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Lokales Elbquerung mit Amphibienbus
Dresden Lokales Elbquerung mit Amphibienbus
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11:39 21.09.2018
Der Salzburger Amphibienbus kann auf der Straße und im Wasser fahren. Das Gefährt hat Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain derart begeistert, dass er jetzt den Einsatz in Dresden prüfen lässt – auch im Linienverkehr. Quelle: Salzburger Festungskonzerte GmbH/PR
Dresden

Langsam steuert der voll besetzte Bus auf die Salzach in Salzburg zu, gleitet in den Fluss. Dort setzt das weiß-rote Gefährt mit der spitzen Nase seine Fahrt fort – es handelt sich um einen amphibischen Bus, der seit Herbst 2016 vor allem Touristen an Bord nimmt. Zufällig beobachtete in diesem Jahr Dresdens Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) – selbst auf Urlaub in der Mozartstadt – eine Flussfahrt des Amphibienbusses. „Das hat uns angespornt, diese Alternative genauer zu untersuchen“, sagt er nun. Der Amphibienbus könnte statt der vom Stadtrat geforderten Fähre in Pieschen übersetzen.

Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain findet die Idee einer Elbquerung mittels Amphibienbus spannend. Quelle: Dietrich Flechtner/Archiv

Deren Einrichtung hat sich nach einer ersten Schätzung der Baukosten, Nebenkosten und Beschaffung der Fähre als ein „aufwändiges Projekt“ herausgestellt, wie Schmidt-Lamontain sagt. Kostenpunkt: 4,2 Millionen Euro, hinzu kämen Ausgaben für die Löhne der Fährleute und den Betrieb der Fähre. Mit einem Amphibienbus muss es nicht unbedingt billiger werden, handelt es sich bei dem Salzburger Modell doch um eine Eigenentwicklung der Unternehmensgruppe Dr. Erich Berer mit Kohlefaser in der Karosse und drei Antrieben, für das vier Jahre Entwicklungs- und Bauzeit nötig waren. Auch mangelt es an Barrierefreiheit und fällt die Kapazität des Salzburger Busses mit 26 Plätzen für Dresdner Ansprüche (60 Personen im Standardbus, 100 im Gelenkbus) viel zu gering aus. Ein solcher Bus könnte aber einen Mehrwert gegenüber der Fähre bringen.

„Die Fähre in Pieschen hat neben den hohen Kosten einen großen Nachteil: Vom Anleger auf Altstadtseite sind es noch 800 Meter zur Messe – das ist für viele ÖPNV-Nutzer ein zu weiter Weg“, sagt Andreas Hoppe, Leiter der Verkehrsplanung bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB). Ein Amphibienbus könnte, einmal aus der Elbe wieder aufgetaucht, die Strecke bis zur Messe zurücklegen und so eine attraktivere Verbindung schaffen. Schmidt-Lamontain will deshalb prüfen, ob ein solcher Bus sinnvoll im Linienverkehr zum Einsatz kommen kann. „Mit unserer Recherche stehen wir noch am Anfang. Voraussetzung ist, dass ein Amphibienbus für die Eigenheiten der Elbe, ihre Strömungsgeschwindigkeit, das richtige Fahrzeug ist“, sagt er. Untersucht werden sollen unter anderem Kosten für Anschaffung und Betrieb und Fahrgastpotentiale.

DVB-Verkehrsplaner Andreas Hoppe hätte es gern, wenn die Stadt nicht nur Fähre und Amphibienbus als Querungsmöglichkeiten untersuchen würde. Quelle: Uwe Hofmann

Gerade die sehen bei der Fähre eher mau aus. 140 Personen würden laut DVB-Prognose die Fähre täglich nutzen, im Zwölfstundenbetrieb wären das nicht einmal zwölf Menschen in der Stunde. Probeweise hat es diese Fährverbindung im Anschluss an den Kirchentag 2011 in Dresden bereits gegeben. Damals setzten kaum Menschen über, die meisten, weil sie mit oder ohne Hund eine Runde im Ostragehege spazierengehen wollten.

Laut Verkehrsplaner Hoppe sei das auch ein legitimes Anliegen. „Es hat nur bei uns nicht eine so hohe Priorität“, betont er. Aktuell rangiert es auf Rang 40, hinter dem Streckenausbau für die neuen Stadtbahnwagen, der Taktverdichtung auf vielgenutzten Tramlinien, Lösungen für die an ihre Kapazitätsgrenze gelangten Buslinien 61 und 62 oder der Einrichtung von neuen Premiumbuslinien. Von diesen zumeist große Teile der Stadt betreffenden Projekten können jeweils Tausende Fahrgäste profitieren, vor allem deshalb rangieren sie an höherer Stelle als die Fähre, die nur geringe Auswirkungen allein in Pieschen verspricht.

Nach Meinung der DVB könnte die Fähre ohnehin nur eine kurzfristige Lösung für ein tiefergehendes Problem sein. „Der Messe fehlt eine ordentliche Verkehrsanbindung“, sagt Hoppe. Parksituation und Erreichbarkeit von den Autobahnen her sei derzeit alles andere als ideal. Langfristig hätte daher eine Elbbrücke bei Pieschen am meisten Sinn. Aus Sicht der Verkehrsbetriebe könnte dort eine Straßenbahn zur Messe fahren, die gleichzeitig das wachsende Siedlungsgebiet in Kaditz und Mickten zwischen Flutrinne und Elbepark anbindet. „Bei großen Veranstaltungen musste die Linie 10 auch schon mal im Zweieinhalb-Minuten-Takt fahren, um den Besucherandrang zu bewältigen – eine Fähre bringt uns da gar nichts“, sagt Hoppe.

„Um alle diese Überlegungen in eine Form zu bringen wünschen wir uns, dass mehrere Varianten der Erschließung untersucht werden“, sagt Hoppe. Neben der Fähre und dem Amphibienbus sind damit vor allem ein Brückenbau nur für Radler und Fußgänger – analog zur Molenbrücke – und eine für den ÖPNV nutzbare Brücke gemeint, aber auch andere Vorschläge wie eine Seilbahn könnten betrachtet werden. „Dann könnte man ganz klar nebeneinanderstellen, was das kostet und wer davon profitiert“, wirbt Hoppe für diesen Vorschlag. Mehr Informationen könnten der derzeit geführten Debatte nicht schaden.

Von Uwe Hofmann

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