Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Erstaunliche archäologische Funde in der Dresdner Neustadt
Dresden Lokales Erstaunliche archäologische Funde in der Dresdner Neustadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:37 04.05.2016
Grabungsleiterin Angelika Salmen im Hinterhof des Hotel Stadt Leipzig. Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

Es tut sich etwas am Hotel Stadt Leipzig in der Inneren Neustadt. Das ist an dem geschichtsträchtigen Gebäude nicht zu sehen, aber auf dem Innenhof: Dort haben Archäologen eine rund 12 000 Quadratmeter große Fläche freigelegt. Das ist aber nur der erste Grabungsabschnitt, wie René Wiedemann erläutert, Geschäftsführer des beauftragten Bauüberwachungsbüros. Wenn die hinteren Gebäudeteile des Hotel Stadt Leipzig abgerissen sind, werde es ein zweites Betätigungsfeld für die Archäologen geben, kündigte er an.

Zur Galerie
Hübsch sehen sie aus, die Henkelkrüge, die die Archäologen auf einer Fläche hinter dem Hotel Stadt Leipzig in der Inneren Neustadt ausgegraben haben. Doch die mittelalterlichen Gefäße haben einen Makel. Der Töpfer hat sie als Ausschuss entsorgt.

„Heinrichhöfe“ heißt das Projekt, in dessen Zuge die Fassade des ältesten Hotelgebäudes der statt erhalten bleiben und im Hinterhof ein Neubau entstehen soll. 32 Wohn- und vier Gewerbeeinheiten sind geplant, dazu eine Tiefgarage mit 34 Stellplätzen. Der Baubeginn war schon mehrfach angekündigt und wieder verschoben worden, sei aber nah, betont Wiedemann. „Der Bauherr klärt im Moment die letzten Details mit der Finanzierung. Wir warten Woche für Woche auf Grünes Licht“, erklärte er.

Rund sieben Millionen Euro soll das Vorhaben kosten, für das die Arwa Real Estate Gen. Trading & Cont. Co. W.L.L verantwortlich zeichnet. Während der hintere Bereich an der Henrichstraße abgerissen werden soll, bleibt der Altbau entlang der Rähnitzgasse weitgehend erhalten, erläutert Wiedemann. Im Innenhof soll über der Tiefgarage ein Neubau entstehen.

Die Archäologen sind mit ihrem Ertrag zufrieden, wie Grabungsleiterin Angelika Salmen erläutert. Es sei seit Jahren die erste größere Grabung in der Inneren Neustadt gewesen, seit Januar hätte ein sechsköpfiges Team die Fläche hinter dem Hotelgebäude bearbeitet. Ein großer Teil des Grundstücks sei unbebaut gewesen und wohl als Gartenland genutzt worden. Hier habe man vorgeschichtliche Keramik aus Gruben ohne Funktionshinweis geborgen. Und einen besonders wertvollen Fund gemacht: Eine bronzene Gewandnadel vom Typ „Deinsdorf“ auf der Mittleren Bronzezeit zwischen 1400 und 1300 vor Christus.

„Ein sehr hübsches Stück“, meinte Salmen, und selten noch dazu: In Sachsen sind nur wenige Funde solcher Nadeln, mit denen unsere Vorfahren ihre Gewänder zusammenhielten, dokumentiert. Auch auf eine Vielzahl gut erhaltener Keramikkrüge stießen die Forscher in einer Grube – hier hatte ein Töpfer aus dem Mittelalter seinen Ausschuss entsorgt. „Die Keramiken weisen alle Fehler auf. ’Wahrscheinlich hat der Töpfer eine zu hohe Temperatur erzeugt“, vermutet die Grabungsleiterin.

Eine andere Ursache haben die Beschädigungen an hübschen grünen Ofenkacheln – es handelt sich um Brandspuren, das zum Ofen gehörende Haus muss im ausgehenden 15. Jahrhundert abgebrannt sein. Die Kacheln sprechen dafür, dass sich wohlhabende Menschen in der Inneren Neustadt niedergelassen hatten, die Öfen waren von überaus prächtiger Natur. Auch den Kopf einer Jesusfigur entdeckten die Archäologen, es handelt sich offenbar um ein Detail aus einem Andachtsbild.

Rund 500 Befunde werden nun im Landesamt für Archäologie gereinigt, eingeordnet, beschriftet und konserviert. Auf das zweite Grabungsfeld freuen sich die Altertumsforscher schon – wenn es den losgeht mit dem Projekt „Heinrichhöfe“.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Volksverhetzungsprozess gegen Pegida-Chef Lutz Bachmann geht in eine neue Runde. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung kündigten am Mittwoch Rechtsmittel an.

04.05.2016
Lokales Parkplätze bei Wohnungsbau - Stadt will Stellplatzpflicht abschaffen

Investoren wie Thomas Cromm von der Revitalis Real Estate AG oder Christoph Gröner von der CG Gruppe AG stöhnen über die Stellplatz- und Garagensatzung der Landeshauptstadt Dresden, die sie verpflichtet, für jede neu gebaute Wohnung einen Parkplatz zu errichten.

04.05.2016

Es ist der Aufschrei eines entnervten Anwohners: „Es ist seelische Grausamkeit, wenn man diese Musik den ganzen Tag hören muss“, schreibt der Mann, der seit 1973 im Zentrum von Dresden wohnt. „Sie singen laut und spielen falsch. Das ist für einen Bürger mit einem normalen musikalischen Gehör nicht auszuhalten.“

04.05.2016
Anzeige