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Extremläufer will vom Nordpol zum Südpol zu Fuß

Vortrag von Robby Clemens in der Dresdner Dreikönigskirche Extremläufer will vom Nordpol zum Südpol zu Fuß

Anfang April erfüllt sich der Sachse Robby Clemens einen Traum: Der Extremläufer will vom Nordpol zum Südpol laufen. Im Gepäck wird der 55-Jährige auch die Fahne von Dynamo Dresden haben, die er am Nordpol ins Eis rammen soll. Doch zunächst berichtet er am Freitag in der Dresdner Dreikönigskirche in Wort und Bild über seine Erdumrundung zu Fuß.

Vor zehn Jahren zu Fuß um die Welt und jetzt einmal vom Nordpol zum Südpol: Robby Clemens will sich einen lang gehegten Traum erfüllen.

Quelle: privat

Dresden.  Anfang April erfüllt sich Robby Clemens einen lang gehegten Traum: Der Extremläufer will vom Nordpol zum Südpol laufen. Im Gepäck wird der 55-Jährige auch die Fahne von Dynamo Dresden haben, die er am Nordpol ins Eis rammen soll. Doch zunächst berichtet er am Freitag, 10. März, in der Dreikönigskirche in Wort und Bild über seine Erdumrundung zu Fuß vor zehn Jahren und gibt einen Ausblick auf das neue Vorhaben.

Sie wollen vom Nordpol zum Südpol laufen. Wann konkret soll’s denn losgehen?

Anfang April. Der genaue Zeitpunkt ist noch geheim. Ihn und weitere Details werden wir erst nächste Woche beim Vortrag in der Dreikönigskirche verraten.

Aber so viel steht schon mal fest: Sie werden eine Fahne von Dynamo Dresden im Gepäck haben.

Ja, die habe ich am Freitag vorm Spiel von Dynamo gegen Kaiserslautern überreicht bekommen.

Wie müssen wir uns die Reise vom Nord- zum Südpol vorstellen?

Vielleicht schon mal so viel: Es geht mit Flugzeug und Helikopter über die russische Drifteisstation Barneo an den Nordpol. Von dort aus werde ich bei Temperaturen von bis zu minus 50 Grad Celsius auf Skiern durch die Eiswüste der Arktis auf dem Rücken des grönländischen Inlandseises hin zur Südspitze Grönlands unterwegs sein. Um aufs amerikanische Festland zu gelangen, will ich das Flugzeug nehmen. Dann geht es zu Fuß weiter durch die Wildnis Kanadas, die dicht besiedelten Städte der Vereinigten Staaten und auf endlosen Highways in die Wüsten Mexikos. Über Panama will ich das andere Ende der Welt, den Südpol erreichen. Es geht also aus dem Eis in die Hitze und zurück ins Eis. Ich denke, dass ich etwa 25 000 Kilometer laufen werde und dafür zwei Jahre brauche.

Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen zu laufen?

Da gibt es eine kleine Vorgeschichte. Ich stamme ja aus Hohenmölsen im Burgenlandkreis. Von Beruf bin ich Klempner, hatte zu DDR-Zeiten eine Installationsfirma. Nach der Wende hatte ich mehr als 100 Beschäftigte, bin dann aber 1994 in die Milliardenpleite des damaligen Baulöwen Schneider hineingerutscht. Wir sind dann selbst auch pleite gegangen, haben alles verloren, das Haus meiner Eltern wurde versteigert. Daran bin ich völlig zerbrochen. Ich habe angefangen, extrem viel zu trinken und rapide an Gewicht zugelegt. Am Schluss wog ich 125 Kilogramm. Mein Arzt hat mir damals gesagt, wenn ich so weiter mache, habe ich nicht mehr lange zu leben. Das war 1998.

Und das war der Auslöser fürs Laufen?

Na, ich dachte mir, laufen ist für mich besser als eine Entziehungskur. Ich habe an einem Tag aufgehört mit rauchen und trinken, hab mir Laufschuhe besorgt und bin losgerannt – jeden Morgen. Anfangs habe ich ganz schön nach Luft geschnappt. Ein dreiviertel Jahr habe ich gebraucht, um auf 80 Kilogramm abzuspecken. Nach zwei Jahren habe ich dann meinen ersten Marathon in Angriff genommen – und geschafft. Seitdem bin ich zahllose Marathons gelaufen. Ich habe aber gemerkt, dass es nicht mein Ding ist, gegen jemanden zu laufen. Es ging mir auch nie um die Zeit, viel lieber habe ich mit meinen Laufpartnern gequatscht. Rennen und reden gewissermaßen.

Deshalb dann die Weltumrundung vor zehn Jahren, die Sie von Januar bis November 2007 über vier Kontinente und durch 27 Länder geführt hat.13 262 Kilometer sind Sie in dieser Zeit gelaufen. Was war Ihr bewegendstes Erlebnis?

Ach, da gibt es so viele Momente. Ich denke an ein Match mit der Nationalmannschaft der behinderten Tischtennisspieler in Syrien. In der Türkei sind ganz viele Kinder mit mir gerannt. Erst später habe ich erfahren, dass sie deshalb schulfrei bekommen haben. In Indien bin ich an einer Schule vorbeigekommen, an der eine ältere Dame privat Nomadenkinder unterrichtet hat. Ihnen ist es eigentlich verboten, eine Schule zu besuchen. In Bangladesh haben mich Leute zum Abendessen eingeladen. Als ich ankam, waren schon 3000 Leute aus den umliegenden Dörfern da, die alle mal den verrückten Läufer sehen wollten.

Wann hatten Sie auf dieser Tour Glücksmomente?

Das klingt jetzt verrückt. In Bulgarien zum Beispiel bin gelaufen, da regnete es in Strömen. Immer wieder hielten Autofahrer an, kurbelten die Scheibe herunter und bedeuteten mir, ich solle mich doch zu ihnen ins Trockene setzen. Sie konnten nicht verstehen, dass es wunderschön sein kann, im Regen zu laufen.

Sie haben so viel gesehen. Wo hat es Ihnen am besten gefallen?

In Vietnam. Das ist mit weitem Abstand das schönste Land, das ich jemals zu Gesicht bekommen habe.

Gab es auch Tage, wo Sie mit so großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, dass Sie das Unternehmen am liebsten abgebrochen hätten?

Nein, ein Zurück gab es für mich nie. Gleich am Anfang in Rumänien ging’s mir beispielsweise richtig schlecht. Ich hatte einen entzündeten Schienbeinmuskel und konnte nicht mehr laufen. Bevor ich losgerannt bin, wusste ich gar nicht, dass ich den besitze. Ärzte eines von Österreichern geführten Krankenhauses haben mir schließlich geholfen.

Sind Sie allein unterwegs gewesen?

Nein, mein Sohn, aber auch Freunde und Bekannte haben mich mit dem Auto begleitet.

Gab es gefährliche Situationen damals, sind Sie bedroht oder ausgeraubt worden?

 Ich respektiere die Menschen, egal, welche Hautfarbe sie haben und welcher Religion sie angehören. Deshalb bin ich durch Arabien nicht in Sprinterhosen, sondern in zumindest knielangen Hosen gelaufen. Und ich bin immer offenen Herzens unterwegs gewesen und habe versucht, mich in der jeweiligen Sprache zu verständigen. Die Leute müssen gemerkt haben, dass da jemand kommt, der es gut mit ihnen meint. Ein einziges Mal bin ich komplett ausgeraubt worden. Das war aber nicht in Indien, Bangladesh oder Pakistan, wo wir um unser Hab und Gut gefürchtet haben – sondern in Tschechien.

Wieviel Gepäck hatten Sie dabei?

Ich habe mehr als 40 Paar Laufschuhe kaputtgelaufen und musste ganz verschiedene Klamotten dabei haben – allein schon wegen der wechselnden Witterung und der verschiedenen Klimazonen.

Was haben Sie seit 2007 gemacht?

Angestellt gewesen bin ich bei der Firma „Worldrun“. Ich habe ein Buch veröffentlicht und viele Vorträge gehalten.

Hat Ihre Frau die ganze Zeit über zu Ihnen gehalten?

Ja, das hat sie. Wir sind seit 1985 verheiratet und haben zwei Kinder und drei Enkel, das vierte hat sich für August angekündigt.

Inwiefern unterscheidet sich die Reise vom Nord- zum Südpol von der Erdumrundung vor zehn Jahren?

Jetzt stehen wir vor ganz neuen Herausforderungen. In der Arktis bin ich ja mit Skiern unterwegs und habe einen Pulka-Schlitten dabei mit der gesamten Ausrüstung drauf. Es ist ziemlich gefährlich da – auch wegen der Erderwärmung. Selbst Spezialisten, die dort ständig unterwegs sind, haben den Überblick über die Eisspalten verloren. Ab Kanada habe ich dann einen Kinderwagen mit meinem Zelt und Kocher drin, den schiebe oder ziehe ich bis nach Ushuaia. Das ist die südlichste Stadt Argentiniens.

Was wird die größte Herausforderung sein?

Ich sehe zwei Probleme. Das eine ist die extreme Kälte, die wir hier nicht kennen. Man zieht ja nach dem Zwiebelprinzip immer mehrere Lagen an, darf aber nicht schwitzen, weil sich sonst zwischen der nässeabweisenden obersten Schicht und der atmungsaktiven nächsten Schicht Eis bildet. Im Zelt wird dann aus dem Eis Nässe, und die Zeit reicht nicht, um das auszutrocknen. Das andere Problem wird die politische Situation sein. Im Moment sind ja viele Menschen aus El Salvador, Guatemala und Nikaragua unterwegs, um doch noch in die USA zu gelangen. Das sind Leute, die haben nichts. Und wenn da jemand entlang gelaufen kommt, der etwas mehr haben könnte, fragen sie möglicherweise nicht nur, sondern greifen zu drastischen Mitteln. So viel ist sicher: Es wird ein großes Abenteuer werden.

 
 

Von Katrin Richter

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