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Eg-Gü-Fabrik bisEnde nächster Woche abgerissen

Eg-Gü-Fabrik bisEnde nächster Woche abgerissen

In Striesen verschwindet in diesen Tagen ein Stück Geschichte. Schon Ende nächster Woche wird wohl kaum noch etwas daran erinnern, dass an der Augsburger Straße 1 jahrzehntelang Schuhcreme hergestellt wurde.

Von christoph stephan

Denn seit April lässt das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB) die ehemaligen Produktionsstätten der Firma Eg-Gü abreißen.

Gestern verfolgten zahlreiche Passanten, wie sich ein Bagger mit einem 80 Meter langen Greifer langsam durch die über 100 Jahre alte Gebäudesubstanz fraß, während zwei Nebelkanonen dafür sorgen sollten, die Staubentwicklung so gering wie möglich zu halten. Dennoch war der eigentlich nur ein paar Meter entfernte Eingang zum Uniklinikum hinter dicken Staubschwaden kaum auszumachen.

Anstelle der alten Eg-Gü-Fabrik, benannt nach ihrem Gründer Egbert Günther, soll ein Neubau für die medizinische Forschung entstehen. Das Medizinisch-Theoretische Zentrum II wird nach Angaben von SIB-Niederlassungsleiter Ulf Nickol rund 40 Millionen Euro kosten. Obwohl überhaupt nicht klar ist, ob das Land Sachsen diese Summe schon in den nächsten Doppelhaushalt 2013/2014 einstellt - andernfalls würden die Bauarbeiten nicht vor 2015 beginnen -, war Nickol zufolge ein zügiger Abriss der Eg-Gü-Produktionsstätten unvermeidlich. "Das Gebäude verfiel zusehends, große Teile drohten von oben herabzustürzen. Wir mussten schnell handeln, sonst hätten Passanten leicht Schaden nehmen können", betont er.

Hätte das SIB an den ursprünglichen Planungen festgehalten, wäre es nun richtig im Zugzwang. Denn eigentlich sollte das Eg-Gü-Gebäude erhalten und Teil des neuen Medizinisch-Theoretischen-Zentrums werden. Doch aus dieser Idee wurde nichts. "Wir stellten fest, dass die gesamten Wände mit Giften versetzt waren. In solch einer Umgebung kann man natürlich keine Reinraumlabore einrichten, deshalb kam eine Sanierung nicht in Frage", sagt Nickol.

Er rechnet am Ende der rund 500 000 Euro teuren Abrissarbeiten mit etwa 1000 Tonnen kontaminiertem Abfall. Dieser Schutt wird auf eine Deponie bei Bautzen gebracht.

Im Medizinisch-Theoretischen-Zentrum II sollen Wissenschaftler mehrerer Institute künftig Zellforschung auf hohem Niveau betreiben. Es ist eine Ergänzung zum im Jahr 2000 eröffneten MTZ an der Fiedlerstraße 42.

Die Eg-Gü-Schuhcremefabrik ging zunächst aus einem kleinen Hinterhofbetrieb in der Johannstadt mit Sitz an der Pfotenhauerstraße hervor. 1919 stellte Egbert Günther erstmals Schuhcreme in Tuben her und machte die Firma damit zum Branchenführer in Deutschland. Da das Unternehmen zunehmend in andere europäische Staaten exportierte, mussten die Produktionsanlagen erweitert werden. So bezog Eg-Gü in den 1920er Jahren das Gebäude an der Augsburger Straße 1. 1945 vernichteten Bomben fast die komplette Fabrik. Trotzdem gelang es den Söhnen des Gründers, die Herstellung von Schuh- und Lederpflegemitteln nach dem Krieg bald wieder aufzunehmen. 1972 wurde Eg-Gü enteignet und zum VEB Dresdner Schuhpflegemittel, 1993 schließlich nach dreijähriger Treuhandverwaltung reprivatisiert.

In den Folgejahren geriet der Betrieb in wirtschaftlich immer unruhigeres Fahrwasser und musste schließlich 2005 Insolvenz anmelden. Einige Monate später wurde die Marke von der Oli Laccos GmbH übernommen, die die Produktion von Dresden nach Lichtenau bei Chemnitz verlagerte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.06.2012

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