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Lokales Falscher Geistlicher – echter Betrüger: 50-Jähriger prellte Hotels und Pensionen
Dresden Lokales Falscher Geistlicher – echter Betrüger: 50-Jähriger prellte Hotels und Pensionen
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16:27 10.09.2018
Symbolfoto Quelle: dpa
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Dresden

Wegen Betruges und Urkundenfälschung stand Steffen Bernd T. am Montag einmal mehr vor Gericht. Der 50-Jährige hat es faustdick hinter den Ohren, auch wenn er sich bei seinen Gaunerein als Mann Gottes aus der Schweiz ausgab. Das öffnet ihm die Türen zunächst etwas länger als ei­nem normal Sterblichen, allerdings auch die Tür zur Untersuchungshaft.

Von Januar bis März 2017 hat sich der Angeklagte in verschiedene Hotels und Pensionen in Dresden eingemietet und ei­ne bis 2018 datierte Aufenthaltsgenehmigung für die Schweiz vorgelegt, die er aber gefälscht hatte. Er gab sich als geistlicher Würdenträger, Referendar oder Mit­arbeiter verschiedener schweizerischen Kirchgemeinden, Pfarreien oder des Bistums Basel aus. Er sei in deren Auftrag in christlicher Mission unterwegs und man solle doch die Rechnungen an deren Adresse schicken, die würden das übernehmen, erklärte er immer wieder aufs neue. Geld kam keines, aber irgendwann Fragen der Pensionsmitarbeiter. Der falsche Pfarrer verschwand dann ohne zu zahlen durch die Hintertür.

Man hatte allerdings auch viel Geduld mit ihm. Einem Gottesdiener und dann noch aus der Schweiz traut man wohl nichts Böses zu. Einer Hotelmitarbeiterin leierte er sogar noch 1350 Euro aus dem Kreuz – er würde es zurückzahlen, sobald ihm seine Pfarrei Geld geschickt habe.

Geschichte vom vertauschten Haustier

Der Angeklagte ist 50 Jahre alt, mehr als die Hälfte davon hat er im Gefängnis gesessen. Zuletzt war er 2011 vom Landgericht wegen Betrugs zu einer Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Und just „in dieser glorreichen Zeit“ kam ihm irgendwo„im Keller der Haftanstalt Bautzen“, der Grund für seine Taten ein. Eine schlechte Kindheit!

Davon hatte er, wenn auch unkonkret, schon bei vorherigen Verhandlungen er­zählt, nur diesmal sei ihm die wahre Erinnerung gekommen. „Ich hatte als Kind ein Meerschweinchen, dass ich abgöttische geliebt habe. Mein Vater hat es ge­gen ein ähnliches, aber eben anderes ausgetauscht. Dieses traumatische Ereignis hat zu den Taten geführt.“ Dadurch sei es zu einer Blockade gekommen. „Ich habe das Täuschungsverhalten übernommen und gelogen.“

Er stellte während der Verhandlung Strafanträge gegen seinen Vater und die Staatsanwaltschaft wegen Verletzung der Grundrechte. Denn auch die habe ihn un­korrekt behandelt.

Man hat das Gefühl, der Mann will mit Macht in die Psychiatrie und nicht ins Gefängnis. Der Angeklagte war während der Verhandlung 2011 schon einmal be­gutachtet worden. Der Sachverständige konnte keine Persönlichkeitsstörung oder andere psychologischen Ausfälle erkennen – auch keine verminderte Schuldfähigkeit. Dafür hatte er ihm einen Mangel an Empathie und Schulbewusstsein attestiert. Steffen Bernd T. hatte sich damals ge­weigert, mit dem Gutachter zusammenzuarbeiten, heute drängt er regelrecht auf eine erneute Begutachtung. Das Verfahren wurde zunächst ausgesetzt und ein forensisches psychiatrisches Gutachten angeordnet.

Von Monika Löffler

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