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Lokales Existenzängste am Sternplatz
Dresden Lokales Existenzängste am Sternplatz
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16:34 04.07.2017
Dresden

23 Jahre ist es her, da hat Arlett Ospel mit ihren Kolleginnen die Fischbecken aus dem Flachbau am Sternplatz herausgerissen und einen heruntergekommenen Fischladen in einen Friseursalon verwandelt. Jetzt hat die 54-Jährige Existenzangst: „Ich habe aus der Zeitung erfahren, dass das Gebäude abgerissen werden soll. Mit uns hat noch niemand gesprochen.“ Die Gerüchteküche brodele dagegen schon lange. „Wir werden von unseren aufgeregten Kunden täglich zu dem Objekt befragt.“

In den 23 Jahren hat sich die Inhaberin eine Stammkundschaft aufgebaut. „96 Prozent unserer Kunden kommen aus dem Wohngebiet rund um den Sternplatz.“ Kaufhalle, Gaststätte, Friseursalon – das seien feste Größen in dem kleinen Stadtteilzentrum. Die Anwohner sind vor 30, 40 Jahren in die Wohnungen gezogen, weiß Ospel. Viele seien jetzt 80 Jahre oder älter und auf Angebote im Wohnumfeld angewiesen. „Die Leute kommen nicht mehr bis zu einem Friseur in der Innenstadt.“

Sie habe sich auch auf die finanziellen Möglichkeiten ihrer Kundschaft eingestellt, sagt die Inhaberin, die zwei Mitarbeiterinnen beschäftigt. „Wir nehmen kleine Preise. Das geht aber nur, weil wir eine günstige Miete zahlen.“ Doch im Februar 2018 läuft der Mietvertrag aus. „Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll.“ Sie begrüße es durchaus, dass der alte, wenig repräsentative Bau durch Sozialwohnungen ersetzt werden soll. „Wir hören auch gerne die Botschaft, dass es im Erdgeschoss Platz für Gewerbe geben soll.“ Aber: „Jeder weiß, dass der Friseur oft zu den Schönen gewiss, aber nicht zu den Reichen im Land gehört“, meint Ospel ironisch. „Wir hoffen, dass wir unter diesem Aspekt bei der Miete bedacht werden.“

Sie könne nicht so einfach einen Salon in der Innenstadt aufmachen. „Da muss ich Mieten zwischen 2500 und 3000 Euro zahlen und mir eine neue Kundschaft aufbauen. Ich möchte gerne am Sternplatz bleiben und hier für meine Kunden da sein.“ 177 Unterschriften hat die Inhaberin gesammelt und in der vergangenen Woche an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und das Liegenschaftsamt übergeben. „Ich hoffe aus die angekündigten Gespräche.“ In dem Flachbau am Sternplatz seien viele gekommen und gegangen. Ein Milchgeschäft, ein Gemüsehändler, Schlecker. „Wir sind geblieben. Es wäre unfair, wenn wir keine Chance bekommen sollten“, findet Arlett Ospel.

Nach dem Umzug des Kabaretts Herkuleskeule in den Kulturpalast will die Stadt das Grundstück am Sternplatz der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Dresden“ übertragen. Das 1966 errichtete Gebäude soll abgerissen und durch Wohngebäude ersetzt werden. Da Abriss und Neubau noch nicht unmittelbar vor der Tür stehen, seien die Mieter noch nicht informiert worden, erklärte die Verwaltung. Es gebe weder eine Eigentumsübertragung an die Wohnungsbaugesellschaft noch eine Ausschreibung und auch keine Hochbauplanung.

Die städtische Liegenschaftsverwaltung werde kurzfristig auf das Schreiben von Arlett Ospel antworten, kündigte die Verwaltung an. Städtebaulich sei es am Sternplatz erwünscht, dass die Erdgeschosszonen weiterhin Ladengeschäfte, Cafés und andere öffentliche Nutzungen beherbergen. Ein Friseursalon wäre ebenso denkbar.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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