Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Luisenhof-Chef: „Wenn ich zu Hause koche, sieht es aus wie Bombe“
Dresden Lokales Luisenhof-Chef: „Wenn ich zu Hause koche, sieht es aus wie Bombe“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 16.03.2018
ZGast bei Carsten Rühle und seiner Frau Carolin Rühle-Marten. Quelle: Anja Schneider
Anzeige
Dresden

Voraussichtlich im April wird der Luisenhof auf dem Weißen Hirsch nach zweieinhalb Jahren Schließzeit wiedereröffnet. Die neuen Betreiber – Carsten Rühle und seine Frau Carolin Rühle-Marten – werden das bekannte Dresdner Traditions-Restaurant wie ihre Vorgänger auch als Familienbetrieb weiterführen. Alle Generationen sollen sich dort wohlfühlen. Die Herzlichkeit, die das Paar privat lebt, will es auch in ihr Unternehmen transportieren.

Heute sind wir zu Gast bei Carsten Rühle und seiner Frau Carolin Rühle-Marten, den neuen Wirten der bekannten Dresdner Gaststätte Luisenhof.

Die Familie hat bei den Luisenhof-Chefs einen sehr großen Stellenwert. Das sieht man schon, bevor man ihr privates Reich – ein kleines Reihenhaus in Wilsdruff - betritt. Denn auf der Wiese stehen überall Spielgeräte. Im Haus stehen oder hängen an vielen Stellen Fotos von den Kindern, den Eltern und Freunden.

Über dem Fernseher im Wohnzimmer, in dem es auch viel Spielzeug gibt, fällt der Schriftzug „Familie“ auf. „Den hat uns Celine gebastelt“, strahlt Carolin Rühle-Marten und klärt gleich erst mal über die Zusammenhänge in der Patchwork-Familie auf.

Die 15-jährige Celine und die 26-jährige Soraya sind Carsten Rühles Töchter. Carolin Rühle-Marten hat aus zwei früheren Beziehungen auch zwei Kinder: Niklas (14) und Samantha (5). Beide leben mit im Reihenhaus. „Celine ist regelmäßig bei uns, darauf lege ich großen Wert“, betont Carolin Rühle-Marten. „Sie hat ihren eigenen Bereich im Gästezimmer.“ Soraya führe längst ihr eigenes Leben.

„Meine Kinder haben Caro von Anfang an geliebt. Ich bin für Niklas und Samy mittlerweile der Papa geworden. Das ist ein schönes Gefühl“, sagt Carsten Rühle. Verheiratet ist er mit seiner Frau seit Juli 2016. Das erste Mal begegnete er ihr jedoch schon vor 16 Jahren. „Ich war Küchenchef im Sophienkeller, sie Azubi im Pulverturm, wo ich immer mal aushelfen musste. Wir haben uns damals ein bisschen verliebt. Aber jeder lebte sein Leben und ging seinen eigenen Weg. Allerdings verloren wir uns all die Jahre nie ganz aus den Augen“, erzählt der heute 48-Jährige.

Die Wege der beiden kreuzten sich wieder, als sie Betriebsleiterin in der Sola Lodge im Bad Sonnenland wurde und er – mittlerweile als Betriebsleiter im Restaurant „Dresden 1900“ – beruflich mit Carolin Kontakt hatte. Da gab es das erste Mal die Idee, gemeinsam ein Restaurant zu betreiben. Privat so richtig gefunkt hat es dann im September 2015 bei einer Hochzeit von Freunden. Einen Monat später zogen beide zusammen.

Doch warum nach Wilsdruff? „Ich bin in Gorbitz groß geworden, habe eine Zeit lang in Freital-Birkigt gelebt“, erzählt Carolin Rühle-Marten. Doch vor 14 Jahren bauten ihre Eltern in Grumbach ein Haus. Sie zog daraufhin mit ihrem damaligen Partner und den Kindern nach Wilsdruff, um nahe bei den Eltern zu sein, zu denen sie sehr engen Kontakt hat. In Wilsdruff liebt sie die Ruhe und das kleinstädtische Flair. „Außerdem gehen Caros Kinder hier in die Kita bzw. in die Schule, sind fest verwurzelt. So habe ich mein Haus in Nickern verkauft und bin mit hierher gezogen“, ergänzt Carsten Rühle.

Die wenigen Möbel, die er mitbringen wollte, wurden integriert. „Das Wohnzimmer haben wir zusammen neu eingerichtet“, erzählt sie. Dass beide ein Faible für ein großes schwedisches Einrichtungshaus und dessen eher schlichte Möbel haben, sieht man auf Schritt und Tritt in dem schmalen Haus, dessen Zimmer sich über drei Etagen bis unters Dach erstrecken. „Wir lieben es praktisch.“

So schlicht die Möbel, um so üppiger die Deko, vor allem zur Weihnachtszeit. Carolin sammelt Schneemänner und hat eine Schwäche für Duftkerzen und Accessoires eines speziellen amerikanischen Direktvermarkters. Auf die Frage, welches Stück ihr besonders ans Herz gewachsen ist, holt sie eine Tannenbaum-Spieluhr aus dem Regal. Diese ist ein Erinnerungsstück an ihre geliebte Oma, die vor zehn Jahren starb. „Sie hatte Krebs und ich habe sie lange gepflegt“, erzählt die 36-Jährige.

Die Küche von Familie Rühle-Marten ist winzig. Carsten Rühle ist auch hier der Chefkoch. „Natürlich mache ich Essen, wenn er nicht da ist. Schnittchen, viel frisches Gemüse, aber auch Krautnudeln, Senfeier, Kartoffeln und Quark zum Beispiel“, zählt sie auf. „Und sie macht einen hervorragenden Eiersalat“, lobt er.

Doch wenn der gelernte Koch und Küchenmeister frei hat, übernimmt er das Kommando. Eigentlich will er dann in der Küche alleine sein, aber Samy hat da so ihren eigenen Kopf. „Sie holt sich einen Hocker und sagt bestimmt: ,So Papa, ich helfe dir jetzt’, erzählt Carsten Rühle lächelnd. Natürlich freut er sich dann und hält die Kartoffel, damit der Knirps sie schälen kann. „Aber wenn es ans Finish geht, dann müssen alle raus.“ „Wenn ich hier koche, sieht die Küche hinterher aus wie Bombe“, gibt der Koch zu. „Wichtig ist, dass das Essen heiß auf den Tisch kommt. Aufgeräumt wird hinterher.“

Sowohl Carsten Rühle als auch seine Frau sind voll berufstätig. Um das mit der Familie unter einen Hut zu bekommen, sind feste Regeln und ein strenges Zeitmanagement erforderlich. „Ohne den Rückhalt und die Unterstützung von Familie und Freunden würde es gar nicht gehen“, ist das Paar für die Hilfe dankbar. Das betonen beide immer wieder. Nicht nur Weihnachten wird mit den Eltern und Freunden zusammen gefeiert. Auch der Urlaub ist für das Paar ohne Großfamilie nicht denkbar. „Ich kenne das gar nicht anders und finde, dieser Zusammenhalt ist das Schönste, das es gibt“, sagt Carolin Rühle-Marten.

Und wohin reist die Familie im Urlaub? „Meine Frau ist eine Sonnenkönigin“, schmunzelt Carsten Rühle. „Ja, ich brauche Sonne, ich muss brutzeln“, pflichtet Carolin bei. „Wir lieben die Türkei. Und wir würden gerne mal nach Ägypten. Angst dorthin zu fliegen haben wir nicht. Passieren kann überall etwas.“ Doch Silvester ging es erst einmal nach Breslau. „Ich hatte das erste Mal seit 32 Jahren frei“, so der Küchenmeister. Mit Eröffnung des ersten eigenen Restaurants – dem Luisenhof - wird es auf lange Sicht auch das letzte Mal gewesen sein.

Steckbrief Carolin Rühle-Marten

1981 in Dresden geboren

ab 1998 Ausbildung zur Restaurantfachfrau

anschließend Arbeit in verschiedenen Dresdner Restaurants, z.B. Grand Café im Coselpalais, Schmidts Restaurant, Italienisches Dörfchen und Romantik Hotel Pattis

2007 macht sie sich als Restaurantfachfrau selbstständig und sammelt in vielen verschiedenen Restaurants im In- und Ausland gastronomische Berufserfahrung

2009 bis 2015 Serviceleiterin bei First Class Concept Dresden

seit 2016 verheiratet mit Carsten Rühle

Mutter von Niklas (14) und Samantha (5)

Steckbrief Carsten Rühle

1969 in Dresden geboren

1985 bis 1987 Kochausbildung im Interhotel Newa Dresden, wo er auch danach als Koch und demi chef arbeitete

1992 Ausbildereignungsprüfung

1993 der Abschluss als Küchenmeister

ab 1994 Küchenchef in der Ullersdorfer Mühle

ab 1997 Küchenchef im Sophienkeller Dresden

2009 bis Ende 2017 Betriebsleiter im Restaurant DRESDEN 1900 am Neumarkt

seit 2016 verheiratet mit Carolin

Vater von Soraya (26) und Celine (15)

Von Catrin Steinbach

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Freitag haben Motorradfreunde wieder auf der Dresdner Messe ihr Mekka: Die „SachsenKrad“ öffnet zum 24. Mal bis Sonntag ihre Tore. Wie gehabt ist die Dresdner Motorradmesse dabei die erste im neuen Jahr, weshalb es auf 10 000 Quadratmetern im Messegelände allerhand Maschinen ihre Deutschlandpremiere im Ausstellungsjahr feiern.

10.01.2018

Preise in bundesweiten Wettbewerben gibt es nicht alle Tage: So gibt es jetzt einmal gute Nachrichten für die Natur- und Umweltschule (NUS) in Dresden, die sich derzeit durch schwere Zeiten kämpfen muss. Die Lerngruppe des 1. bis 3. Jahrgangs der Schule hat eine Auszeichnung des Deutschen Wanderverbandes erhalten.

09.01.2018

Gegendemonstranten fühlen sich im Vergleich zu den Pegida-Marschierern ungerecht behandelt. Zwei Verfassungsrechtler prüften die Vorwürfe und kamen zu dem Schluss: Da ist nichts dran. Die Linken zeigten sich am Montagabend höchst unzufrieden mit dem Gutachten.

09.01.2018
Anzeige