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Lokales Feuerwehr bekommt es immer mehr mit übergewichtigen Patienten zu tun
Dresden Lokales Feuerwehr bekommt es immer mehr mit übergewichtigen Patienten zu tun
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09:27 22.03.2018
Notfallsanitäter und Brandmeister Stephan Leistner demonstriert, wie die Spezialtrage für stark Übergewichtige auf der Ladebordwand in den Rettungswagen gehoben wird. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

„Es ist ein zunehmendes Problem“, sagt Thomas Dittrich von der Abteilung Rettungsdienst der Dresdner Feuerwehr. Immer häufiger müssen die Kameraden feste zupacken, weil stark übergewichtige Patienten in einen Rettungswagen oder Krankentransport gebracht werden müssen. „Zu zweit schaffen das die Notfallsanitäter nicht, da muss dann ein Löschzug hinzubestellt werden“, sagt Dittrich.

553 Mal Muskelschmalz

Als „Tragehilfen für Rettungsdienst“ wird ein solcher Einsatz statistisch erfasst. 2017 mussten Feuerwehrleute 553 Mal Muskelschmalz beim Patiententransport beweisen, das sind etwa eineinhalb Einsätze pro Tag. Im Vergleich zu 2016, als 488 Tragehilfen angefordert wurden, ist das ein Anstieg um reichlich 13 Prozent. „Das ist die gleiche Entwicklung, wie sie sich auch anderswo in Deutschland beobachten lässt“, sagt Dittrich einerseits.

Andererseits haben Tragehilfen ihren Anteil am beträchtlichen Anstieg der sogenannten Technischen Hilfeleistungen am Dresdner Einsatzgeschehen. Diese sind im vergangenen Jahr um fast ein Viertel auf 5714 Einsätze angewachsen.

Das Übergewicht mancher Patienten macht Rettungsdiensten immer mehr zu schaffen. Oft muss dann die Feuerwehr zugreifen – die Dresdner Kameraden werden immer häufiger als Tragehilfen zu Einsätzen gerufen. Für stark adipöse Menschen haben sie besonders schweres Gerät angeschafft.

Wobei nicht nur übergewichtige Patienten Trageeinsätze auslösen. So bereite die – „aus für uns nicht ganz nachvollziehbaren Gründen“ – häufig übliche Unterbringung von älteren Familienmitgliedern im oberen Geschoss von Einfamilienhäusern den Rettungsdiensten traditionell Probleme, wie Rainer Jonas, Sprecher im Brand- und Katastrophenschutzamt, sagt. Da müssen die Feuerwehrleute gebrechliche, mitunter auch kürzlich operierte Menschen schmale Stiegen hinauf oder hinab bugsieren.

Lieber eine helfende Hand zuviel als zuwenig

Dasselbe gilt bei Schwangeren, bei denen auch aus Vorsicht lieber eine helfende Hand zuviel als zuwenig zum Einsatz kommt. Bei schweren Notarzteinsätzen, etwa wenn ein Mensch nach einem Herzinfarkt vor Ort wiederbelebt werden und der Patient beim Transport an Überwachungsgeräte angeschlossen bleiben muss, übernehmen es oft Feuerwehrleute, diese Geräte zu tragen, während sich die Notfallsanitäter ganz auf den Patienten konzentrieren, wie Jonas informiert.

Dass die Feuerwehr, die in Dresden auch einen eigenen Rettungsdienst betreibt, an Übergewichtigen immer schwerer zu tragen hat, lässt sich auch an einer anderen Entwicklung ablesen. In der Feuerwache Löbtau ist seit 2012 ein Rettungswagen für adipöse Patienten stationiert, Feuerwehrleute sprechen von ihrem „RTW-Ü“. Das Fahrzeug hat sich mit derzeit etwa 220 Einsätzen im Jahr als unverzichtbar erwiesen, auch wenn die Zahlen zuletzt stagnierten: 235 Mal musste der Rettungswagen für Übergewichtige 2016 ausrücken, 213 Mal war es im vergangenen Jahr, wie Dittrich informiert.

Großes Einsatzgebiet

Das Fahrzeug wird immer dann losgeschickt, wenn Notfallsanitäter vor Ort feststellen, dass es anders nicht geht. „Beim Notruf wird das eventuelle Übergewicht des Patienten nicht abgefragt, manche Anrufer sprechen aber von sich aus an, dass es Probleme geben kann“, sagt Dittrich. Das Einstatzgebiet des Schwerlast-Krankenwagens erstreckt sich dabei nicht nur auf die Landeshauptstadt, sondern auch auf die Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, wo es ein solches Gefährt noch nicht gibt. „Über kurz oder lang wird man sich auch dort ein solches Fahrzeug anschaffen müssen“, meint Dittrich.

Bei dem Rettungswagen für Übergewichtige fällt alles ein bisschen größer aus. Es basiert auf einem Lastkraftwagen, weshalb der Fahrer auch einen Lkw-Führerschein vorweisen muss. Größter Unterschied zum normalen Rettungswagen: eine hydraulische Ladebordwand wie man sie von Lieferwagen kennt.

Auf ihr lässt sich die breitere und für Gewichte bis zu 350 Kilogramm ausgelegte Trage in den Rettungswagen bugsieren, ohne die Rücken der Sanitäter allzusehr zu belasten. Im Fahrzeug selbst gibt es bei gleicher Ausstattung deutlich mehr Raum. „Probleme bereitet ja nicht nur das Gewicht der Patienten, sondern auch das größere Volumen“, sagt Dittrich.

Aufgabe für die Kameraden der Höhenrettung

Für besonders schwere Fälle gibt es im Fahrzeug eine Schleppkorbtrage. Sie kommt zum Einsatz, wenn übergewichtige Patienten aus schwer zugänglichem Gelände gerettet werden oder wenn sie nicht durch das Treppenhaus aus ihren Wohnungen geholt werden können.

Dann wird die Schleppkorbtrage an einen Kranhaken gehängt und der Patient über Balkon oder Fenster in den Rettungswagen gebracht. „Da kommen dann die Kameraden der Höhenrettung zum Einsatz“, sagt Brandmeister Stephan Leistner, der als Notfallsänitäter auch schon bei solchen Rettungsaktionen dabei war.

Entlastung für den Rücken

Durch den „RTW-Ü“ fühlt man sich bei der Dresdner Feuerwehr inzwischen ganz gut ausgestattet, wenn es um stark übergewichtige Patienten geht. „Wir machen uns aber auch Gedanken, wie wir die Gesundheit unserer Mitarbeiter schonen können“, sagt Dittrich. So habe man erst kürzlich zwei Treppensteiger angeschafft.

Das sind Maschinen, die mit Tragekörben ausgestattet werden können und selbstständig Stufen erklimmen können. Der Notfallsanitäter hat dann nicht mehr zu tun, als das Gerät zu steuern und muss seinen Rücken nicht mehr so stark belasten. „Sie werden oft genug zum Einsatz kommen“, meint Dittrich.

Von Uwe Hofmann

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