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Erfurt plant Ausstieg bei VNG - auch Dresden will Anteil verkaufen

Erfurt plant Ausstieg bei VNG - auch Dresden will Anteil verkaufen

Bei der Leipziger Verbundnetz Gas AG (VNG) wird sich die Aktionärsstruktur ändern. Die Stadtwerke Erfurt wollen ihre Beteiligung verkaufen. Damit könnte der Anteil der Ost-Kommunen unter die Sperrminorität von 25 Prozent sinken.

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Ansicht in der Dämmerung vom VNG-Gebäude in der Braunstraße in Leipzig.

Quelle: Andre Kempner

Dresden/Leipzig. Vor einem knappen Jahr wiesen die Stadtwerke aus der Landeshauptstadt Thüringens Veräußerungspläne noch weit von sich. "Wir planen in absehbarer Zeit keinen Verkauf unserer Anteile", beteuerte damals Unternehmenssprecherin Anke Roeder-Eckert. Dies bedeute "auf Jahre". Doch nach etwas weniger als zwölf Monaten gilt die Zusage nicht mehr. Mit Schreiben vom 26. September - der Brief liegt den DNN vor - kündigte Peter Zaiß, Geschäftsführer der Stadtwerke Erfurt, den mit neun anderen ostdeutschen Kommunen geschlossenen Treuhandvertrag. Dazu zählt auch Dresden. Über die Drewag hält die Stadt 6,47 Prozent. Der Treuhandvertrag sah die Bündelung der Anteile von zusammen 25,79 Prozent vor. Dazu wurde die Gesellschaft VUB gegründet. Die Sperrminorität verhindert die mögliche Verlagerung des Firmensitzes von VNG.

Der Erdgaskonzern (9,9 Milliarden Euro Umsatz, 1400 Mitarbeiter) ist eines der wichtigsten Leipziger Unternehmen. Die Stadtwerke Erfurt möchten "nicht mehr mit der aktuellen rechtlichen Konstellation und wirtschaftlichen Intensität gebunden sein", schrieb Zaiß. Seine Firma ermutige aber "ausdrücklich" die anderen Ost-Städte, dem "Andienungsprozess intensiv zu nutzen". Denn Erfurt stehe "ausdrücklich zum Erhalt der kommunalen Sperrminorität". Im Klartext bedeutet dieses: Die anderen kommunalen Anteilseigner haben nun die Chance, innerhalb weniger Wochen von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen.

Größter kommunaler Anteilseigner mit 7,02 Prozent ist Leipzig. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte gestern, er bedauere den Schritt der Erfurter Stadtwerke. Ihn irritiere vor allem, dass dieses Signal aus Erfurt komme. "Denn dort haben die ostdeutschen Kommunen, die Anteile an der VNG halten, 2008 in der Erfurter Erklärung ihren Willen und ihre Absicht bekundet, das kommunale Gewicht innerhalb der VNG zu stärken." Er könne daher den Schritt seines Erfurter Kollegen "nicht nachvollziehen". Jung sagte, er habe den Stadtkonzern LVV - er verwaltet die Beteiligung - beauftragt, nun entsprechende Handlungsoptionen zu prüfen. Das heißt, dass die LVV auch zu prüfen hat, ob sie die Erfurter Anteile - sie werden auf rund 50 Millionen Euro taxiert - alleine erwerben kann. LVV-Chef Josef Rahmen hatte bereits angedeutet, das Vorkaufsrecht zu nutzen. Was angesichts der Verschuldung der LVV (595 Millionen Euro) nicht leicht fallen würde. Hans-Joachim Herrmann, Vorsitzender der VUB-Gesellschafterversammlung und Chef der Stadtwerke Lutherstadt Wittenberge sagte, er respektiere den Erfurter Wunsch.

Ob die anderen Städte beim Anteilskauf mitziehen werden, ist unklar. Auch sie haben einen engen Haushalt. Bekannt ist lediglich, dass Dresden weiterhin plant, die 6,47-prozentige Beteiligung zu veräußern. Die sächsische Landeshauptstadt hatte vor einem Jahr einen Kaufpreis von 40 Millionen Euro aufgerufen. Beobachter gehen davon aus, dass die Anteile inzwischen einen größeren Wert haben, da VNG im vorigen Jahr wieder die Verlustzone verlassen hat. Aus roten Zahlen in Höhe von 211 Millionen Euro wurde ein Konzerngewinn von 103 Millionen Euro. Für dieses Jahr rechnet Vorstandschef Karsten Heuchert mit einem Überschuss in ähnlicher Höhe. Die Grünen-Landtagsfraktion in Dresden hatte bereits gefordert, dass im Fall eines Ausstiegs der Stadt Dresden der Freistaat die Anteile übernimmt, damit Leipzig als VNG-Firmensitz gehalten werden kann. Später sollte die Messestadt dann schrittweise die Dresdner Anteile vom Land übernehmen.

Auch unabhängig von den städtischen Aktionären hängt die Struktur der Anteilseigner von VNG in der Schwebe. Der Oldenburger Energieriese EWE will seine Beteiligung (47,9 Prozent) abstoßen. Ein Versuch, das Aktienpaket für 1,4 Milliarden Euro an den kommunal geprägten Karlsruher Energiekonzern EnBW zu veräußern, scheiterte im Dezember 2011 an der nicht erfolgten Zustimmung der VNG-Hauptversammlung. Experten halten es für ratsam, dass die LVV die Initiative ergreift, um einen Großaktionär zu finden, mit dem zusammen die Mehrheit auch ohne die anderen Städte erreicht wird. Das könnte den Sitz von VNG dauerhaft in Leipzig sichern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.10.2013

Ulrich Milde

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