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09:49 16.10.2018
Jürgen Weitz in einem OP-Saal des Uniklinikums. Jährlich befassen sich die Mitarbeiter der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie mit rund 3 000 Fällen. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Petra hat es geschafft. In Wanderkluft gekleidet steht sie auf einer Bergkuppe und reißt die Arme in die kühle Alpenluft. Die 56-Jährige strahlt über das ganze Gesicht. Auf dem Gipfel hinter Petra glänzt der Schnee im Sonnenschein, der blaue Himmel ist wolkenlos.

Es war ein weiter, steiniger Weg bis zu diesem Glücksmoment, eingefangen auf dem italienischen Gebirgspass Stilfser Joch im Sommer 2017. Und Petra weiß genau: Ohne fremde Hilfe würde sie nicht auf dem Berg stehen können und den Blick über das weite Tal schweifen lassen. Ohne Hilfe wäre Petra heute nicht mehr am Leben.

Diagnose: Bauchspeicheldüsenkrebs

Jürgen Weitz liest den Brief seiner ehemaligen Patientin erneut durch. Noch einmal sieht sich der Uniklinik-Chirurg das Gipfelbild an, das Petra mit einer Büroklammer am Briefpapier festgeheftet hat. Er sieht das Bild nicht zum ersten Mal – und doch ist dem Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie anzusehen, dass es ihn berührt. „Auch wenn die Prognose alles andere als vielversprechend war, habe ich es geschafft“, liest Weitz aus dem an ihn adressierten Brief vor. „Dass ich heute noch lebe und es mir so gut geht, verdanke ich ein ganz großes Stück Ihnen.“

Die ehemalige Krebspatientin Petra steht jubelnd auf dem italienischen Gebirgspass Stilfser Joch. Das Bild wurde im Sommer 2017 aufgenommen, zehn Jahre nach der Operation. Quelle: privat

Obwohl die Operation schon mehr als elf Jahre zurückliegt und der Arzt jährlich hunderte Fälle behandelt, muss Jürgen Weitz nicht lange in den Erinnerungen herumkramen. An diesen einen Fall kann er sich noch ziemlich gut erinnern.

Der Chirurg war damals noch im Nationalen Centrum für Tumorerkrankung in Heidelberg tätig, dessen Partnerstandort das Uniklinikum Dresden ist. Im Jahr 2007 lernten sich Petra und der damals 41-jährige Leiter der Chirurgischen Onkologie kennen. Die Patientin hatte kurz zuvor eine niederschmetternde Diagnose erhalten: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das lebensbedrohliche Geschwür wuchs bereits in ein großes Blutgefäß ein – die Lage war entsprechend ernst, und die Prognose wenig vielversprechend.

„Ich will nicht sterben.“

„Der Tumor war eigentlich zu weit fortgeschritten, um ihn noch per Operation zu stoppen“, erinnert sich Weitz. Auch einige seiner damaligen Kollegen rieten dem Arzt von dem Wagnis ab. Doch Petra wollte leben, sie wollte kämpfen. Für sich, ihre Familie, ihre Kinder. „In einer Sprechstunde hat sie gesagt, dass sie jetzt noch nicht sterben will. Also haben wir uns letztendlich für den riskanten Eingriff entschieden. Zum einen, weil die Patientin noch so jung war und ihr Leben noch vor sich hatte. Und zum anderen, weil wir wussten, dass sie es so wollte.“

Es war einer der schwersten Eingriffe, die Jürgen Weitz je durchgeführt hat. Er und sein OP-Team mussten zunächst das befallene Blutgefäß abklemmen. So konnte der Chirurg die tumorbefallene Gefäßwand entfernen und anschließend die Geschwulst im Bauchspeicheldrüsenkopf heraustrennen. Mit einer feinen Naht verschloss Weitz das Gefäß wieder.

Über sechs Stunden dauerte Eingriff

Doch die Operation war damit noch lange nicht beendet. In einem komplizierten Unterfangen verband Weitz den Rest der Bauchspeicheldrüse, den Gallengang und den Magen wieder mit dem Dünndarm. Über sechs Stunden dauerte der Eingriff, dann war es vorbei – und Petra den Krebs los.

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Es sind Schicksale wie diese, die Weitz motivieren. Tag für Tag. Manchmal arbeitet der Chirurg bis zu 14 Stunden am Stück. „Das ist nun einmal Teil dieses wunderbaren Berufs. Ich spüre, dass ich dem Patienten helfen kann, selbst wenn der Fall zunächst schier aussichtslos erscheint“, erklärt Weitz, der in New York und Heidelberg ausgebildet wurde.

Im Büro des Professors geht es jeden Tag um Leben und Tod. Um Entscheidungen, die das Leben langfristig beeinflussen. Diejenigen Personen, die im Sprechzimmer vor dem Klinikchef Platz nehmen, haben zumeist bösartige Tumore in Speiseröhre, Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse oder in der Leber. Oft übernimmt der 52-Jährige komplexe Fälle von anderen Kliniken, oder die Patienten reisen aus Eigeninitiative von weit her nach Dresden. Im Uniklinikum erhalten sie die Chance auf ein zweites Leben. „Wenn die Erkrankten und ihre Angehörigen bei der Sprechstunde vor Erleichterung in Tränen ausbrechen, weil es doch noch eine Chance für sie gibt, ist das immer sehr bewegend“, erzählt Weitz.

Rund 3000 Fälle im Jahr

Jährlich nehmen sich die 70 Medizinern der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie rund 3 000 Fällen an. Zumeist gelingt es noch, den bösartigen Tumor zu entfernen. „Schließlich gilt das Uniklinikum als ein onkologisches Spitzenzentrum. Das hängt mit den Chirurgen, den ärztlichen Kollegen und den Pflegenden, aber auch mit den technischen Voraussetzungen zusammen“, meint Weitz. Der Umzug in das neue Operationszentrum des Klinikums steht bevor. Die OP-Säle verfügen über moderne Navigationsgeräte, den Operationsroboter „Da Vinci Xi“ und einen Hybrid-Roboter.

Doch in einigen Fällen können weder das erfahrenste OP-Team noch die teuerste Technik etwas für den Patienten tun. „Manchmal ist ein Eingriff nicht sinnvoll, weil der Krebs schon Metastasen gesetzt hat, die chirurgisch nicht mehr entfernt werden können. Diese Botschaft zu überbringen, das tut weh“, sagt Weitz.

„Einige Menschen lehnen auch eine ausgedehnte Operation ab. Sie akzeptieren, dass der Tumor ihr Leben nimmt. Das müssen die Betroffenen mit ihren Angehörigen selbst entscheiden. Diesen ganz persönlichen Entschluss respektieren wir immer.“

Petra wählte eine andere Option. Sie hat eine Entscheidung fürs Leben getroffen. Und wenn man sich die lebensfreudige Frau so anschaut, die Jürgen Weitz vom Stapel mit Briefen, Karten und Dankesschreiben anstrahlt, dann scheint Petra die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Von Junes Semmoudi

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