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Lokales Deutsche Umwelthilfe verklagt Cyberport
Dresden Lokales Deutsche Umwelthilfe verklagt Cyberport
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07:12 24.10.2018
Wohin mit alten Energiesparlampen? Der Paketrückversand an Händler ist schwierig. Quelle: dpa
Dresden

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat beim Landgericht Dresden Klage gegen den Dresdner Elektronikanbieter Cyberport eingereicht. Das Unternehmen verstoße gegen die Rücknahmepflicht von Elektroaltgeräten, heißt es.

Die DUH hatte im Mai und Juni bei 52 stationären und 30 Online-Händlern verdeckte Tests durchgeführt. Der Verband prüfte, ob die Händler kleine und große alte Elektrogeräte sowie gebrauchte Energiesparlampen kostenlos zurücknahmen, wie es seit 2016 im Gesetz vorgeschrieben ist, oder nicht. Bis auf den Cottbuser Obi-Markt und den toom-Markt in Potsdam schnitten alle stationären Händler schlecht oder gerade ausreichend ab. Bei den Online-Händlern erreichten lediglich die Ketten Toys“R“Us und Obi ein „Ausreichend“, alle übrigen nur „Ungenügend“. Die Testergebnisse sind online nachzulesen.

Die Online-Händler seien im Nachgang auf die Tests und die Kritikpunkte aufmerksam gemacht worden, sagte Philipp Sommer, Stellvertretender Leiter für Kreislaufwirtschaft bei der DUH gegenüber DNN. Man habe ihnen die Möglichkeit gegeben, die Mängel abzustellen. Wenn die Unternehmen zusicherten, künftig die gesetzlichen Regelungen einzuhalten, habe man von weiteren Schritten abgesehen und wolle im kommenden Jahr die Rücknahmebereitschaft erneut überprüfen. Einige Firmen hätten sich jedoch geweigert, „gegenüber der DUH eine Erklärung abzugeben, zukünftig die festgestellten Verstöße zu unterlassen“, so der Umweltverband. Zu diesen Händlern gehörten laut DUH neben dem Dresdner Unternehmen Cyberport auch Saturn, Hornbach und Netto. Gegen diese Firmen reichte der Umweltverband Klagen bei den zuständigen Landgerichten ein.

Problemfall Energiesparlampen

Bei Cyberport wie auch den anderen drei Online-Händlern wurden vor allem die Rücknahmemodalitäten für alte Energiesparlampen bemängelt. Die Unternehmen hätten den Verbrauchern angeboten, die gebrauchten Leuchtmittel in Paketen zurückzuschicken, obwohl mehrere große Dienstleister wie Deutsche Post/DHL aufgrund der Bruchgefahr den Versand von Altlampen ablehnen. Falls eine Lampe beim Transport kaputt ginge, würde das darin enthaltene Quecksilber freiwerden – ein Gesundheitsrisiko. „Es ist ein Skandal, dass ausgerechnet bei schadstoffhaltigen und gesundheitsgefährdenden Energiesparlampen Verbrauchern keine gesetzeskonforme Rückgabe ermöglicht wird“, so Sommer.

Zwar dürften neue Lampen in Paketen verschickt werden – aber nur, weil diese professionell und bruchsicher verpackt sind. Beim Rückversand sei das kaum möglich: „Es ist vom Verbraucher nicht zu erwarten, dass er die Lampe wieder so sturzsicher verpackt“, meint Sommer.

Im Fall von Cyberport kritisiert die DUH zudem, „dass Cyberport von Verbrauchern verlangt, bei der Rücksendung ausgedienter Energiesparlampen für das Porto in Vorkasse zu gehen“.

Alternativen zum Rückversand

Als Alternative schlägt die Deutsche Umwelthilfe vor, dass Onlinehändler gebrauchte Energiesparlampen und nicht paketfähigen Elektroschrott kostenlos beim Verbraucher abholen oder ein flächendeckendes Netz an Rückgabestationen einrichten. Eine Rückgabe nur in den einzelnen Filialen der Handelsketten sei den Verbrauchern nicht zuzumuten, findet Sommer, weil die Standorte mitunter hundert Kilometer oder mehr entfernt seien. Der Experte für Kreislaufwirtschaft würde es als optimal ansehen, wenn in jedem Postleitzahlgebiet eine Rücknahmestelle bestünde. „Das wären etwa 8000 Stellen in ganz Deutschland“, so Sommer. „Das geht natürlich nicht von heute auf morgen.“ Eine andere Zahl hat der Handelsverband vor Augen – er spricht von 1600 nötigen Rücknahmestellen. Aber selbst dann wären die wenigen Hundert Filialen der Onlinehändler viel zu wenig.

Cyberport weist Anschuldigungen von sich

Cyberport hat nach eigener Aussage noch keine Klage der Deutschen Umwelthilfe erhalten.

Das Dresdner Unternehmen weist die Kritik der Naturschützer von sich. „Die DUH hatte Cyberport vor einigen Monaten angeschrieben. Ein relevanter Verstoß konnte nicht nachvollzogen werden“, antworteten die Zuständigen auf eine entsprechende DNN-Anfrage. Man habe „zur Umsetzung der neuen Regelungen einen für Kunden bequemen Rückgabe-Prozess geschaffen“, so das Unternehmen. Verbraucher könnten Altgeräte kostenfrei in einem der Cyberport-Stores abgeben. Paketversandfähige Altgeräte aus privaten Haushalten könnten darüber hinaus geschickt werden. „Hierzu stellen wir kostenfrei ein Rücksendeetikett zur Verfügung.“ Bei Retouren von Elektroschrott arbeite man „eng mit unserem Versanddienstleister der DPDgroup zusammen“, so Cyberport. Allerdings transportiert auch DPD keine Energiesparlampen, da diese als Gefahrgüter zählen. „Der Versand von Gefahrgut durch Privatpersonen ist bei DPD [...] nicht möglich und wird durch unsere AGB ausgeschlossen“, so das Unternehmen auf DNN-Anfrage. Lediglich Händler könnten nach Abschluss einer Sondervereinbarung Energiesparlampen mit DPD als Gefahrgut deklariert versenden.

Cyberport betont zudem, die Aussage von der DUH, Verbraucher müssten für das Porto in Vorkasse gehen, sei falsch. „Unsere Kunden erhalten eine vorfrankierte Paketmarke – per Mail oder auch postalisch“, sagte Unternehmenssprecherin Nicole Fiedler.

Der Dresdner Elektronikhändler verweist auf einen anderen Test, bei dem das Unternehmen nicht kritisiert wurde: „Auf testbericht.de wurde am 25.07.2016 die Rückgabe von Elektroaltgeräten per Versand bei 103 Online-Shops geprüft. Cyberport hat hier mit einem sehr guten Ergebnis abgeschnitten.“

Von ttr

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