Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Er war der Begründer des "Rufes aus Dresden" - Pfarrer Karl-Ludwig Hoch ist tot
Dresden Lokales Er war der Begründer des "Rufes aus Dresden" - Pfarrer Karl-Ludwig Hoch ist tot
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:36 09.09.2015
Diese Aufnahme entstand im vergangenen Jahr. Sie zeigt Pfarrer Karl-Ludwig Hoch in seinem Wohnzimmer in Loschwitz. Quelle: Dr. Dietlind Kremer

Am Donnerstag ist Karl-Ludwig Hoch im in Dresden gestorben. Er wurde 86 Jahre alt.

Es war am 13. Februar 1990, als der Ruf aus Dresden erging mit dem Ziel, den Wiederaufbau der zerstörten Frauenkirche zu befördern. In der Wendezeit, als alles machbar schien in Deutschland, beschlossen ein paar Architekten, Ärzte, Denkmalschützer und Künstler gemeinsam mit Hoch etwas Gewaltiges zu versuchen: viele Millionen Mark für die Wiedererrichtung der Frauenkirche zu sammeln. Zu den 22 Unterzeichnern des Aufrufs zählte damals neben Pfarrer Hoch auch Trompeter Prof. Ludwig Güttler. Er habe Karl-Ludwig Hoch als einen sehr kunstsinnigen Menschen schätzen gelernt, sagte Güttler gestern. "Dr. Hoch gehörte zu jenen, die die Frauenkirche über alle Zeiten hinweg in ihrem Herzen bewahrt haben." Als das Gotteshaus schließlich 2005 und damit 60 Jahre nach seiner Zerstörung feierlich wieder geweiht wurde, meinte der damals 75-jährige Hoch: "Ein Wunder erlebt nicht jede Generation."

Dass der Pfarrer sich so für den Wiederaufbau der Frauenkirche einsetzte, mag auch mit einer Kindheitserinnerung zusammenhängen: Am frühen Morgen des 15. Februar 1945 habe er von der elterlichen Villa in Loschwitz aus die majestätische Kuppel der Frauenkirche gesehen und mit seiner Kamera aufgenommen, erzählte er einmal. Schon eine halbe Stunde später sei das architektonische Meisterwerk in sich zusammengesackt. Hoch hat damals das vermutlich letzte Bild des evangelischen Gotteshauses vor der Zerstörung aufgenommen.

Pfarrer Karl-Ludwig Hoch hat sich nicht nur um die Frauenkirche verdient gemacht. Auf seine Initiative geht die Einrichtung des Museums zur Dresdner Frühromantik im Kügelgenhaus zurück. Er hat sich darüber hinaus auch für den Erhalt historischer Bausubstanz wie der Ruine der Sophienkirche eingesetzt. Bereits unmittelbar nach 1945 habe er Benefizkonzerte für den Wiederaufbau der George-Bähr-Kirche in Loschwitz organisiert, erinnerte sich Hans-Christian Hoch, sein ältester Sohn. Pfarrer Karl-Ludwig Hoch wurde mit dem Sächsischen Verdienstorden und der Ehrenmedaille der Deutsch-Britischen Gesellschaft ausgezeichnet.

In der Kunstgeschichte spezialisierte sich Hoch auf den Maler Caspar David Friedrich, über den er mehrere Monografien vorlegte. Sein Vater sei auch immer "ein Mensch des Auges" gewesen, sagte Hans-Christian Hoch rückblickend. Eine besondere Bedeutung habe für ihn die landschaftliche Schönheit der Sächsischen Schweiz gehabt, die er mit den Augen Caspar David Friedrichs zu betrachten suchte. Fast 30 Jahre lang war Karl-Ludwig Hoch Gemeindepfarrer in Dresden-Plauen. Auch im Ruhestand pflegte er rege Kontakte zu Gemeindegliedern.

Die Beisetzung findet am kommenden Freitag, 4. September, 14 Uhr, auf dem Loschwitzer Friedhof statt. 15.30 Uhr beginnt ein Gottesdienst zur Beisetzung in der George-Bähr-Kirche in Loschwitz.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.08.2015

Katrin Richter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mehrere tausend Menschen haben am Samstagnachmittag in Dresden friedlich und lautstark für Flüchtlinge und gegen das Vorgehen von Politik und Behörden beim Thema Asyl demonstriert.

09.09.2015

Die Landesdirektion Sachsen hat die Prognose für die Asylbewerberzahlen jetzt auch offiziell nach oben korrigiert. Dresden wird demnach in diesem Jahr mindestens 5365 Flüchtlinge aufnehmen müssen.

09.09.2015

"Es war mir ja schon schwer ums Herz, als ich am 15. Januar auf dem Schoß des Baggerfahrers das erste Stück unserer Baracke abgerissen habe", sagte Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller, Inhaberin des Dresdner Backhauses, gestern auf dem Richtfest eines Neubaus an der Augsburger Straße 4. Das viergeschossige Gebäude wird künftig einem Cafè des Backhauses, der Creditreform Dresden, dem Italienischen Honorarkonsult und dem Biomarkt Vorwerk Podemus ein neues Zuhause geben.

14.09.2015