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Lokales Empörung über Dresdner Pegida-Marsch – CSU fordert Absage – Karikaturisten protestieren
Dresden Lokales Empörung über Dresdner Pegida-Marsch – CSU fordert Absage – Karikaturisten protestieren
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17:30 09.09.2015
Ein Schild mit der Aufschrift "Je suis Charlie! Mais je suis jamais Niemals Pegida!" vor der französischen Botschaft in Berlin. Quelle: Lukas Schulze/Archiv
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Dass diejenigen, die seit Wochen gegen die angebliche „Lügenpresse“ hetzen, nun den Tod mehrerer Journalisten für ihre Ideen instrumentalisieren, sorgt für massive Kritik, unter anderem bei einem Zeichner von „Charlie Hebdo“.

Pegida will am Montagabend wieder durch Dresden marschieren, mit Trauerflor. Auch die Gegner der selbst ernannten Patriotischen Europäer wollen am Montag auf die Straße gehen. Das Bündnis Dresden Nazifrei ruft ab 16.30 Uhr dazu auf, zur Synagoge und zum Theaterplatz zu kommen. Von dort aus soll der Protest gegen den „Trauermarsch“ starten. Ab 20 Uhr ruft zudem „Dresden für alle“ dazu auf, sich an der zweiten Auflage des Dresdner Neujahrsputzes zu beteiligen. Start dafür ist 20 Uhr am Postplatz.

Bereits am Samstag hatten rund 35.000 Menschen auf dem Dresdner Neumarkt klar Stellung gegen die Islam- und flüchtlingsfeindliche Pegida-Bewegung bezogen. "Nach dem gestrigen Tag gehen wir gestärkt und mit Rückendwind in die nächsten Wochen. Gleichzeitig werden wir auch weiterhin informieren und für dialogbereite Bürgerinnen und Bürger ansprechbar sein. Klar ist: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben in Sachsen keinen Platz", äußerte sich Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping.

Karikaturisten stellen sich gegen Pegida

Jean-Marc Couchet (alias Giemsi): Recuperation Fasciste ("Vereinnahmung durch Rechtsextreme"), Sprechblase: "decomplese moins" ("Halt' dich etwas zurück, Jurgen"). Illustration: Jean-Marc Couchet alias Giemsi Quelle: dpa
Mit einem Flugblatt („Pegida, verschwinde!“) und Karikaturen stellten sich inzwischen französische und frankophone Karikaturisten gegen Pegida. Sie seien empört über den in Dresden geplanten „Trauermarsch“, hieß es in einem Aufruf vom Sonntag. „Wir lehnen es ab, dass Pegida das Gedenken an unsere Kollegen vereinnahmen will“, sagte ein Mitorganisator und Sprecher der Aktion der dpa. Die Bewegung stehe für all das, was die Kollegen von „Charlie Hebdo“ durch ihr Werk bekämpft hätten, hieß es.

Auf ihrer zweisprachigen Facebook-Seite, die seit Montagmorgen online ist, fordert die Gruppe „Karikaturisten gegen Pegida“ die Dresdner Bürger auf, für Toleranz, Weltoffenheit und gegen Hass und Islamfeindlichkeit einzustehen. Zu den Unterzeichnern der Aufrufs gehört auch der niederländische Karikaturist „Willem“ - Gründungsmitglied und Zeichner bei dem französischen Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Er überlebte, weil er während der Anschläge im Zug nach Paris saß.

„Wir, die französischen und frankophonen Zeichner, sind entsetzt über die Ermordung unserer Freunde. Und wir sind angewidert, dass rechte Kräfte versuchen, diese für ihre Zwecke zu instrumentalisieren“, heißt es in dem Aufruf. Eine der Karikaturen zeigt etwa eine Hyäne und einen Aasgeier, die aus dem Terroranschlag Kapital schlagen wollen. Am Sonntag waren es elf Unterzeichner. „Es kommen immer noch neue hinzu“, erklärte ein Sprecher. Gut ein Dutzend Karikaturen sind mittlerweile online zu sehen.

Politiker fordern Absage

CSU-Chef Horst Seehofer rief die Pegida-Organisatoren auf, bis auf weiteres auf ihre allwöchentlichen Proteste zu verzichten. „Ich möchte die Verantwortlichen (...) auffordern, dass sie jetzt, wo die ganze Welt trauert und schockiert ist über die Vorgänge in Paris, auf absehbare Zeit ihre Demonstrationen absagt“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Sonntagabend im „Bericht aus Berlin“ in der ARD. Seehofer betonte, er habe „mit den Parolen von Pegida überhaupt nichts am Hut“, und fügte hinzu: „Sie sind auch völlig unzutreffend.“

Quelle: DNN
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) forderte in der „Bild“-Zeitung (Montag), die für Montag geplanten Pegida-Demonstration abzusagen. „Wie heuchlerisch ist das denn? In Dresden wollen Menschen mit Trauerflor am Arm eben jener Opfer in Paris gedenken, die sie vor einer Woche noch als Lügenpresse beschimpft haben“, fügte Maas hinzu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor in ihrer wöchentlichen Videobotschaft indirekt die Pegida-Bewegung kritisiert. „Wo Hass und Vorurteile zu Hause sind, da werden wir auch keine guten Lösungen für uns alle finden“, sagte Merkel. „Deshalb ist es wichtig, dass jeder sich zu den Grundwerten unseres Landes bekennt, und dazu gehört zum Beispiel auch das Recht auf Asyl für verfolgte Menschen“.

dpa / sl

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