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Lokales Ein Dresdner Oberkommissar bildet seit 2015 tunesische Grenzschützer aus
Dresden Lokales Ein Dresdner Oberkommissar bildet seit 2015 tunesische Grenzschützer aus
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12:29 27.10.2017
Oberkommissar Mathias Langer (47) aus Dresden Quelle: Anja Schneider
Dresden

„Am 5. November geht es wieder nach Oued Zarga“, sagt Mathias Langer. Dieser Auslandseinsatz wird sein vierzehnter in Tunesien sein. Der Oberkommissar aus Dresden reist seit zwei Jahren regelmäßig in das nordafrikanische Land, um vor Ort die tunesische Nationalgarde auszubilden. Diese ist mit dem Grenzschutz beauftragt.

2015 kamen bei mehreren Anschlägen in Tunesien Dutzende Touristen ums Leben. Die innere Sicherheit war instabil. An den durchlässigen Grenzen zu Algerien und zum Bürgerkriegsland Libyen florierte der Schmuggel. Daher vereinbarten Bundesinnenminister Thomas de Maizière und sein tunesischer Amtskollege Hédi Mejdoub 2015 ein bilaterales Grenzprojekt. Es sieht eine intensivere Zusammenarbeit zwischen der Bundespolizei und den tunesischen Behörden für Grenzschutz vor.

Zu Beginn des Programms wurden Delegierte der tunesischen Nationalgarde in die Bundespolizeiabteilung in Bad Düben eingeladen. „Man ist sehr offen und kollegial miteinander umgegangen“, erinnert sich Langer. Der 47-Jährige und seine Mitarbeiter erklärten den Gästen den Aufbau ihrer Abteilung. Ähnliche Strukturen sollen im Laufe des Projekts, das bis 2020 läuft, in Tunesien umgesetzt werden.

Die Bundespolizei bildet seit 2015 tunesische Grenzschützer aus. Unter den beauftragten Polizisten ist auch der Dresdner Oberkommissar Mathias Langer. Der 47-Jährige reist im November erneut in das Land am Mittelmeer

Anschließend verschafften sich die Bundespolizisten einen Eindruck der Lage vor Ort, um im Dezember 2015 mit der Ausbildung von Angehörigen der tunesischen Nationalgarde zu beginnen.

Mathias Langer und seine vier Kollegen der Bundespolizei werden bei ihren Auslandseinsätzen im Norden Tunesiens eingesetzt. Der Ort Oued Zarga, in dem die genutzte Kommandoschule steht, zählt 5000 Einwohner.

Während ein deutscher Grenzschützer zweieinhalb Jahre ausgebildet wird, dauert die tunesische Grenzschutzausbildung nur neun Monate und stützt sich hauptsächlich auf theoretischen Unterricht. Praxisbezogene Übungen sind nun ein Teil der Ausbildung durch die Bundespolizei.

Die Sprachbarriere wird mithilfe von Dolmetschern durchbrochen. Die studierten Germanisten aus Tunesien übersetzen aus dem Arabischen ins Deutsche und umgekehrt.

„Wir haben die Aufgabe, Grenzschützer zu schulen. Dabei geht es speziell um das Bewegen im Gelände: Wir erklären den tunesischen Kollegen, wie sie sich beispielsweise beim Annähern an bewaffnete Schmuggler verhalten sollten. Den Auszubildenden wird auch beigebracht, individuelle Aufgaben im Team zu übernehmen und sich dadurch einen gewissen Teamspirit anzueignen“, erläutert Langer, der auch in Deutschland als Polizeitrainer tätig ist. „Einsatzmittel wie Autos, Wärmebildkameras und Doppelfernrohre werden nach Tunesien geliefert. Doch um nachhaltig Sicherheit zu gewährleisten, muss den tunesischen Grenzschützern auch der Umgang mit dem Material beigebracht werden. Dafür sind wir zuständig.“

Nachhaltigkeit ist bei dem Projekt ein wichtiges Stichwort. Langfristig soll in Tunesien auch durch die Hilfe der Bundespolizei ein Beitrag zur Sicherheit geleistet werden, insbesondere zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus, der illegalen Migration und der organisierten Kriminalität. „Gerade an der algerischen Grenze häuft sich der Schmuggel von Diesel und Elektronik,“ erklärt Langer.

Die Tunesische Republik hat noch immer mit den Folgen des Arabischen Frühlings 2010 und 2011 zu kämpfen. Seitdem gibt es in dem Land mit rund 11,3 Millionen Einwohnern zwar demokratische Strukturen und freie Wahlen. „In einer so jungen Demokratie kommt es jedoch schnell zu politischen Reibereien und Demonstrationen. Beruhigen wird sich die Lage, wenn die Sicherheit gewährleistet ist“, meint Langer und unterstreicht die Relevanz der Polizeiarbeit: „Wenn wir die Nationalgarde unterstützen und bis ins letzte Glied zeigen, dass wir uns kümmern und präsent sind, motiviert das die tunesischen Grenzschützer bei ihrer Ausbildung.“

Auch die Seesicherheit und somit der Schutz der Seegrenze im Mittelmeer fließt in die Ausbildung der tunesischen Grenzschützer ein. Die „Bundespolizei See“ der Direktion Bad Bramstedt übernimmt diesen Teilbereich.

Von dem bilateralen Projekt, das den Staat jährlich rund sechs Millionen Euro kostet, profitiert nicht nur Tunesien. Auch die Bundespolizei kann Vorteile aus dem Ausbildungsprozess ziehen: „Wir blicken über den Tellerrand und sammeln internationale Erfahrung, die uns in Deutschland nützen kann“, sagt Langer. Johannes Parzer, Leiter des Bundespolizeibüros in Tunis, erklärt, dass zudem durch besseren Grenzschuss mögliche Gefährder früher ins Visier genommen werden können: „Personen, die man hier in Tunesien erkennt und entsprechend behandelt, stellen dann auch kein Problem mehr für Deutschland dar.“ Dennoch sei das Projekt nicht in die Wege geleitet worden, um die deutsche oder europäische Grenze zu verteidigen.

Bislang wurden insgesamt 700 Personen durch die Bundespolizei in Tunesien ausgebildet – auch im brütend heißen Sommer. „An manchen Tagen absolvieren wir zwölf Kilometer Fußmarsch bei 46 Grad Celsius. Natürlich kommt man da auch an die körperlichen Grenzen“, erzählt Mathias Langer.

Dem Oberkommissar ist bewusst, dass sich die Situation in Tunesien nicht schlagartig ändern wird: „Das ist ein ständiger Prozess und wird noch Jahre andauern. Die Bundespolizei leistet ihren Beitrag dazu.“

Von Junes Semmoudi

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