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Lokales Falsche Polizisten als Senioren-Abzocker
Dresden Lokales Falsche Polizisten als Senioren-Abzocker
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22:25 05.10.2016
Auch betagte Menschen aus Dresden und Radebeul sind auf die Masche der Betrügerbande hereingefallen, die angeblich ihr Erspartes schützen wollten, und haben große Summen Bargeld an Mittelsmänner übergeben. Quelle: dpa-Zentralbild
Dresden


Die alte Dame war Opfer einer türkischen Bande geworden, die mit einer perfiden Masche Senioren um ihr Erspartes bringt. Sie rufen ältere Leute an, geben sich als Beamte der Polizei aus und warnen vor Betrügern oder Einbrechern, die an Geld und Vermögen wollen. Bevorzugt meldet sich ein Oberkommissar König. Mit diesen Schockanrufen, die immer nachts erfolgen, wurden die Senioren ausgefragt und so manipuliert und unter Druck gesetzt, dass sie den falschen Polizisten oder Helfershelfern Bargeld, Schmuck oder Gold übergeben, damit es bei den Ermittlern in Sicherheit ist (DNN berichteten).

Die Bande ist straff organisiert: Die Call Center befinden sich in der Türkei. Dort sitzen auch die Chefs, die das Geld kassieren, an die man aber schlecht rankommt. Vor Ort agieren Kuriere, also Geldabholer, und Aufpasser. Dabei werden gezielt moderne Kommunikationsmittel eingesetzt, die die Senioren noch mehr verunsichern. Die Gauner sind bundesweit unterwegs, die Polizei geht von einem Schaden von über 15 Millionen Euro aus.

Auch in Dresden und Umgebung machte die Bande fette Beute. Einige der kleinen Geldkuriere konnten geschnappt werden. In der vergangenen Woche wurde ein Türke verurteilt, der Gold für 175 000 Euro, das eine ältere Radebeulerin zur vermeintlichen „Ermittlerzentrale“ nach Berlin brachte, abholte.

Die Seniorin wurde danach noch einmal geschröpft. „Oberkommissar König von Interpol“ riet ihr, auch ihr restliches Geld von der Bank zu holen und es aus Sicherheitsgründen einer verdeckten Ermittlerin zu übergeben. Was die Seniorin auch tat. 200 000 Euro überreichte sie einer ihr völlig fremden Frau.

Die soll Latoya Antonia T. gewesen sein, die derzeit vor Gericht steht. Die 26-Jährige soll zudem auch 19 000 Euro von der auf die gleiche Weise geschröpften 83-jährigen Dresdnerin erhalten haben.

Den Fall in Dresden räumte die Angeklagte ein. Sie arbeite in einem Bordell in Berlin, sei von einem Stammkunden für ein Wochenende in Dresden gebucht worden, und der habe sie gebeten, für ihn schnell etwas bei einer Frau abzuholen, erzählte sie – stumm, mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze und starrem Blick nach unten.

Das Opfer war für die Übergabe per Handy zu einer Bank am Annenfriedhof gelockt worden, übergab das Geld und erhielt eine Quittung. Pech für die Angeklagte: Darauf wurden ihre Fingerabdrücke gefunden. Im Fall der Radebeulerin wies Latoya T. die Vorwürfe zurück. An jenem Tag sei das Finanzamt zur Kontrolle im Bordell gewesen, sie stehe mit auf der Anwesenheitsliste. Stimmt, allerdings mit ihrem „Künstlernamen“. Bis zur geplanten Geldübergabe 23 Uhr hätte sie es noch nach Dresden geschafft.

Urteil folgt.

Von Monika Löffler

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