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Dresden Lokales Fast jede elfte Stelle in der Stadtverwaltung nicht besetzt
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11:00 27.03.2018
In der Stadtverwaltung Dresden sind hunderte Stellen nicht besetzt. Quelle: Archiv
Dresden

 In der Dresdner Stadtverwaltung sind 600 Stellen derzeit nicht besetzt. Das geht aus Zahlen der Stadt hervor, die jetzt auf Anfrage des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Thomas Löser vorgelegt worden sind.

Demnach sind von 6770 Stellen in der Kernverwaltung, also ohne die Mitarbeiter in städtischen Betrieben und Beteiligungen, nur 6170 wirklich besetzt. Damit sind 8,9 Prozent, etwa jede elfte Stelle, aktuell nicht besetzt.

226,3 Stellen sind tatsächlich frei

Wie der für Personal zuständige Bürgermeister, Peter Lames, der Antwort auf die Grünen-Anfrage mitteilt, gebe es unter den unbesetzten Stellen 185,5 sogenannte „inaktiv besetzte Stellen“, die sich aus dem Ausfall des betreffenden Mitarbeiters durch Langzeiterkrankungen, Elternzeit oder Mutterschutz beispielsweise ergeben würden. Teilweise werde nach einer Ersatzbesetzung gesucht, teilweise sei dies nicht möglich, weil die Dauer des Ausfalls nicht bekannt sei.

113,5 Stellen resultierten aus unbesetzten Stellenanteilen, wenn beispielsweise jemand mit einem Teilzeitvertrag von 30 Stunden eine 40-Stunden-Stelle besetzt. Diese verbleibenden Anteile seien dann schwer zu besetzen, weil die Teilzeitverträge und damit auch der Stellenteil häufig befristet seien.

226,3 Stellen seien tatsächlich freie Stellen. „Der weit überwiegende Anteil“ dieser Stellen befinde sich in inhaltlicher oder organisatorischer Überarbeitung oder – überwiegend – schon im Stellenbesetzungsverfahren.

Lames: Zustand ist nicht besorgniserregend

66,8 Stellen befänden sich in der zentralen Stellenreserve im Pool. Insgesamt handelte es sich dabei um 100 Stellen, die im Haushalt 2017/18 geschaffen worden seien, „um die Flexibilität zu erhöhen“, wie Personalbürgermeister Peter Lames (SPD) gegenüber den DNN erläuterte. Beim Beschluss des Stadtrates seien diese Stellen weder inhaltlich festgelegt worden, noch habe es dafür die Gelder gegeben.

Peter Lames Quelle: Dietrich Flechtner

Inzwischen hat sich das geändert. 25 Stellen davon seien durch Drittmittel finanziert – wie beispielsweise Fördermittel. Weiter 50 Stellen seien inzwischen freigegeben worden und können ausgeschrieben und besetzt werden. Für den verbleibenden Rest des Pools stehe das noch bevor.

Nach Lames Worten ist die Situation mit früheren Jahren kaum vergleichbar. Im Haushalt 2013/14 habe es noch Personalkürzungen gegeben, im nächsten Doppelhaushalt sei der Personalumfang nahezu konstant geblieben. Erst mit dem Doppelhaushalt 2017/18 seien 300 Stellen zusätzlich geschaffen worden. „Es braucht natürlich Zeit, bis diese Stellen alle besetzt sind“, sagte Lames. Es handele sich „nicht um einen besorgniserregenden Zustand.“ Die Arbeitsbelastung sei hoch, „aber daher reagieren wir ja auch“, betonte der Bürgermeister.

Verdi sieht im unattraktiven Tarif die Schuld

Die meisten unbesetzten Stellen gibt es nach der Aufstellung der Stadtverwaltung im Amt für Kindertageseinrichtungen (von 65,9 Stellen sind 51,2 besetzt, 22,3 Prozent unbesetzt) – dieser Bereich gehört zur Verwaltung, mit der Kinderbetreuung hat dies nichts zu tun.

Hoch sind die Personaldefizite auch im Rechnungsprüfungsamt (von 37 Stellen 30 besetzt, 17,2 Prozent offen), im Gesundheitsamt (von 242,5 Stellen 203,9 besetzt, 15,9 Prozent offen) und im Ordnungsamt (von 348 sind 303 besetzt, 12,9 Prozent sind damit offen).

Für Frank Fischer, Bezirksgeschäftsführer bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, ist „die Situation dramatisch“. Die Arbeitsbedingungen seien von „extremer Überlastung“ geprägt. Die Bürger würden es zu spüren bekommen, wenn ihre Anträge nicht rechtzeitig bearbeite werden. Nach Fischers Ansicht können viele Stellen nicht besetzt werden, weil der Tarifvertrag für viele Fachkräfte im Vergleich mit der freien Wirtschaft nicht attraktiv ist. Dies habe mit dem Gehaltsangebot zu tun, aber auch befristete Stellen seien kein Anreiz für eine Tätigkeit in der Verwaltung. „Die Situation belastet die Gesundheit der Mitarbeiter, hier muss gegengesteuert werden“, forderte der Gewerkschafter.

Von Ingolf Pleil

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