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Lokales Entdeckungsreise mit einem Dresdner Kräutergärtner
Dresden Lokales Entdeckungsreise mit einem Dresdner Kräutergärtner
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18:31 17.04.2018
Kräutergärtner Veith Adam mit der Katzenschwanzpflanze (Bulbine frutescens). Eine attraktive Kübelpflanze, deren Blätter ein Gel enthält, das ähnlich wie das der Aloe Vera verwendet wird. Quelle: Catrin Steinbach
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Dresden

Wer im Garten Unkraut jätet und Vogelmiere zum Beispiel achtlos entsorgt, beraubt sich einer Delikatesse. Veith Adam schmunzelt still in sich hinein, wenn er das erzählt und ungläubiges Staunen erntet.

Der Kräutergärtner aus Dresden-Mobschatz baut in seiner Gärtnerei sogar Vogelmiere (Stellaria media) an und verkauft sie an Gourmetrestaurants in der Region. „Man kann die Pflanze in Salaten, Suppen und Kräuterquark verwenden“, weiß Adam. „Sie ist knackig, leicht süßlich. Der Geschmack erinnert ein bisschen an junge Maiskolben.“

Selbst Franzosenkraut landet auf dem Teller

Ebenso bekommt man bei Adam auf Bestellung u.a. zarte Blättchen der Wilden Möhre, vom Spitzwegerich und Franzosenkraut. Auch diese Wildkräuterarten bleiben am Wegesrand bzw. auf Wiesen gewöhnlich eher unbeachtet.

Die Vielfalt der Kräuter ist überwältigend. „Für jeden ist ein Kraut gewachsen“, findet der Dresdner Kräutergärtner Veith Adam. Er stellt ein paar Arten vor, die man auf Balkon und Terrasse ziehen kann.

Das Franzosenkraut oder auch Kleinblütige Knopfkraut (Galinsoga parviflora) treibt Gartenbesitzer dagegen regelmäßig zur Verzweiflung. Denn eine einzige Pflanze kann bis zu 100 000 Samen hervorbringen, so dass sich das Kraut im Garten explosionsartig verbreitet, wenn man es nicht rechtzeitig entfernt.

Veith Adam sieht das gelassen. Er kultiviert das Knopfkraut in Töpfen, freut sich an dessen winzigen weiß-gelben Korbblütchen und sieht das Grün vor seinem geistigen Auge auch schon wieder auf dem Teller. Entweder roh als pikante Salatzutat oder gekocht als Gemüse.

Gemüsesämlinge im Salat

Dann weist der Kräuterexperte auf Sämlinge verschiedener Pflanzenarten: Zuckerschoten, Radieschen, Rettich, Senf und Rote Beete. Zur Fruchtbildung kommen die bei ihm nicht. Denn gerade zehn Zentimeter groß werden sie abgeschnitten, um Speisen in Restaurants zu verfeinern.

„Auch die Blüten und die zarten Blätter vom brasilianischen Sauerklee kann man essen“, erzählt Adam. „Die Blätter schmecken wirklich säuerlich. Durch ihre auffällige Form und dunkelrote Färbung sind sie auf jedem Salatteller ein Hingucker.“ Da Sauerklee wie Rhabarber Oxalsäure enthält, sollte er sparsam eingesetzt werden.

Die Küche bereichern können neben Petersilie und Schnittlauch zahllose andere Kräuter. „Für jeden ist ein Kraut gewachsen“, ist Veith Adam überzeugt. Manche – wie Thymian und Bergbohnenkraut – sind hierzulande winterhart und können ausgepflanzt im Garten überdauern. Andere kultiviert man für einen Sommer in Töpfen und Kästen auf Balkon und Terrasse.

Überwältigende Sortenvielfalt

Alleine die Sortenvielfalt bei Minze, Thymian und Salbei ist überwältigend. „Kosten Sie mal eine Blüte vom Ananassalbei“, sagt Adam und wartet gespannt auf die Reaktion. Lecker. Die knallrote schmale Lippenblüte ist fruchtigsüß.

Ein Festmahl für Bienen bzw. Hummeln bietet Strauchbasilikum (Ocimum x Hybr.). „Es hat im Gegensatz zu dem Basilikum, der in nahezu jedem Lebensmittelmarkt im Angebot ist, nicht so weiche Blätter, aber ein intensives Aroma“, so Veith Adam. Die Pflanze kann bei richtiger Überwinterung (hell bei 15 Grad Celsius) viele Jahre alt werden. Sie verholzt und bringt die ganze Vegetationsperiode über je nach Sorte weiß oder rosa-lilafarbene Blüten hervor.

Mit den Triebspitzen des (in unseren Breiten nicht winterharten) Pilzkrautes (Rungia klossii), das ausgepflanzt eine Höhe von bis zu 60 cm erreicht, kann man den Geschmack von frischen Champignons in Salat und Spaghetti zaubern. Oder man gibt das Kraut am Ende des Kochvorganges Fleisch als Würze zu.

„Gesellschaftsfähiger“ Schnittknoblauch

Da macht sich auch der winterharte Schnittknoblauch (Allium tuberosum) hervorragend, der durchaus im Staudenbeet gedeiht. Verwendet werden die langen schmalen weiß-grünen Blätter und die weißen Blüten dieser Lauchart. Vorteil: Das Kraut schmeckt nach Knoblauch, man riecht aber nach dem Essen nicht danach.

Eine intensive Pfeffernote hat die rispenförmige, eher unscheinbare Blüte des Japanischen Wasserpfeffers (Polygonum hydropiper) – ebenso als Flohpfeffer, Pfeffer-Knöterich oder Pfefferkraut bekannt.

Ceylonspinat wächst bis zwei Meter hoch

„Vom Ceylonspinat, der sehr reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist, erntet man die fleischig-saftigen, dunkelgrünen Blätter oder die ganzen Triebspitzen bis zum Beginn der Blüte. Die Blätter schmecken leicht säuerlich“, stellt Veith Adam eine weitere (nicht winterharte) Pflanze vor, die man in der Küche verwenden kann. Die Kletterpflanze, die bis zu zwei Meter hoch wächst, benötigt eine stabile Rankhilfe sowie einen halbschattigen bis sonnigen Standort und humosen Boden.

Die Gärtnerei, die 1954 von Veith Adams Vater an der Elbhangstraße gegründet wurde, kultiviert rund 40 Schnittkräuter sowie essbare Blüten für die Gastronomie und etwa 150 Kräuterarten und -sorten, die als Topfpflanzen verkauft werden. Hinzu kommt ein kleines Sortiment an Zierpflanzen.

Veith Adam verzichtet nach eigenen Angaben weitestgehend auf chemische Pflanzenschutzmittel. „Wir setzen gegen Läuse und andere Schädlinge tierische Nützlinge wie Raubmilben, Schlupfwespen, Gallmücken und Marienkäfer ein und spritzen verdünnten Wermuttee“, sagt der Gärtner. „Aber auch Hormonfallen oder Klebetafeln halten die Schädlinge von den Pflanzen fern.“ Zudem arbeitet Adam mit Pflanzenstärkungsmitteln wie verdünnter Jauche von Schachtelhalm und Brennnesseln.

Von Catrin Steinbach

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