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Ehrenamtliche Helfer ermöglichen Seelager des Pestalozzigymnasiums

Schule mit Seeblick Ehrenamtliche Helfer ermöglichen Seelager des Pestalozzigymnasiums

Das Pestalozziygmnasium Dresden verfügt über ein Schullandheim in Altenkirchen auf Rügen. Der Grundstein für dieses Kleinod wurde Anfang der 1950er Jahre gelegt, als mehreren Dresdner Schulen ein Stück Land auf Rügen zur Verfügung gestellt wurde. „Wir leben von freiwilligem Engagement, Selbstausbeutung und Verantwortungsgefühl.“

Knüppelkuchenbacken am Lagerfeuer im Seelager Altenkirchen. Sozialkompetenz wird hier gelernt und gelebt.
 

Quelle: Privat

Dresden. „Wir existieren aus uns selbst heraus“, sagt Bernd Mönch, „wir leben von freiwilligem Engagement, Selbstausbeutung und Verantwortungsgefühl.“ Von öffentlichen Mitteln dagegen nicht. „Wir haben seit der Wende nullkommanull Cent Fördermittel erhalten.“ Obwohl seine Mitstreiter und er es durchaus versucht haben. „Aber da kam nichts.“

Mönch und seine Mitstreiter haben es trotzdem geschafft: Das Pestalozziygmnasium Dresden verfügt über ein Schullandheim in Altenkirchen auf Rügen. Der Grundstein für dieses Kleinod wurde Anfang der 1950er Jahre gelegt, als mehreren Dresdner Schulen ein Stück Land auf Rügen zur Verfügung gestellt wurde. Die ersten Generationen von EOS-Schülern (Erweiterte Oberschule) übernachteten noch in Zelten, später bauten Schüler und Lehrer Baracken auf das wenige Meter vom Strand entfernte Gelände.

Das „Seelager Altenkirchen“ war eine Instanz der EOS Pestalozzi, ehemalige Schüler bekommen noch heute feuchte Augen, wenn sie an drei Wochen Ostseeurlaub denken. Es kam die Wende, es stellten sich nach 1990 viele Fragen: Wem gehört der Grund und Boden? Wer soll das Lager übernehmen, wenn es denn fortbestehen soll?

Das Schulamt winkte ab – nein, ein Seelager sei außerschulische Aktivität. „Also haben wir einen Verein gegründet“, erklärt Mönch. „Wir“ meint einige Enthusiasten, insbesondere ehemalige Pestalozzischüler. Es fanden sich Träumer, Visionäre und Idealisten um den früheren Schüler und heutigen Fördervereinsvorsitzenden Lutz Reichelt. Auch Mönch stieß dazu. Er absolvierte 1992/93 sein Referendariat am Pestalozzigymnasium, wurde sofort vom „Altenkirchen-Virus“ infiziert und ist seit vielen Jahren stellvertretender Vereinsvorsitzender.

Die Treuhandanstalt hatte inzwischen herausgefunden, dass das Grundstück mal einem Kloster gehört hat, das von Napoleon aufgelöst wurde. Als rechtmäßiger Eigentümer wurde Stralsund ermittelt. Die Bürgerschaft der Hansestadt räumte dem Dresdner Verein Ende der 1990er Jahre ein Erbpachtrecht für 30 Jahre ein.

Es war die Zeit, in der die Dresdner in alle Welt reisen konnten und das Mittelmeer mehr lockte als die Ostsee. „Wir hatten eine Durststrecke zu überstehen“, sagt Mönch, der all die Jahre zusammen mit Reichelt die Fäden in der Hand hielt. Und das, obwohl er längst nicht mehr am Pestalozzigymnasium unterrichtete, sondern am Sauerbruch-Gymnasium in Großröhrsdorf. Mönch und Mitstreiter leiten nicht nur – natürlich nur im übertragenen Sinn – ein Unternehmen mit mehreren 10 000 Euro Umsatz. Sie übernehmen auch Verantwortung für Kinder und Jugendliche. 32 Plätze stehen in den Baracken an der Ostsee zur Verfügung, mittlerweile ist fast jeder Durchgang ausgebucht.

285 Euro pro Person kosten elf Tage „all inclusive“ auf Rügen, Mönch und Mitstreiter müssen mit den Finanzen zirkeln. Die Kinder und Jugendlichen werden verpflegt, der Bus kostet, die Ausflüge auf der Insel. Die Plumpsklos aus DDR-Tagen wurden längst von einem Sanitärcontainer mit Dusche und WC ersetzt, die Investition stemmte der Verein allein.

Schüler von der fünften bis zur zehnten Klasse sind die „Zielgruppe“ des Landschulheimes, es können aber auf Wunsch auch ältere Jugendliche mitreisen. Sie müssten sich aber an die Spielregeln halten, und eine davon lautet: Kein Alkohol! „Wir leisten pädagogische Kärrnerarbeit und legen Wert auf Umgangsformen“,erklärt der engagierte Lehrer. So dürfe sich beispielsweise jeder bei der Köchin bedanken, wenn ihm das Essen geschmeckt habe.

Apropos Köchin: Im vergangenen Jahr brach sie sich den Fuß und war aus dem Rennen. „Das war spannend“, meint Mönch, „da mussten alle mitmachen.“ Was durchaus gelungen sei. In solchen Momenten sei er besonders deutlich zu erkennen – der „Geist von Altenkirchen“. Elf Tage gemeinsam an der See – das schweiße zusammen. Sozialkompetenz werde hier gelernt und gelebt.

Außerhalb der Ferien nutzen Mönch und seine Mitstreiter das Landschulheim für Schulprojekte. So läuft das Projekt „Freiheit und Verantwortung“ der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) für mehrere Schulen in Altenkirchen, SLpB-Direktor Frank Richter ist voll des Lobes für Mönch. „Sein persönliches Engagement ist überragend. Er kümmert sich um nahezu alles und setzt viel seiner Freizeit ein.“ Altenkirchen stifte Identität für das Pestalozzigymnasium. „Es handelt sich um ein außerschulisches Angebot par excellence.“ Die Landeszentrale profitiere bei ihren Projekten von der pädagogischen Expertise der Betreuer in Altenkirchen. „Eine Kooperation mit dem Schullandheim war naheliegend.“

In der Saison, sagt Mönch, schauen regelmäßig ehemalige Pestalozzischüler vorbei und überzeugen sich davon, dass Altenkirchen noch steht. Manchmal würden sie dann auch etwas spenden. Uwe Steimle hat im vergangenen Jahr zum 100-jährigen Bestehen des Pestalozzigymnasiums eine Benefizveranstaltung gegeben, eine Firma spendet regelmäßig für Altenkirchen, auch einige Eltern und Privatpersonen zeigen sich gelegentlich spendabel. „Das hilft rechnen. Aber es wäre schön, wenn wir noch Partner finden würden.“ Damit etwas, das Anfang der 1950er Jahre begann, noch lange fortbestehen kann.

Ansprechpartner: Lutz Reichelt (Fördervereinsvorsitzender) Tel.: 0172/2731295; E-Mail: pestalozzi.gymnasium@web.de; Internet: https://cms.sachsen.schule/pgd/altenkirchen/; Spendenkonto: Empfänger: Förderverein Pestalozzischule (Gymn.)Dresden, Kreditinstitut: Dresdner Volksbank Raiffeisenbank eG, BIC: GENODEF1DRS 00; IBAN: DE32 8509 0000 4819 9510 00

Von Thomas Baumann-Hartwig

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