitte 2021 soll der Dauerbetrieb beginnen. „Es wird nicht das letzte Kraftwerk dieser Art in Mittel- und Ostsachsen sein“, kündigte der Drewag-Geschäftsführer an. „Die Braunkohle ist endlich.“ „Wir haben die Referenzen von 68 Gigawatt Kraftwerkskapazität in 177 Länder auf der ganzen Welt“, erklärte Kriusdijk.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Montagabend lag der Pegel der Elbe in Dresden bei 2,36 Meter. Das ist etwas mehr als der Normalwert. Und: In den nächsten Tagen werden den Prognosen zufolge sogar noch einige Zentimeter dazukommen.

15.01.2019

Kaum eine Stadt weiß soviel darüber, was auf ihren Straßen passiert wie Dresden. Für das Verkehrsleitsystem Vamos sammeln mehr als 1000 Messtellen Daten – in Echtzeit. Das verschafft Dresden einen Vorsprung in Sachen Verkehr der Zukunft. 

15.01.2019

Der Dresdner Sternekoch Stefan Hermann plant einen Neustart mit seinem Gastronomieunternehmen bean & beluga – gemeinsam mit einem anonymen Investor. Der gesamte Geschäftsbetrieb ist auf eine Nachfolgegesellschaft übertragen worden. Vieles soll aber beim Alten bleiben.

17.01.2019