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Lokales Ehrung für Dresdnerin: Barbara Krellner erhält Annen-Medaille
Dresden Lokales Ehrung für Dresdnerin: Barbara Krellner erhält Annen-Medaille
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17:20 20.11.2017
Preisträgerin der Annen-Medaille Barbara Krellner vor der Kreuzkirche Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Kurz vor 10 Uhr in der Kreuzstraße. Eine zierliche, kleine Frau mit hellblauer Funktionsjacke schließt ihr Mountainbike an die Fahrradständer an. Gegenüber vor dem Café „aha“ begrüßen wir uns. Es ist zwar angenehm-graue 8 Grad frisch, aber für das Foto legt die jung gebliebene 74-Jährige gern ihre farbenfrohe Jacke ab. „Nur kurz? Gar kein Problem“, sagt sie lächelnd.

Die 74-Jährige heißt Barbara Krellner. Eine Frau, die ihr Leben lang ehrenamtlich aktiv war. Nun wurde sie für ihre ehrenamtliche Arbeit beim Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) mit der Annen-Medaille ausgezeichnet.

Bereits in den 90er Jahren erfuhr sie von der Arbeit des DKSB und seinem Kinder- und Jugendtelefon. Die telefonische Beratung verläuft absolut anonym. Die Anrufer können aus dem gesamten Bundesgebiet sein: „Das ist natürlich schwierig, wenn man weiß, dass das Gespräch einmalig bleibt.“ Nach einiger Zeit wurde die Hotline gebührenfrei, seitdem klingelte das Telefon ununterbrochen. Dadurch änderte sich auch die Arbeit: Die Anrufer wurden aggressiver. Viele versuchten über das Telefon Frust abzubauen: „Das war dann nichts mehr für mich. Aussagen wie ’Du bist ’ne Pampe’ waren noch harmlos. Moral kannst Du in solchen Momenten telefonisch nicht vermitteln.“ Barbara Krellner orientierte sich dann an der Arbeit im Vorstand des DKSB.

Annen-Medaille

Die Annen-Medaille wurde im Jahr 1995 von der sächsischen Staatsregierung zum Andenken an die Kurfürstin „Anna von Sachsen“ (1532-1585) gestiftet. Jährlich können bis zu 20 sächsische Bürger, die mindestens fünf Jahre in der Sozial- oder Familienarbeit ehrenamtlich aktiv waren, die Auszeichnung erhalten.

Die Medaille ist aus Meißner Porzellan. Auf der Vorderseite sind neben dem Abbild der Kurfürstin die Worte „Helfen Pflegen Fördern“ zu sehen. Auf der Rückseite steht „Miteinander Leben Füreinander Da Sein“ mit zwei helfenden Händen.

Besonders lag ihr am Herzen, ihre Erfahrungen dem Vorstand nahe zu bringen: „In Johannstadt gibt es 80% Migrantenkinder. Als ich eine Erzieherin hörte, wie sie zu einem acht Jahre alten Kind sagte: ’Wenn Du meine Sprache nicht sprichst, kann ich Dich auch nicht verstehen’ wusste ich, ich musste etwas tun!" Nach dieser Erfahrung machte sich die gelernte Kinderdiakonin stark für Lernpatenschaften benachteiligter Kinder. Insgesamt hat Barbara Krellner 54 Kinder betreut und geprägt. Derzeit betreut sie drei Kinder im Rahmen der Lernpatenschaft. Sie unterstützt bei Hausaufgaben oder hört einfach zu: „Was nötig ist, muss getan werden. Du musst für deinen Nächsten auch da sein. Geld spielt da keine Rolle.“

Das Verhalten der Kinder spiegelt sich ihrer Ansicht nach in dem Verhalten der Erwachsenen, insbesondere dem der Eltern, wider: „Wenn es den Eltern gut geht, dann geht es den Kindern automatisch gut. Ich fand es immer faszinierend zu sehen, dass die Eltern am Telefon die gleichen Probleme äußerten wie die Kinder.“

Barbara Krellner stammt aus einem gutbürgerlichen Elternhaus in Dresden-Trachau. Im Anschluss an die Schulzeit machte sie eine Ausbildung zur Kinderdiakonin. Dort sammelte sie dann erste prägende Erfahrungen über den gesellschaftlichen Umgang mit behinderten Kindern: „Behinderte wurden damals nicht als Teil der Gesellschaft angesehen. Der Kontakt zu behinderten Menschen war auch für mich etwas Neues. Doch ich litt sehr unter der Art und Weise, wie sie die Kinder behandelten.“ Sie erinnert sich: „Die lebten so für sich. Früher wurden die Kinder sogar noch ans Bett gebunden. Als junger Mensch hat mich das sehr bewegt. Ich habe mir immer gedacht: Da muss man doch was machen. Das hat in mir innerlich viel verändert.“

Selbst etwas verändern konnte die in den 70er Jahren ausgebildete Erzieherin, als sie die Direktion eines Kindergartens in Dresden-Johannstadt übernahm. Das ging von einem Tag auf den anderen: Die ehemalige Leiterin war schwer krank und es gab keinen Nachfolger; wäre Barbara Krellner nicht gewesen, hätte der Kindergarten keine Zukunft gehabt. Ihr ging es um die Akzeptanz und Einbeziehung von behinderten Kindern in die Gesellschaft. Als Leiterin konnte sie selbst entscheiden, welches Kind in den Kindergarten aufgenommen wurde: „Ich dachte mir immer, uns stehe es gar nicht zu, zu sagen, der ist behindert und der nicht. Für mich hatte jedes Kind ein Anrecht auf einen Platz im Kindergarten.“

Ursprünglich wollte Barbara Krellner eine Ausbildung zur Krankenschwester machen, doch bereut hat sie ihre Entscheidung nie. Im Gegenteil, sie sei sehr glücklich über diese Wendung: „Ich wollte selbstständig arbeiten. Die Arbeit mit Kindern hat mich absolut erfüllt.“ Ihre Mutter war ihr großes Vorbild: „Sie hatte immer einen stringenten Weg. Sie blieb sich immer treu, und kämpfte für ihre Sache. Das hat mich sehr geprägt“, erinnert sie sich. Sie sei mit ihrem Lebensweg sehr zufrieden, doch wahres Glück erfahre die engagierte Rentnerin erst, wenn sie merkt, dass sie Menschen, die sie liebt erreicht: „Wenn mein Enkelkind, der Autist ist, sagt: Oma, das war schön. Das ist mein Sonnenschein.“

Die rüstige Frau steigt auf ihr Fahrrad. Sie fährt weiter zum Joggen. Zweimal die Woche zieht sie das durch.

Von Nora Bach-Sliwinski

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