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Lokales Eine 90-Jährige offenbart ihr Geheimnis
Dresden Lokales Eine 90-Jährige offenbart ihr Geheimnis
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16:17 11.08.2017
Thomas Kübler, Annekatrin Klepsch, Stefan Ostertag und Benjamin Grill mit der Zeitkapsel. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Der Investor schreibt genervt: „Welche Schwierigkeiten nun zu überstehen waren, um alle Schikanen und Widerwärtigkeiten zu überstehen, ist kaum auszusprechen. Selbst die Behörde in Dresden war sehr schwerfällig und vor allem kleinlich. Es wurden die unglaublichsten Bedingungen gestellt, sodass ich schon nahe daran war, das ganze Projekt scheitern zu lassen.“

Zum Glück bewies der Investor Nervenstärke. Sonst würde es das Filmtheater Schauburg auf der Königsbrücker Straße nicht geben. Erbauer Arnulf Huyras hat vor 90 Jahren seine Lebensgeschichte auf drei maschinegeschriebenen Blättern skizziert und diese in einer Bleikapse im Fundament der Schauburg versenkt. Durch einen reinen Zufall wurde die Zeitkapsel bei den jetzt laufenden Umbauarbeiten entdeckt. Schauburg-Geschäftsführer Stefan Ostertag übergab den Fund am Freitag dem Stadtarchiv.

„Der Keller unter dem Foyer wird erweitert, weil die Schauburg ein Problem mit Lagerflächen hat“, erklärte der für den Umbau verantwortliche Architekt Benjamin Grill. Dabei habe sich die Baggerschaufel ins Fundament gebohrt und die Zeitkapsel getroffen. „Der Bauarbeiter hat schnell reagiert und erkannt, worauf er gestoßen ist“, sagte Ostertag. Die Zeitkapsel wurde gesichert. Die Experten im Stadtarchiv restaurierten den Inhalt: historische Münzen und den Brief des Kino-Erbauers.

Der gebürtige Genfer Huyras war seit 1923 Teilhaber des Hansa-Theaters auf der Görlitzer Straße, erklärte Thomas Kübler, der Direktor des Stadtarchivs. Nach Zerwürfnissen mit den anderen Teilhabern suchte Huyras nach Bauland, um ein eigenes Kino zu eröffnen. „... und da ich die Neustadt nicht nur schätzen, sondern auch achten gelernt hatte, besonders mir die Bevölkerung sehr sympathisch war, suchte ich nach einem geeigneten Bauplatz“, schilderte der Erbauer. Der Schlächtermeister Gustav Urban verkaufte ihm das Grundstück, am 15. Oktober 1927 konnte die Schauburg eröffnen.

Jetzt hat die fast 90-jährige Dame ihr Geheimnis offenbart, wie Kübler erklärte, und der Direktor erinnerte auch an das tragische Schicksal des Erbauers, der enteignet wurde und 1957 mit nur 60 Jahren verstarb. „Ich, als Erbauer der Schauburg-Lichtspiele, weiss nicht, wer diese Papiere einmal in die Hände bekommt, ob es meine Erben sind, für die ich ja eigentlich die ganze Last auf mich nehme, oder sind es fremde Menschen, die von meinem Schaffen nichts wissen.“

Ostertag fühlt sich der Tradition von Huyras verpflichtet und will das Filmtheater im Oktober wiedereröffnen. Ein Saal und das Foyer werden dann auf jeden Fall fertig sein, verspricht er. Bis Weihnachten soll der Umbau abgeschlossen werden, in den Ostertag und die Besitzer des Gebäudes einen „siebenstelligen Betrag im unteren Bereich“ investieren, wie der Geschäftsführer erklärte.

Kübler bat Ostertag, doch auch eine Zeitkapsel mit Aufzeichnungen zu platzieren. „Aber bitte nicht auf einem USB-Stick, das kann in 100 Jahren niemand mehr lesen.“ Wenn er es per Hand schreibe, könne es auch niemand lesen, meinte Ostertag. Er habe darüber nachgedacht, einen Brief an die Nachwelt zu schreiben. „Aber im Moment fehlt mir die Zeit. Es sind jeden Tag so viele Entscheidungen zur gleichen Zeit zu treffen.“

Sie sei glücklich, dass ein Stück Stadtgeschichte den Weg ins Stadtarchiv gefunden hat, erklärte Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) und erinnerte an die 1920er Jahre, als es in Dresden mehr als 100 Kinos gegeben hatte. „Die Menschen suchten das Vergnügen.“ Ein kleines Stück davon sei übrig geblieben: „Wir haben in Dresden bundesweit die größte Dichte an Programmkinos.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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