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Lokales Ex-Regierungsoberrat täuscht Demenz vor und ergaunert 850 000 Euro
Dresden Lokales Ex-Regierungsoberrat täuscht Demenz vor und ergaunert 850 000 Euro
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11:31 07.08.2018
Die römische Göttin der Gerechtigkeit Justitia Quelle: dpa
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Dresden

Unfassbar, dreist, unverschämt, unglaubliche kriminelle Energie – es waren deutliche Worte, die am Montag im Amtsgericht fielen. Wegen Betruges und Urkundenfälschung musste sich das Ehepaar E. verantworten. Es hat sich die stolze Summe von rund 850 000 Euro ergaunert.

Dabei sehen die älteren Herrschaften gar nicht aus, wie man sich gemeinhin betrügerische Ganoven vorstellt: Dr. Irene E. ist 67 Jahre alt und Biologin, ihr Mann Peter E. ist 71 und Regierungsoberrat im Dienste der Freistaates Sachsen. Das heißt, seit 20 Jahren arbeitet er nicht mehr. Anfang 1998 wurde der Beamte wegen einer „Alzheimer-Demenz“ dienstunfähig geschrieben und in den in den Ruhestand versetzt. Er bekam dann Pflegestufe III zugesprochen und kassierte bis zum 31. Dezember 2017 rund 720 000 Euro an Versorgungsbezügen, Nachversicherungen, Übergangsgeld.

Eigentlich eine traurige Geschichte, nur hat der Mann die Erkrankung lediglich vorgespielt und Ärzte und Arbeitgeber getäuscht. Seine Frau half ihm bei dem bösen Spiel, indem sie entsprechende Angaben zu seinem Gesundheitszustand machte. Peter E. wurde mehrmals begutachtet, manche Ärzte bestätigten die Krankheit, andere verwarfen eine Demenz. So auch Gutachter Dr. Jan Lange von der Forensischen Psychiatrie der Uniklinik. „Herr E. hat die Krankheit jahrelang simuliert und sie wissentlich nach außen präsentiert, wenn es für ihn von Vorteil war. Würde er wirklich darunter leiden, säße er heute nicht so hier.“

Peter E. gab sich auch am Montag geistesabwesend und verwirrt – nur passt dies nicht zu seinem Lebensstil der letzten 20 Jahre. Er reiste mit seiner Frau um die ganze Welt, sie wanderten nach Paraguay aus und schrieben ein Buch darüber, das sie auf diversen Messen vorstellten. Er gab tadellose Interviews und absolvierte ohne Begleitung Transatlantikflüge mit Zwischenlandungen. Das alles, so Dr. Lange, hätte er bei einer wirklichen Alzheimer-Demenz nicht tun können.

Auch Irene E. präsentierte eine gesundheitliche Krise und drei „Wesen“ die sie bedrängen würden. Auch sie will sich an nichts erinnern können – nicht, wo sie promoviert und gearbeitet hat, auch nicht daran, ob sie Kinder hat (sie hat einen Sohn). Aber sie kann sich, wenn es eng wird, an viele Details erinnern.

Das Paar würde vielleicht noch heute gemütlich in Paraguay leben, wenn es nicht zu gierig geworden wäre. Beide stellten für über 100 000 Euro bei der Krankenkasse Rechnungen für Rezepte, die sie angeblich in Rumänien und Tschechien eingelöst und dort zunächst bar bezahlt hätten. Das fiel dann den Mitarbeitern auf, so kam die Sache ins Rollen. Ermittlungen ergaben, dass es die Apotheken gar nicht gab oder die Medikamente, die sie angeblich ausgegeben hätten, gar nicht führten. Das Paar hatte einfach die Rezepte gefälscht.

Das wären nicht sie gewesen, sondern Rudolf, ein Halbbruder ihres Mannes, der habe alles gemanagt und das Buch geschrieben, sagte Irene E. Nur konnte die Polizei weder im In- noch im Ausland einen Rudolf E. ausfindig machen. Die Angaben sind auch einfach unglaubwürdig. Alles war gut gespielt, doch gab es dafür keinen Bonuspunkt. Peter E. wurde zu vier Jahren, seine Frau zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Beide nahmen das Urteil sehr gelassen hin. Die Verteidiger kündigten Berufung an.

Von Monika Löffler

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