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Großer Andrang bei Bürgerwerkstatt zum Königsufer in Dresden

Einmischung erwünscht Großer Andrang bei Bürgerwerkstatt zum Königsufer in Dresden

Das Königsufer ist eine prominente Brachfläche in Dresden, die bebaut werden soll. Beim Wie will Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/die Grünen) die Bürger einbeziehen. Und die diskutierten bei der Bürgerwerkstatt in der Dreikönigskirche sehr engagiert.

Naturnaher Raum: Blick auf das Königsufer.
 

Quelle: Marie Zoe Vanherpe

Dresden. 16 Tische. An jedem bis zu zehn Stühle. Angeregte Debatten. Nicht nur an den Tischen, sondern auch an den Stehtischen dahinter. Im Festsaal der Dreikönigskirche vollzog sich für Dresdner Verhältnisse Einmaliges: Dresdnerinnen und Dresdner konnten ihre Vorstellungen für die Bebauung eines prominenten Areals äußern. Bürgerwerkstatt nennt das Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen), der angetreten ist mit einer Vorstellung, die Bürger intensiv an aktuellen Bauvorhaben zu beteiligen.

Die Bebauung des Königsufers und die Neugestaltung des Neustädter Markts ist das Leuchtturmprojekt des Baubürgermeisters. Frühzeitige Beteiligung, langfristige Beteiligung, ein Maximum an Transparenz sind seine Zielvorstellungen. Entsprechend froh war Schmidt-Lamontain, dass der große Saal kaum ausreichte, die vielen Interessenten aufzunehmen. Es war ein bunter Querschnitt durch die Bevölkerung: junge Architektur-Studentinnen, Anwohnerinnen und Anwohner, Vertreter von Bauunternehmen, Lokalpolitiker, in der Inneren Neustadt Beschäftigte, Vertreter der Gesellschaft Historischer Neumarkt.

Sie alle konnten in drei Runden darüber diskutieren, was das Besondere des Areals ausmacht, wie es künftig genutzt werden sollte und welche Ideen die Planer auf dem Schirm haben sollten. Moderiert wurden die Debatten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Stadtplanungsamtes. Die Bürgerwerkstatt soll dokumentiert werden, versprach Schmidt-Lamontain, die Anregungen werden zur Formulierung der Fragestellung für einen offenen Architektenwettbewerb verwendet.

„Der Neustädter Markt bedeutet für mich Heimat. Das sollte erhalten bleiben“, sagte Anwohner Hans-Jörg Neumann. Da war er sich mit Tobias Hermann einig, der darum bat, die Flächen nicht „zuzukleistern“ und laut nachdachte: „Wenn der Neustädter Markt einen neuen Charakter erhalten soll, müssten die Plattenbauten abgerissen werden.“ „Bitte kein zweiter Postplatz!“, formulierte Horst Wegwarth eine klare Erwartung. „Der ist hässlich geworden. Überhaupt haben alle Neubauten nur unterschiedliche Stufen der Hässlichkeit.“

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Königsufer und Neustädter Markt – auf diesen exponierten Flächen ist noch eine städtebauliche Entwicklung möglich. Über das Wie sollen sich Architekten Gedanken machen. Die Bürger dürfen aber ein gehöriges Wörtchen bei der Gestaltung mitreden.

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Stadtplanerin Anja Heckmann konnte die Diskussion schnell wieder weg von der Architektur hin zu den Potenzialen des Stadtraums lenken. Und den künftigen Nutzungen: Wohnen sollte eine davon sein, waren sich die Teilnehmer des „World Cafés“, wie die Diskussionsrunden genannt wurden, einig. Das Weitläufige des Neustädter Marktes solle erhalten bleiben ebenso wie die Allee auf der Hauptstraße. „Ein großartiger Stadtraum“, findet Anwohnerin Edna Lührs.

Für die Nachbereitung der Bürgerwerkstatt hat Schmidt-Lamontain mehr Zeit als erwartet. Der Stadtrat will Fragestellung und Jurybesetzung für den Architektenwettbewerb beschließen. „Wir erarbeiten gerade die Vorlage“, erklärte der Baubürgermeister und legte eine Folie mit der Terminstaffel auf: Nach der Debatte in Ortsbeiräten und Ausschüssen kann der Stadtratsbeschluss frühestens am 1. März getroffen werden, falls es keine Vertagungen gibt. Die für 30. November geplante Vorberatung der Jury ist Makulatur. Ärgerlich, findet der Baubürgermeister. Aber es werfe den Leuchtturm nicht um.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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