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Lokales Ehrenamtliche geben in der Versöhnungskirche Sprachkurse für Asylsuchende
Dresden Lokales Ehrenamtliche geben in der Versöhnungskirche Sprachkurse für Asylsuchende
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13:49 31.08.2016
Seit Juni 2014 findet in der Versöhnungskirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Blasewitz ein Sprachkurs für Flüchtlinge statt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

 „Die Pflau-me ist blau“. Helga Goltz betont jede Silbe ganz genau. Noch wird sie nicht verstanden. Also zeigt sie auf eine Pflaume, die sie mitgebracht hat. Jetzt macht es klick. Ihre Schüler haben begriffen, was der Satz bedeutet. Beim Nachsprechen haben sie aber noch Probleme. Das ist auch verständlich, denn Helga Goltz unterrichtet ehrenamtlich Asylsuchende.

Seit Juni 2014 findet in der Versöhnungskirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Blasewitz ein Sprachkurs für Flüchtlinge statt. Zweimal pro Woche, dienstags und donnerstags, treffen sich die Teilnehmer, um für anderthalb Stunden gemeinsam die Grundlagen der deutschen Sprache zu erlernen. Besonders Syrer, aber auch Afghanen, Iraker und Iraner erscheinen. Diese Vielfalt stellt die ehrenamtlichen Lehrer vor eine Herausforderung. So gibt es nämlich niemanden, der einheitlich für alle Teilnehmer übersetzen kann, wenn einige nicht verstehen, was auf Deutsch gesagt wurde. Das wird deutlich, als ein persisch sprechender Mann erklärt, was mit dem Wort „Winter“ gemeint ist. Die Afghanen, die mit Helga Goltz am Tisch sitzen, können ihn nicht verstehen. Die 79-Jährige ist sich deshalb sicher: „Es ist sehr wichtig, viel zu zeichnen.“ Ihr kommt dabei zu Gute, dass sie ehemalige Grundschullehrerin ist und gut malen kann. Sie orientiere sich beim Aufbau ihres Unterrichts unter anderem an ihren Erfahrungen mit Grundschulkindern und weiß: „Auch das permanente Wiederholen von bereits Gelerntem ist sehr wichtig.“

Seit Juni 2014 findet in der Versöhnungskirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Blasewitz ein Sprachkurs für Flüchtlinge statt. Zweimal pro Woche, dienstags und donnerstags, treffen sich die Teilnehmer, um für anderthalb Stunden gemeinsam die Grundlagen der deutschen Sprache zu erlernen. Besonders Syrer, aber auch Afghanen, Iraker und Iraner erscheinen.

Allerdings war nicht jeder der insgesamt 23 Helfer an Grundschulen aktiv. Einige lehrten beispielsweise auch an Gymnasien. Beim Unterricht merkt man das auch teilweise. Eine ehemalige Gymnasiallehrerin stellt die verschiedenen Jahreszeiten vor. Sie umschreibt dabei öfter, zeichnet aber wenig. Deshalb hat man das Gefühl, dass viele der Anwesenden dieses Thema nicht verstanden haben.

 Die Vermittlung der deutschen Sprache ist sehr anspruchsvoll. Das merkt auch der Autor, als er während einer Gruppenarbeit einem Afghanen den Satz „Er muss mit dem Bus fahren“ erklären möchte. Allein das Nachsprechen fällt ihm extrem schwer. Dazu kommt, dass es im Raum sehr laut ist. Verständlich, denn rund 20 Asylsuchende sitzen im Zimmer. Sie werden jeweils in Vierer- oder Fünfergruppen unterrichtet. „Der hohe Lärmpegel macht es zusätzlich schwer, den Flüchtlingen etwas beizubringen“, berichtet Helga Goltz. Auch deswegen sei sie nach den Stunden immer „völlig erledigt“, sagt sie. Das dürfte vermutlich nicht nur ihr so gehen, denn die meisten Ehrenamtlichen sind im Rentenalter.

Helga Goltz macht seit einem Jahr beim Projekt mit. „Mich ärgert, dass seitdem keine Politiker gekommen sind, um sich den Unterricht anzuschauen“, meint sie. Sie wünscht sich, dass öfter über ehrenamtliche Aktionen in Dresden berichtet wird.

 Was sie freut, ist der Wille der Teilnehmer, Fortschritte zu machen. So hat sie unter anderem ein Ehepaar unterrichtet, das ihr Mann und sie in der Zwischenzeit manchmal besuchen. Bei diesen Leuten habe man gemerkt, dass sie die deutsche Sprache wirklich lernen und sich integrieren wollen. Sybille Grunert, eine andere Lehrerin, bestätigt das: „Alle, die diesen Kurs besuchen, sind sehr motiviert.“ Frauen sieht man hier, abgesehen von den Helferinnen, beinahe keine. Helga Goltz erklärt, dass sie oft zuhause blieben, um auf die Kinder aufzupassen. Vor allem junge Männer kämen zum Unterricht – allerdings nicht immer regelmäßig und auch nicht in schlechter Absicht: „Viele Asylsuchende können gar nicht regelmäßig erscheinen, weil sie beispielsweise auf das Sozialamt müssen.“ Auch ein junger Afghane kommt an diesem Tag erst 20 Minuten vor Schluss. Ihm gibt Helga Goltz den Unterrichtsstoff als Hausaufgabe. Er nickt und lächelt.

Das sind die Dinge, die die Rentnerin motivieren, immer weiterzumachen. „Die Teilnehmer sind sehr nett und bringen mir eine hohe Wertschätzung entgegen.“ Sie freue sich immer, wenn die Flüchtlinge lächeln, wenn sie kommt, und „über die netten Verabschiedungen“.

Auch jetzt bekommt die alte Dame ein Lächeln und ein Wort des Dankes geschenkt – die mitgebrachten Pflaumen hat sie nämlich an ihre Schüler verteilt. Vielleicht wissen die Flüchtlinge dann beim nächsten Mal sofort, was eine Pflaume ist und welche Farbe sie hat.

Von Richard Gänzle

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