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Lokales Etwa 16 000 Kinder von Warnstreik in Dresden betroffen
Dresden Lokales Etwa 16 000 Kinder von Warnstreik in Dresden betroffen
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16:19 13.04.2018
Etwa 2000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes protestierten am Freitag auf dem Rathausplatz in Dresden. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Für Peggy Reschke ist klar, was am Wochenende bei den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst passieren muss: „Ich hoffe, dass es eine Einigung gibt“, erklärt die 39-jährige Hortnerin aus Dresden. Deshalb beteiligt sie sich am Warnstreik und ist am Freitagvormittag zum Dresdner Volkshaus gekommen. „Es geht um unsere Rechte, um die Zukunft der Auszubildenden und um die Qualität im öffentlichen Dienst“, erklärt Reschke.

Das sehen die etwa 1500 Beschäftigten aus Sparkassen, Landratsämtern, Stadtverwaltungen und Bundesbehörden zwischen Glauchau, Plauen, Pirna, Bautzen oder Görlitz wohl genauso, die dem Aufruf der Gewerkschaften Verdi und GEW gefolgt sind und sich am Morgen am Streiklokal am Schützenplatz versammeln.

1200 Erzieher am Streik beteiligt

In der Landeshauptstadt haben sich vor allem die Mitarbeiter aus Krippen, Kindertagesstätten und Horten am Arbeitskampf beteiligt. Nach der Bilanz des Kita-Eigenbetriebs, der für die Kindereinrichtungen in Trägerschaft der Stadt verantwortlich ist, mussten insgesamt 52 von 181 städtischen Kitas und Horten in Dresden geschlossen bleiben – neun Kindertageseinrichtungen hatten zudem ohnehin einen Schließtag angesetzt. Weitere 91 Kindertageseinrichtungen konnten ihren Betrieb nur mit reduzierten Öffnungszeiten oder geringerer Platzzahl absichern.

Die Betriebsleiterin des Eigenbetriebes, Sabine Bibas, schätzt, dass etwa 1200 Erzieher dem Aufruf zum Warnstreik gefolgt sind. Das entspreche etwa einem Drittel der Belegschaft. Genaue Zahlen könnten erst nach Auswertung aller Meldungen vorgelegt werden. Schätzungsweise 16 000 Kinder waren nach ersten Hochrechnungen betroffen.

Aus Sicht der Betriebsleiterin hat es die frühzeitige Kommunikation den Eltern erleichtert, sich auf den Warnstreik einzustellen. Mit tausenden Elternbriefen und dem Informationsangebot auf www.dresden.de konnten Eltern über die erwarteten Auswirkungen am Streiktag informiert werden. Bis Freitag, 12 Uhr gab es mehr als 19 900 Zugriffe auf die Internet-Seite.

Keine Dramen an der Hotline

An der Service-Hotline des Eigenbetriebes gingen im Laufe des Vormittags 113 Anfragen von Eltern ein. Viele Eltern haben scheinbar eine alternative Betreuung für ihre Kinder organisieren können. „Das hat vor allem denjenigen Eltern geholfen, die dringend auf eine Betreuung ihrer Kinder angewiesen waren. Ich danke den Dresdner Eltern für ihre Solidarität“, so Sabine Bibas.

Dramen hätten sich am Telefon nicht abgespielt, meint sie. Die Eltern äußerten sich überwiegend verständnisvoll über die für alle Beteiligten schwierige Situation. „Mit weiteren Streiks wird das Verständnis aber deutlich abnehmen“, ist sich die Betriebsleiterin sicher. Bibas: „Ich hoffe deshalb sehr, dass sich die Tarifparteien auf eine Lösung verständigen können.“

Alle Eltern, die ihre Kinder streikbedingt nicht in die Einrichtung gebracht haben, erhalten automatisch eine anteilige Rückerstattung des Elternbeitrages, sie wird voraussichtlich mit der Beitragszahlung für den Monat Juli verrechnet. Die Beitragsstelle bittet, von zwischenzeitlichen Nachfragen abzusehen. Bei den von der Stadt früher einmal angesetzten sechs Euro im Durchschnitt pro Schließtag und Kind könnten auf die Stadt Zahlungen von knapp 100 000 Euro zukommen.

DGB-Landeschef sieht Spielraum für Erhöhung

Sechs Prozent mehr Lohn, aber mindestens 200 Euro zusätzlich jeden Monat fordern die Gewerkschaften. Am 15. und 16. April ist die dritte und vorerst letzte geplante Verhandlungsrunde angesetzt. „Angesichts der Steuermehreinnahmen gibt es Spielraum“, erklärt Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach am Rande der Gewerkschaftsaktionen gegenüber DNN.

Personalbürgermeister Peter Lames (SPD) aus der Landeshauptstadt sieht das ganz anders. Er hat schon vorgerechnet, dass die Forderung die Stadt 25 Millionen Euro mehr im Jahr kosten würde und deshalb unbezahlbar ist. Seit 2007 seien die Gehälter im Öffentlichen Dienst um 30 Prozent, in der übrigen Wirtschaft aber nur um 25 gestiegen.

DGB-Chef Schlimbach verweist auf eine andere Statistik. Seit dem Jahr 2000 sei das Lohnniveau in der Gesamtwirtschaft um 48 Prozent gestiegen, im öffentlichen Dienst nur um 44.

„Die Forderungen sind berechtigt“, heizt Verdi-Bezirksgeschäftsführer Frank Fischer die Stimmung beim Zug vom Volkshaus zum Rathaus an. „Die Arbeitgeber sind für den Arbeitskampf verantwortlich“, ruft er den Demonstranten zu. „Dass es noch immer kein Angebot gibt, ist eine Schweinerei“, tönt es aus Fischers Lautsprecher beim Marsch durch die Innenstadt.

Rückenwind auf dem Rathausplatz

Am Rathaus versammeln sich nach Gewerkschaftsangaben schließlich insgesamt 2000 Beschäftigte, um ihren Forderungen lautstark Nachdruck zu verleihen. Auf Transparenten bedanken sie sich bei den Eltern für das Verständnis gegenüber den Beschäftigen, womit sie den Arbeitgebern etwas voraus hätten.

„Ich nehme den Rückenwind mit“, freut sich die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe über die lautstarke Unterstützung auf dem Dresdner Rathausplatz. „Es muss Schluss sein mit der Hinhaltetaktik der Arbeitgeber“, erklärt sie. Der Sockelbetrag sei für die unteren Einkommensgruppen wichtig, grundsätzlich bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne für den Generationenwechsel in den Ämtern, Behörden und Kindereinrichtungen notwendig. „Außerdem muss es endlich eine Ost-West-Angleich der Jahressonderzahlung geben.“

Mandarinen für Seehofer

Beifall ist Tepe garantiert. Alle Redner sind sich sicher: Wenn es keine Einigung gibt, kommen die Beschäftigten wieder – noch zahlreicher. Schlimbach empfiehlt, für Horst Seehofer, den neuen Bundesinnenminister, Mandarinen mitzunehmen, weil der CSU-Politiker bei den Koalitionsverhandlungen dafür eine Vorliebe gezeigt habe.

Ansonsten befürchtet er, dass dem neuen Vertreter des Bundes am 15. und 16. erst alles erklärt werden muss, was den anderen Arbeitgebern schon erklärt worden ist. Doch bei den ersten beiden Verhandlungsrunden sei der Bund als Arbeitgeber noch gar nicht arbeitsfähig gewesen, weil die Koalitionsverhandlungen noch liefen. Ab Sonntag müsse das anders sein. „Es geht um Wertschätzung, um den Respekt für eure Arbeit“, ruft Schlimbach den Demonstranten zu. Und trifft damit nicht nur den Nerv von Hortnerin Reschke.

Von Ingolf Pleil

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