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Lokales Faustschlag als Finderlohn: 29-jähriger Dresdner vor Gericht
Dresden Lokales Faustschlag als Finderlohn: 29-jähriger Dresdner vor Gericht
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09:29 07.10.2017
Angeklagter schlägt ehrlichen Finder nieder Quelle: dpa
Dresden

Stellen Sie sich vor, sie finden mit Freunden an einer Haltestelle ein Handy, nehmen über gespeicherte Telefonnummern Kontakt zum Besitzer auf, vereinbaren einen Übergabetermin, warten dafür noch spät abends fast eine Stunde und werden, nachdem sie es übergeben haben, zusammengeschlagen. Statt eines Dankeschöns bekommen Sie vom Handybesitzer einen Faustschlag ins Gesicht, so dass Sie mit blutender Nase zu Boden gehen. Einem Ihrer Freunde wird eine Bierflasche hinterhergeworfen. Genau das ist Alec S. und seinen Freunden, 17 bis 18 Jahre alt, am 26. Oktober vergangenen Jahres an der Haltestelle Strehlener Platz passiert. Das Handy und die Faust gehören Sebastian H. der sich derzeit wegen Körperverletzung vorm Amtsgericht verantworten muss.

„Das Handy lag in der Haltestelle,wir haben Kontakte angerufen und einen Freund erreicht, der mit Sebastian unterwegs war. Als seine Freundin eine SMS schrieb, haben ich ihr die Situation erklärt und ein Foto von uns geschickt“, erzählte Alec S. „Wir dachten noch, der gibt uns als Dankeschön ein Bier aus.“ Da hatten die Abiturienten falsch gedacht, ein Bier gab es nicht, dafür einen Faustschlag.

Das stimme nicht, so der große, kräftige Angeklagte, er habe ihm nur eine geklatscht, da der „Typ“ aber klein war, sei er „hingeflogen und dann weggerannt.“ Für die Klatsche entschuldigte sich der 29-Jährige gestern, wenn auch halbherzig. Da war etwas von, „dumm geloofen, dud mr leid, ni rickgängsch machn“ zu hören. Er sei wütend gewesen, weil „der Typ“ seine Freunde angerufen und der Freundin das Bild geschickt hätte. Hallo, wie hätten die Jugendlichen denn sonst herausfinden sollen, wem das Handy gehört? Sie hätten es ja auch einfach liegen lassen können. Dann wäre es möglicherweise weg gewesen.

Das Foto an die Freundin, auch wenn sie es gar nicht gesehen hatten, war auch für die Kumpels des Angeklagten Grund genug, mitzumischen. Sie hätten alle einige Bier getrunken, und da sei es doch selbstverständlich, dass es Krawall gibt. „Warum ich dem einen eine Ohrfeige verpasst habe – na ich hatte doch getrunken,“ sagte einer im Brustton der Überzeugung.

Sowohl Sebastian H. als auch seine Kumpane haben wohl den Ernst der Lage noch gar nicht richtig begriffen. Sie nahmen die Verhandlung und ihre Zeugenaussage eher als lustige oder nervige Veranstaltung. Auch wenn sie, wie der Richter bemängelte, nicht in der Lage waren auch nur einen Satz komplett geradeaus zu bringen und nur bruchstückhaft antworteten, redeten sie sich um Kopf und Kragen. Trotz mehrfacher Belehrung könnten auch noch Falschaussagen und eine Körperverletzung rumkommen, denn offenbar hatte nicht nur der Angeklagte hingelangt. Beide Gruppen waren übrigens vorher im Dynamo-Stadion. Die jungen Abiturienten jobbten nebenbei beim Catering, die andere Truppe schaute das Spiel an und trank.

Der Prozess wird fortgesetzt. Dann geht es vor allem um den Flaschenwurf, den der Angeklagte und seine Kumpels verneinen, an den sich aber die Jugendlichen genau erinnern können.

Von Monika Löffler

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