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Lokales Einzigartige Kooperation am OP-Tisch
Dresden Lokales Einzigartige Kooperation am OP-Tisch
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12:00 19.06.2018
Deutschlandweit einmalige Kooperation: Die Chirurgen Dr. med. Steffen Pistorius (li.) und Prof. Dr. med. Jürgen Weitz verkörpern die Zusammenarbeit zwischen dem Krankenhaus in Radeberg und dem Uni-Klinikum Dresden. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die hochkomplexe Bauchspeicheldrüsen- und Leber-OP im Dresdner Uniklinikum, Gallenblasen- und Leistenhernienoperationen in der Asklepios-Klinik in Radeberg: Vereinfacht ausgedrückt ist das der Kern der mittlerweile drei Jahre andauernden Zusammenarbeit zwischen der chirurgischen Einrichtung der Uniklinik mit dem Radeberger Klinikum in privater Trägerschaft.

Der spezielle Fall ist immer noch besonders: „Dass die Chirurgie eines Uniklinikums mit der chirurgischen Einrichtung eines privaten Trägers in dieser Weise kooperiert, ist einmalig in Deutschland“, sagt der Professor Jürgen Weitz. Er leitet die Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Uniklinikum und ist einmal in der Woche als Chefarzt in der Asklepios Klinik in Radeberg vor Ort.

Sein Kollege, der Chirurg Steffen Pistorius, ist seit 20 Jahren am Uniklinikum und nun als stellvertretender Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie in Radeberg im Einsatz und dort Hauptansprechpartner für die Patienten.

Noch Kapazität nach oben

Durch den Austausch können die Ressourcen in Radeberg und in der Uniklinikum besser ausgelastet werden. „Noch gibt es bei den Behandlungen in Radeberg Kapazität nach oben“, erklärt Pistorius. Rund 25 Eingriffe, beispielsweise im Magen-Darmbereich, an der Gallenblase, der Schilddrüse und die Behandlung von Leistenbrüchen können unter der Leitung der Dresdner Ärzte wöchentlich in Radeberg versorgt werden.

Dabei kommt die minimal-invasive Chirurgie mit sehr kleinen Schnitten umfassend zum Einsatz. Auch Dresdner, die zum Beispiel mit einem Leistenbruch ins Uniklinikum kommen, werden mit ihrer Einverständnis in Radeberg behandelt. Das betrifft rund 200 bis 300 Patienten pro Jahr.

Mehr Routine für die Ärzte

Im Gegenzug werden Krebspatienten, die in die Radeberger Asklepios-Klinik eingewiesen wurden und beispielsweise an Speiseröhre oder Bauchspeicheldrüse operiert werden müssen, mit hochmoderner Technik im Uniklinikum behandelt. Um über die Behandlung der Patienten zu entscheiden ist eine feine Abstimmung nötig. „Ich telefoniere häufiger mit Steffen Pistorius, als mit meiner Frau“, sagt Weitz schmunzelnd.

Neben der klinischen Auslastung sollen vor allem die Patienten profitieren. „Übung macht den Meister“, sagt Weitz. Um überhaupt an der Bauchspeicheldrüse operieren zu dürfen, muss der Chirurg eine Mindestanzahl von Operationen im Jahr erfüllen. Die Chirurgischen Abteilungen beider Kliniken erhalten durch die Kooperation also mehr Routine bei bestimmten Eingriffen.

Radeberger Patienten werden ins Tumorboard aufgenommen

Gleichzeitig werden Krebspatienten aus Radeberg in das Tumorboard am Uniklinikum mitaufgenommen. Das Board am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Dresden hat sich zur Aufgabe gemacht, die Behandlung von Krebspatienten möglichst eng mit der Forschung zu verknüpfen. Das gilt beispielsweise auch für Menschen mit Dickdarmkrebs, die in Radeberg operiert werden.

Kann so dem ländlichen Ärztemangel entgegen gewirkt werden?

In die Kooperation werden auch die Dresdner Nachwuchsärzte miteinbezogen. Aktuell sind drei Assistenzärzte und ein Facharzt des Uniklinikums vor Ort. Dadurch gewinnen sie abseits von hochspezialistierten Eingriffen am Uniklinikum Routine bei Standardoperationen und in die Krankenversorgung abseits der Großstadt. Vielleicht eine Möglichkeit dem Fachärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken. „Wir sind mit dem Status Quo zufrieden“, sagt Weitz. Die Ärzte sind offen für eine Ausweitung der Kooperation, noch gibt es allerdings keine konkreten Pläne.

Von Tomke Giedigkeit

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