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Erdbeerklau bringt für Bauern jährlich tonnenweise Verlust

Erdbeerklau bringt für Bauern jährlich tonnenweise Verlust

Die Erdbeerernte ist in Dresden und Umgebung voll im Gange, und wer nicht warten will, bis die Früchtchen im Grünzeugladen an der Ecke eintreffen, der hat auch in diesem Jahr wieder massig Gelegenheit, zum Selbsternten auszurücken.

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Der Griff durch den Maschendrahtzaun ins Erdbeerfeld geht schnell und billig, kann Langfinger allerdings auch teuer zu stehen kommen.

Quelle: Martin Förster

Aber längst nicht jedes Erdbeerfeld ist zum Pflücken freigegeben. Die Versuchung ist dennoch häufig groß.

Wo kein Kläger, da kein Richter. Und überhaupt, wo die Beeren doch fast schon überreif an den Sträuchern hängen, so was muss doch mitgenommen werden, ehe es verrottet - die Bandbreite der Rechtfertigungen kennt oft keine Grenzen. Genaue Zahlen, wie viel Umsatz den Dresdner Erdbeerbauern jährlich durch Diebstahl verloren geht, gibt es nicht. "Man hat aufgegeben, über das Thema zu reden", erklärt Udo Jentzsch, Geschäftsführer des Landesverbandes Sächsisches Obst. Dagegen tun könnten die Bauern ohnehin nicht viel. "Die Möglichkeiten beschränken sich auf Einzäunen und Kontrollgänge." Der Verlust belaufe sich in ganz Sachsen jährlich auf mehrere Tonnen Diebesgut. Doch es geht noch dreister: "Nicht nur Früchte werden gestohlen, sondern oft auch ganze Erdbeerpflanzen", weiß Jentzsch zu berichten. Was dieses Verhalten für ihn besonders unverständlich macht: "Es bieten wirklich genügend Obstbaubetriebe auf ihren Feldern preisgünstig Früchte zum Selbstpflücken an."

Zum heimlichen Zugriff lassen sich dennoch viele hinreißen - und das, obwohl der ganz klar verboten ist. "Den Ertappten drohen Strafverfahren wegen Diebstahls oder Hausfriedensbruchs und bei Verurteilung bis zu fünf Jahre Gefängnis", erläutert Jana Ulbricht, Sprecherin der Dresdner Polizei. Erst in der vergangenen Woche machten zwei Frauen in Hessen mit dem langen Arm des Gesetzes Bekanntschaft. Sie hatten mit einem Kind drei große Tüten der roten Früchte gemaust und sitzen nun auf der Anklagebank.

Womöglich haben diese wenig erbaulichen Aussichten kürzlich auch einen Erdbeerdieb in Nickern davon abgehalten, die Polizei einzuschalten. Nach Angaben von Anrainern war der Mann auf einem Erdbeerfeld von Saisonkräften überrascht worden, als er nicht von den für den Großhandel bestimmten Früchten der Firma Obstbau Beck & Partner lassen wollte. Im Zuge einer Auseinandersetzung sollen die polnischen Erntearbeiter dem Langfinger eine Flasche über den Kopf geschlagen haben, heißt es.

Matthias Wedler von Beck & Partner zeigte sich auf Anfrage überrascht: "Das war mir nicht bekannt." Ein derartiges Vorgehen wäre natürlich nicht zu rechtfertigen, so der Obstbauer. Er weise seine Leute an, die Augen offen zu halten, nicht aber, Gewalt anzuwenden. Doch auch ihn ärgern die Beerendiebe. "Wenn wir welche erwischen, hören wir die abenteuerlichsten Geschichten." In der Regel belässt Wedler es beim nachträglichen Bezahlen der Ware. Auf Verlustzahlen angesprochen, winkt aber auch er ab: "Wenn während der vierwöchigen Erntezeit täglich nur 20 Leute je ein Kilo mitgehen lassen, können sie sich den Schaden ja ausrechnen." Niemand dürfe sich einfach so selbst bedienen: "Ich nehme mir auch nicht einfach, was mir gefällt."

Erdbeeren stehlen muss übrigens auch im Dresdner Süden keiner: Neben zahlreichen anderen Anbietern kann ein paar Meter neben dem Nickerner Feld, an der B172 in Lockwitz, auch bei Beck & Partner legal selbst gepflückt werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.06.2012

Jane Jannke

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