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Lokales Entgleisung oder Mordversuch - Prozess um Moschee-Anschlag endet
Dresden Lokales Entgleisung oder Mordversuch - Prozess um Moschee-Anschlag endet
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16:00 26.08.2018
Der Angeklagte im Prozess um einen mutmaßlichen Bombenanschlag auf eine Moschee sitzt im Landgericht Dresden im Verhandlungssaal neben seiner Anwältin Ines Kilian. Quelle: dpa
Dresden

Der Angeklagte hat ein Teilgeständnis abgelegt, Reue gezeigt und sich entschuldigt, Gutachter stuften die selbstgebauten Sprengsätze als durchaus tödlich ein und zählten Ermittlungspannen auf. Nach sieben Monaten geht an diesem Freitag (31. August) der Prozess um die Anschläge auf eine Moschee und das Kongresszentrum wenige Tage vor der zentralen Einheitsfeier 2016 in Dresden mit der Urteilsverkündung zu Ende. Ein 31-Jähriger aus der Elbestadt ist unter anderem wegen versuchten Mordes und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion angeklagt.

Nino K. hat zugegeben, die Rohrbomben gebaut und gezündet zu haben, ohne sein Motiv schlüssig zu erklären. Eine Tötungsabsicht bestreitet er. Ob ihm die Richter glauben, wird sich zeigen. Denn die auch in dem muslimischen Gotteshaus wohnende Familie des Imam kam laut einem Experten nur durch Zufall mit dem Schrecken davon. In der durch das islam- und fremdenfeindliche Pegida-Bündnis damals aufgeheizten Stimmung hatten die Attacken bundesweit Entsetzen ausgelöst und Schlagzeilen gemacht.

„Ich wollte nur ein Zeichen setzen“

Auf die Spur des Angeklagten führten erst Wochen später am Tatort gesicherte DNA-Spuren. Der Belüftungsmonteur war im Dezember 2016 auf einer Baustelle in Hessen festgenommen und in seiner Wohnung neben Gegenständen zur Herstellung von Spreng- und Brandvorrichtungen auch ein mehr als viereinhalb Kilo schwerer Sprengsatz gefunden worden - bereit zum Abtransport und Einsatz.

Die Generalstaatsanwaltschaft sieht Ärger über die Flüchtlingspolitik und Hass auf Ausländer, vor allem muslimischen Glaubens, als Motiv. Nino K., der in Untersuchungshaft ist, hat zugegeben, die Bomben in einem Eimer mit brennbaren Stoffen und Flüssigkeit neben der Haustür der Moschee abgestellt und mittels Zeitschaltuhr gezündet zu haben. „Ich wollte nur ein Zeichen setzen“, erklärte der schmächtige Mann, den Ermittler auf Videobändern vom Tatabend zunächst für einen Teenager hielten, vor Gericht.

Bekannt ist, dass der Belüftungsmonteur schon als Redner bei einer Pegida-Kundgebung auftrat. Laut Anklage soll er sich in diesem Umfeld radikalisiert haben. Aus Sicht der Generalstaatsanwaltschaft hat Nino K. die Tat lange vorbereitet und es billigend in Kauf genommen, dass Menschen verletzt oder gar getötet werden. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und neun Monaten.

Die Spuren der Explosion an der Fatih Camii Moschee Quelle: dpa/Kahnert

Die Verteidigung indes hält den Vorwurf des versuchten Mordes für nicht haltbar. Sie verlangt viereinhalb Jahre Haft, kritisierte die Ermittlungspannen und sprach von Beweis-Manipulation. Tatsächlich offenbarten sich Mängel, Fehler und Unzulänglichkeiten - von versäumten Befragungen über zufällig entdeckte Beweise bis zur Tatsache, dass für die Analyse der Bomben auf ihre Gefährlichkeit einen Sprengstoff-Sachverständiger vom BKA bemüht werden muss.

„Ich habe einen Riesenfehler gemacht, den ich zutiefst bereue“, sagte Nino K. im letzten Wort und entschuldigte sich bei den Opfern: „Es tut mir auch leid für die Familie.“ Sie sieht in der unpersönlichen Erklärung nur ein Mittel zum Zweck, wie Anwältin Kati Lang sagte. Der Angriff auf ihr Leben habe die Sicherheit der Familie in der intimen Umgebung ihres Zuhauses nachhaltig erschüttert. „Sie erwartet eine angemessen hohe Strafe für vielfach versuchten Mord.“

Von dpa

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