Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Ein gigantischer Bau, den keiner sieht
Dresden Lokales Ein gigantischer Bau, den keiner sieht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:01 30.05.2018
Das schuppenähnliche Gebilde schützt Fahrlleitungen, Gleise und Straßenbahnen. Quelle: Anja Schneider
Anzeige
Dresden

 Wieviele Legosteine er verbaut hat, kann Bauleiter Ferndando Llusia De Castro nicht sagen. „Aber die Steine haben ungefähr 200 Euro gekostet.“ Einen Monat lang hat er nach Feierabend in seiner Wohnung in Löbtau gesessen. Und mit den bunten Steinen das nachgebaut, was in den kommenden Jahren unter dem Rathenauplatz entstehen wird. Helfer hatte De Castro nicht, er hat noch keine Kinder.

Bauleiter Fernando Llusiá De Castro hat mit Legosteinen das unterirdische Bauwerk nachgebaut. Quelle: Anja Schneider

Das Lego-Kunstwerk des Ingenieurs von der Ferieninsel Teneriffa sieht harmlos aus. Im richtigen Leben wird es deutlich schwieriger. Noch sind die Bauleute unter dem Kommando von De Castro dabei, die Baustelle einzurichten. „Auf unserer Insel ist die Bauwirtschaft in der Krise“, sagt der junge Mann. „Deshalb bin ich nach dem Studium nach Deutschland gegangen.“

„Wir werden die Eingriffe so gering wie möglich halten“

Jetzt setzt der Fachmann einen Meilenstein. Er errichtet ein Bauwerk, das Maßstäbe setzt. Das wird aber im Verborgenen bleiben. Der 3,5 Millionen Euro teure Neubau für die Stadtentwässerung Dresden (SEDD) entsteht unter der Erde. Genau dort, wo jetzt noch die Autos auf zwei Spuren in Richtung Altstadt über die St. Petersburger Straße rollen.

Das klingt nach komplizierten Abläufe und tatsächlich sind die Umstände auch kompliziert. Unter einer der wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt wird gebaut, die Fahrbahn muss über die bisher grünen Mittelinseln verlegt werden. „Wir werden die Eingriffe so gering wie möglich halten“, verspricht SEDD-Geschäftsführer Ralf Strothteicher. Von 9 bis 15 Uhr wird gegenwärtig eine der beiden Fahrspuren Richtung Altstadt gesperrt, im Berufsverkehr sind beide frei.

Ab Juli gilt die neue Verkehrsführung, Linksabbiegen in die Pillnitzer Straße geht dann nicht mehr. Die Autofahrer müssen einen Umweg über Hasenberg, Terrassenufer und Steinstraße fahren. Bis es soweit ist, müssen Leitungen umverlegt und Kanäle verstärkt werden. Über die Straßenbahngleise und Fahrleitungen haben die Bauarbeiter eine Art großen Schuppen errichtet. „Er soll die Infrastruktur vor Baumaterial schützen, das vom Kran fallen könnte“, erläutert Strothteicher den Zweck der Überdachung.

Kunst am Bau: Sprayer haben den Bauzaun am zentralen Ort in der Innenstadt gestaltet und für einen Hingucker gesorgt. Quelle: Anja Schneider

Wofür der ganze Aufwand? Simpel gesprochen: für eine saubere Elbe. Das alte Wehr ist ein Meter hoch. Regnet es heftig und der Wasserstand im Kanal steigt, fließt die Mischung aus Schmutz- und Regenwasser ab einem Pegel von einem Meter in die Elbe. Jetzt soll das Wehr auf 2,50 Meter erhöht werden. Hinzu kommen 4000 bis 4500 Kubikmeter Stauraum.

Die Einleitung von ungeklärtem Mischwasser in die Elbe wird reduziert. Und selbst, wenn der Inhalt der Kanäle „abgeschlagen“ werden muss, kommt er nicht völlig ungereinigt in den Fluss. Drei Rechen werden installiert und filtern grobe Stoffe heraus, so Strothteicher.

17 Meter lang und acht Meter breit ist das Bauwerk dimensioniert, erläutert Planer Hartmut Schiller. „Das Anspruchsvollste an der Baustelle ist die Logistik“, ergänzt Andreas Reck, Geschäftsführer der Heinz Lange Bauunternehmen GmbH. Bauen unmittelbar im Kreuzungsbereich heißt: Wenig Platz für große Geräte und viel Material.

Im Februar 2020 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Die Verlegung der Fahrbahn der St. Petersburger Straße wird etwa ein Jahr andauern. Besser wird die Situation auf der Nord-Süd-Achse danach auch nicht unbedingt: Die Stadt will ab 2019 die Carolabrücke sanieren.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lokales Dresden und Umgebung - Blick in fremde Gärten

Am Sonntag, dem 3. Juni, öffnen Besitzer von rund 30 privaten Gärten in und um Dresden wieder die Pforten zu ihren grünen und blühenden Refugien. Zum Teil wird auch Programm geboten. Im Garten der (Ge-)-Lüste in Bühlau zum Beispiel gibt es eine kleine Gießkannen-Schau.

29.05.2018

Seit nunmehr zehn Jahren treffen sich junge und alte Menschen im Mehrgenerationenhaus von Dresden-Friedrichstadt, um sich auszutauschen und kreativ zusammen zu arbeiten. Anlass genug für den Verein, bunt zu feiern.

29.05.2018

Laurenz Domschke lebt seinen Traum. Der 22 Jahre alte Dresdner ist Wrestler. Und er will berühmt werden, richtig berühmt in der Szene in England und Japan. Seit seinem Abitur an der Dresdner Waldorfschule richtet er sein ganzes Leben auf diesen Traum hin aus

29.05.2018
Anzeige