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Dresden Lokales Ein gutes ÖPNV-Netz könnte den Druck vom Dresdner Wohnungsmarkt nehmen
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10:14 26.09.2018
Wohnen im ziemlich abgelegenen Grünen, arbeiten in der Stadt: Guter ÖPNV macht´s attraktiver. Quelle: Archiv
Dresden

Seit Jahren sucht die Politik in Bund, Freistaat und auch Stadt eine Antwort auf die Frage: Was kann den Anstieg der Mieten in Großstädten wie Dresden stoppen? Sozialer Wohnungsbau? Mietpreisbremse? Baukindergeld? Thomas Beyerle, Chefvolkswirt des Immobilieninvestment-Spezialisten Catella auf Frankfurt/Main, hat eine verblüffend andere Idee: „Der infrastrukturelle Ausbau der ÖPNV-Netze in den kommenden Jahren wird den Druck von den innerstädtischen Wohnungsmärkten nehmen“, ist der Ökonom überzeugt.

Thomas Beyerle Quelle: Catella

Um beim Beispiel Dresden zu bleiben: Hier kostet nach Catella-Recherchen der Quadratmeter in einer Neubau-Eigentumswohnung 3011 Euro und die Kaltmiete für einen Quadratmeter in einer Neubauwohnung 9,90 Euro. In Görlitz liegt der Preis für Eigentum mit 1320 Euro fast zwei Drittel günstiger und die Miete mit 5,95 Euro mehr als ein Drittel. „Görlitz liegt 45 Autominuten von Dresden entfernt. Eine kleine Distanz für eine hohe Ersparnis.“

„Der strukturelle Umbruch wird kommen“

Doch welcher Dresdner wird wegen der günstigen Preise oder Mieten nach Görlitz ziehen und dann jeden Tag zum Arbeiten in die Landeshauptstadt pendeln? „Wir leben noch in der Jammerphase“, meint Beyerle. Alle würden über die hohen Mieten jammern, sie aber zahlen. „Die große Umzugsphase steht uns noch bevor. Der strukturelle Umbruch wird kommen“, sagt der Chefvolkswirt voraus. „Nennen wir es Suburbanisierung oder Gentrifizierung: Ich rechne mit Verdrängungseffekten. Es werden in absehbarer Zeit Menschen bewusst in das Umland ziehen, weil sie sich die hohen Mieten im Stadtzentrum nicht mehr leisten können oder wollen.“

Dresden habe im Gegensatz zum dicht besiedelten Ruhrgebiet in der näheren Region noch Potenziale für Wohnsiedlungen, so Beyerle. „Die Phase des Nachdenkens beginnt oft in dem Moment, in dem die Menschen Kinder bekommen und sich eigene vier Wände leisten wollen.“ Das sei angesichts der Preisentwicklung in Dresden kaum noch möglich, in der Region aber würden sich schon Möglichkeiten bieten. Je mehr Zeiteinheiten von der Großstadt entfernt, um so niedriger die Kauf- und Mietpreise, erklärt Beyerle das Prinzip des Marktes. „Infrastrukturell wird eine funktionierende ÖPNV-Struktur immer wichtiger bei der Wohnortwahl.“

München ist am teuersten

Görlitz ist laut dem Catella-Preisranking die günstigste Stadt Deutschlands. 102 Städte haben die Analysten des Immobilienexperten untersucht, Dresden landete dabei im Mittelfeld: Auf Platz 58 bei den Quadratmeterpreisen und auf dem 51. Rang bei den Mieten. Auf Platz 102 steht in beiden Kategorien München, wo der Quadratmeter 7674 Euro kostet oder für 18,90 Euro Monatsmiete zu haben ist.

Die Catella-Studie gibt Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) recht, der fordert, im Verkehrsverbund Oberelbe S-Bahn-Verkehre in Regionen wie Kamenz, Bischofswerda oder Riesa-Großenhain einzurichten. In Orten, in die die Bahn nicht fährt, sollten Plus-Bus-Verkehre mit hoher Taktfrequenz etabliert werden, so Hilbert.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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