Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Ein Leben für Sachsens Parks und Gärten
Dresden Lokales Ein Leben für Sachsens Parks und Gärten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:31 23.05.2018
Rudolf Schröder im Botanischen Garten Dresden. Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine einheimische Pflanze gibt, die er nicht kennt“, sagt Wolfgang Friebel, ehemaliger Gartenmeister von Pillnitz, anerkennend über Rudolf Schröder.

Enormes Wissen, vielfältiges ehrenamtliches Engagement

Er war Gärtner in der Jugendgärtnerei, dann im Botanischen Garten Dresden, wurde Lehrmeister und wechselte dann als Berufsschullehrer an die Dresdner Gartenbauschule. Bis zur Rente prägte er 23 Jahre lang als Technischer Leiter das Profil des Botanischen Garten Dresden mit. Was ihn besonders auszeichnet, ist nicht nur sein enormes botanisches und gartenhistorisches Wissen, sondern auch sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement.

„Kollegialer Mensch, ohne sein Wissen in den Vordergrund zu rücken“

Rudolf Schröder ist auf vielen Gebieten aktiv: Sächsischer Heimatschutz, Gartendenkmalpflege, Parkseminare und vieles mehr. „Und das Wichtigste: Er ist immer ein kollegialer Mensch, ohne sein Wissen in den Vordergrund zu rücken“, so Kollegen über ihn.

Orden und Auszeichnungen

Rudolf Schröder wurde mit dem Sächsischen Verdienstorden geehrt, vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz mit der Silbernen Halbkugel ausgezeichnet und bekam den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur. Am 25. Mai wird der gebürtige Dresdner 85 Jahre alt.

Kolloquium ihm zu Ehren

Ihm zu Ehren veranstaltet der Freundeskreis des Botanischen Gartens Dresden einen Tag später im Drude-Bau der Technischen Universität ein Kolloquium. Und das ist wirklich etwas Besonderes.

Auf der Suche nach Rekordbäumen

Die Veranstaltung beschäftigt sich mit dem, was Rudolf Schröder ganz besonders am Herzen liegt – der botanischen Artenvielfalt und dem Erhalt von Gehölzen. Als Mitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft ist er schon seit Jahren in Sachsen auf der Suche nach außergewöhnlichen Gehölzen – sogenannten Champion Trees.

Schröder meldete schon über 2000 Champion Trees ans Register

Denn nur was man kennt, kann man schützen. „Als Rekord-Baum bezeichnen wir grundsätzlich den jeweils stärksten Baum einer Art oder Hybride“, erklärt Schröder. Er hat schon über 2000 Rekordbäume aus Sachsen ans zentrale Register gemeldet. „300 weitere sind in Vorbereitung.“

Einer dieser Rekordbäume ist die Sicheltanne im Botanischen Garten Dresden. „Die Unterart, die hier wächst, ist in China beheimatet. Wir haben den Baum aus Samen gezogen“, nimmt Schröder Bezug auf seine berufliche Tätigkeit als Technischer Leiter des Botanischen Gartens.

Großer Anteil an Vielfalt im Botanischen Garten

Er sah seine Arbeit nicht nur darin, technisch-organisatorisch zu wirken, sondern sich auch mit seinem botanischen Wissen einzubringen. Sein Traumjob, wie er uns erzählt. „Gemessen an der Fläche des Botanischen Gartens ist die Arten- und Sortenvielfalt mit 1270 verschiedenen Bäumen und Sträuchern sehr groß“, sagt Schröder stolz. Denn an dieser Vielfalt habe er einen großen Anteil.

Unglaubliche Leistung: Erfassung von Sachsens Gärten und Parks

Eine unglaubliche ehrenamtliche Leistung des heute 85-Jährigen ist die Erfassung von Sachsens historischen Gärten und Parks. 824 kleine und große parkartige Grünanlagen hat Rudolf Schröder mit seiner Frau aufgespürt und dokumentiert. Eine wertvolle Grundlage für die Erhaltung der Parks.

Initiator der Parkseminare im Dresdner Raum

Zudem gilt Rudolf Schröder als Initiator der Parkseminare im Raum Dresden. Dabei handelt es sich um meist dreitägige Veranstaltungen, die am Wochenende stattfinden. Die Teilnehmer werden in Vorträgen über die Geschichte und die gestalterischen sowie botanischen Besonderheiten aufgeklärt. Außerdem finden in Abstimmung mit Naturschutz und Denkmalpflege Arbeitseinsätze zur Wiederherstellung der jeweiligen Anlage statt.

Rhododendronpark Kromlau mit der berühmten und viel fotografierten Rakotzbrücke. Quelle: Catrin Steinbach

„Im Barockgarten Zabeltitz zum Beispiel haben wir damals beim Parkseminar die große Sichtachse wieder freigelegt, alte Linden in Form geschnitten, Wege korrigiert und zum Teil neu angelegt.“

Bislang fanden 26 ehrenamtlich organisierte Parkseminare statt

Die Idee, auf diese Weise Garteninteressierte zu mobilisieren, um Parks vor dem Untergang zu bewahren, hatte ursprünglich Hermann Schüttauf Anfang der 1960er Jahre in Weimar. Unter der fachlichen Anleitung bzw. Mitwirkung von Rudolf Schröder fanden in ganz Sachsen von 1979 bis heute 26 dieser ehrenamtlich organisierten und durchgeführten Parkseminare statt.

Initialzündung für weitere Aktivitäten

Sie waren und sind oft Initialzündung dafür, dass in den Parks kontinuierlich etwas getan wird. Ein Beispiel dafür ist der Rhododendronpark in Kromlau. Seit 2003 treffen sich jetzt dort alljährlich um die 100 Freiwillige – Mitglieder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Vertreter der Gemeinde und Einwohner aus der Umgebung sowie Vertreter von Unternehmen – zum Arbeitseinsatz. Ohne diese Helfer wäre der Erhalt der 142 Hektar großen Anlage nicht möglich, so Rudolf Schröder.

Statt Geburtstagsgeschenke Spenden für Garten in Bad Schandau

Zu seinem 85. Geburtstag hat er sich statt Geschenke Spenden für den Botanischen Garten in Bad Schandau gewünscht. „Wir, die Arbeitsgruppe Botanischer Garten des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V., wollen im Botanischen Garten die Eingangssituation wesentlich verbessern. Obwohl eine Reihe von Arbeiten in ehrenamtlicher Arbeit erledigt werden, haben wir auch Material- und Maschineneinsatzkosten, die abgedeckt werden müssen.“

„Den Botanischen Garten dort haben wir gerettet“, erzählt Schröder. Mit „wir“ meint er viele fleißige ehrenamtliche Helfer des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz und den Landschaftsarchitektur-Studenten Frank Rögner.

Noch heute regelmäßig Arbeitseinsätze

Denn als der damalige Gartenmeister gerade zur Wendezeit in Rente ging und seine Mitarbeiterin verstarb, wurde versäumt, deren Stellen neu zu besetzen. Eine Arbeitsgruppe organisierte Arbeitseinsätze und engagierte sich bei der Stadt dafür, dass wieder zwei Gärtnerstellen (36 Stunden und 20 Stunden) finanziert werden. Weil das für den Erhalt des Gartens nicht ausreicht, blasen die ehrenamtlichen Helfer regelmäßig zum Arbeitseinsatz.

Von Catrin Steinbach

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Spaziergänger im Schlosspark von Pillnitz schauen in diesen Tagen verdutzt, denn die sonst mit bunten Blumen bepflanzten Beete sind kahl. Und das seit Tagen. Der Gartenmeister erklärt den Grund.

22.05.2018
Lokales Dresden wählt das Zukunftsprojekt - Lebensmittel vor der Tonne bewahren

Dresden hat das Zukunftsprojekt gesucht und gefunden. Lebensmittel sollen vor der Tonne bewahrt werden. Leckere Mahlzeiten statt Müll lautet die Devise der Initiatoren, die jetzt auf eine Vollfinanzierung ihres Vorhabens bauen können.

22.05.2018
Lokales Konstant hohe Geburtenzahlen - Fleur ist das 1000. Baby am Uniklinikum

Die Geburtenzahlen am Dresdner Uniklinikum bleiben auf Rekordkurs: Am Pfingstmontag erblickte dort das 1000. Baby in diesem Jahr das Licht der Welt. Das Mädchen heißt Fleur Sabine Anna Line.

22.05.2018
Anzeige