Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Eberhard Burger: „Ich versuche seit längerem Abschied zu nehmen“
Dresden Lokales Eberhard Burger: „Ich versuche seit längerem Abschied zu nehmen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:01 26.07.2018
Der ehemalige Baudirektor Eberhard Burger steht vor der Dresdner Frauenkirche. Quelle: dpa-Zentralbild
Dresden

275 Jahre liegt das Ereignis zurück. 1743 galt die Dresdner Frauenkirche mit dem Aufsetzen eines Kuppelkreuzes als vollendet. Ihr genialer Baumeister George Bähr war da schon fast fünf Jahre nicht mehr am Leben (und das Kuppelkreuz hatte er gar nicht gewollt). Im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs nahm das barocke Wunderwerk von europäischem Rang bekanntlich ein bitteres Ende.

Der George Bähr der Neuzeit sei er nicht

Die Dresdner Frauenkirche von heute ist im Vergleich zu ihrem Vorgänger altersmäßig noch ein Kind. 1994 erfolgte unter der Leitung des Bauingenieurs Eberhard Burger die Grundsteinlegung. Am 30. Oktober 2005 konnte das mit ein paar technischen Verbesserungen im Übrigen aber originalgetreu wieder errichtete Gotteshaus geweiht werden. Nun feiert der Baumeister unserer Tage am 26. Juli seinen 75. Geburtstag. Als er 1943 inmitten der Kriegswirren zur Welt kam, war 200 Jahre zuvor das Bauwerk fertig, welches einmal maßgeblich sein Leben bestimmen sollte. Weil es eben dieser Krieg zu einem Trümmerberg gemacht hatte…

Eine Zahlenspielerei, man könnte weitere anführen, die immer auch Zufälligkeiten unterliegen. Eines aber bleibt ein Faktum: Als Baudirektor des Wiederaufbaus der Frauenkirche hat sich Eberhard Burger in die Geschichtsbücher eingeschrieben. In den zwölf Jahren seit der Bergung der Trümmersteine ging seine barocke Erscheinung (welch passender Zufall) um die Welt. Mit jedem Baufortschritt prägte sein Lockenhaupt die Berichterstattung in den Medien oder Burger lief erklärend auf der berühmten Baustelle voran, um Besucher aus dem In- und Ausland zu informieren. Kurze Rückschau: Steinversetzung, Wetterschutzdach, Kuppelbau, Einzug der Glocken, Besucherplattform auf der Laterne – immer war der umsichtige Baudirektor gefragt. Und immer hatte er „nebenbei“ eine Großbaustelle zu managen, ausgleichend auf alle Gewerke einzuwirken und dazu knifflige, technische Details zu meistern.

Eberhard Burger und die Dresdner Frauenkirche

Dass er die Möglichkeit dazu erhielt, hat Burger selbst als eine glückliche Fügung bezeichnet. Es schwang Dankbarkeit mit, wenn er feststellte, dass man sich für eine solche Aufgabe nicht bewerben könne, sondern sie geschenkt bekomme. Dankbarkeit und nicht zuletzt Respekt für George Bähr und dessen kreative Leistung, die er mit ungleich besseren Mitteln zu neuem Leben erwecken konnte. Nein, wehrte Burger stets ab, der George Bähr der Neuzeit sei er nicht. Aber das Verdienst, mit dem archäologischen Wiederaufbau in Kombination mit neuesten ingenieurtechnischen Erkenntnissen ein Wagnis gestemmt zu haben, kann ihm niemand streitig machen.

Auch heute noch wird er von dankbaren Besuchern erkannt

Nachhaltig bleibt auch der emotionale Bezug des bekennenden Christen zu diesem Bauwerk. Nachdem sich im März 1991 die Landessynode der evangelisch-lutherischen Kirche zum Wiederaufbau entschlossen hatte, stellte sie am 1. Oktober 1992 ihren Kirchenbaurat von anderen Diensten zugunsten des Amtes eines Frauenkirchen-Baudirektors frei. Zusätzlich wurde Burger Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche, später auch deren Sprecher. Das Rundumpaket sorgte damals für reichlich ausgefüllte Tage. Im Ergebnis erhielt die Stadt Dresden ein Bauwerk, das als wichtigstes Gegenwartsprojekt mit der größten Strahlkraft gelten kann. So sieht es Burger - Ehrenbürger seiner Stadt - noch heute. „Auch wenn die Frauenkirche manchmal nur als Hintergrund benutzt wird“, fügt er an.

Auch heute noch wird er von dankbaren Besuchern erkannt. Aber die Zeit läuft weiter und Bindungen ändern sich. „Ich versuche seit längerem Abschied zu nehmen. Es fällt mir schwer, aber es muss sein“, gesteht Burger. „Eine neue Generation soll jetzt die Aufgaben übernehmen. Ich muss einen neuen Weg finden, am kirchlichen Leben teilzunehmen.“ Aus dem Stiftungsrat wurde er altershalber bereits verabschiedet. Die Mitglieder des Bauausschusses im Kuratorium - Burger, der ehemalige Landeskonservator Gerhard Glaser und Oberkirchenrat i. R. Dieter Zuber - geben gerade ihr Amt auf. Als Nachfolger haben sie den Denkmalpfleger Torsten Remus, den Bauingenieur Prof. Manfred Curbach und den Juristen Otto Stolberg-Stolberg vorgeschlagen.

Auf die Frage nach positiven und negativen Erfahrungen beim Bau der Frauenkirche fallen Eberhard Burger auf Anhieb viele schöne Seiten ein. Auf seiner Gewinnerliste stehen die außergewöhnliche Gemeinschaft der Planer, das Können der Bauhandwerker und Restauratoren, das Engagement der Dresdner Bank, die Unterstützung der Menschen in Deutschland und der Welt, die Partnerschaft des Fördervereins.

Negativ schlägt im Gespräch nur eines zu Buche: „Wir hatten nicht mit dem enormen Besucheransturm für den Kuppelaufstieg gerechnet. Statt der geplanten 300 Personen waren es täglich 1000, was Bauschäden verursacht hat.“ Inzwischen seien diese aber behoben. „Es war genau die richtige Zeit für den Wiederaufbau“, fasst Burger dieses Lebenskapitel zusammen. „Heute wäre das so nicht mehr möglich.“ Auf der einen Seite sieht er zu viele auseinandertriftende Ideen und Bewegungen, auf der anderen den Verlust alter Handwerkstechniken.

Perfekt zum „üben“: Der Wiederaufbau der Dreikönigskirche

Die waren auch bei der Instandsetzung des Doms zu Wurzen gefragt. Denn das Wirken des heutigen Pensionärs in Beruf und Ehrenamt ist nicht allein auf die Dresdner Frauenkirche zu reduzieren. Schon seit 1985 nahm Burger an den jährlichen Dombaumeistertagungen teil. Er war Vorsitzender des 1998 gegründeten Dombaumeister e. V. und ganze 38 Jahre lang Domherr im Domkapitel des Doms zu Wurzen. Soeben erst wurde er dort aus der aktiven Tätigkeit verabschiedet, wobei eine andere Zahlenspielerei diesmal Anlass zum Schmunzeln bot: An der 900-jährigen Geschichte des Wurzener Doms war Eberhard Burger zu dreieinhalb Prozent beteiligt, hatte man errechnet.

An solch mächtige Kirchenbauwerke, wie die erwähnten, war zu Beginn seiner Laufbahn nicht zu denken. Die Tätigkeitsfelder klangen seinerzeit ganz anders. Um sein Studium an der Fakultät Bauwesen der TU Dresden in der Fachrichtung Konstruktiver Ingenieurbau starten zu können, musste der angehende Student ein praktisches Jahr absolvieren und das führte ihn zum Aufbau des Erdölverarbeitungswerkes Schwedt an der Oder. Hier wurde Burger erst einmal Betonfacharbeiter. Nachdem er seinen Diplom-Ingenieur in der Tasche hatte, brauchte ihn die DDR im Bau- und Montagekombinat Kohle und Energie, Industriebau Dresden für diverse Aufgaben. Das allererste Projekt aber war die Einrichtung der Baustelle für das Kernkraftwerk Lubmin, was wiederum zur Umgehung des obligatorischen NVA-Dienstes (Nationale Volksarmee) führte.

Die Dreikönigskirche in Dresden. Quelle: picture alliance / ZB

Erst 1980 kam die Wende mit dem Ruf ins Baureferat des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes. Dank des Valutabauprogramms der Kirche erhielt Sachsen Gemeindezentren und Pfarrhäuser, so unter anderem in den Dresdner Neubauzentren Prohlis und Gorbitz, für deren Bau Burger verantwortlich war. Besonderen Raum nahm der Wiederaufbau der barocken Dreikönigskirche inklusive ihrer neuen Innengestaltung ein. Hier habe er schon für die Frauenkirche geübt, sagte Burger einmal. Wem ist es schon vergönnt, sich mit zwei so prominenten Kirchgebäuden in die Herzen der Dresdner einzuschreiben. Für sein Lebenswerk verlieh ihm die Stiftung Bibel und Kultur den Ehrenpreis, die Fakultät Bauingenieurwesen der TU Dresden die Ehrendoktorwürde.

Und weil Eberhard Burger seinerseits der Stadt und ihren Bewohnern Gutes angedeihen lassen wollte, tat er freiwillig und ehrenamtlich das ihm Mögliche, die umstrittene Waldschlößchenbrücke etwas gefälliger aussehen zu lassen. Das stieß bei manchem Brückengegner auf offen geäußerte Ablehnung. Der Bauingenieur schluckte es mit der ihm eigenen Ausgeglichenheit. Die meisten Ehrenämter hat er inzwischen, nicht zuletzt aus Gesundheitsgründen – Hüftgelenk und Blutdruck machen Probleme, abgegeben. Nur für das Palais im Großen Garten setzt er sich als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins weiter aktiv ein. Als vierfacher Großvater und nun auch Urgroßvater gibt es keine Langeweile. Und da sind noch die regelmäßigen Treffen im Gesangverein „Concilio Crescendo“, in dem die Altstudenten mit Hilfe ihrer Studentenlieder jung bleiben.

Von Genia Bleier

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Seit Wochen häufen sich dort teils schwere Straftaten. Die Polizei zeigt Präsenz – und erwägt, den Bereich zu einem Gefährlichen Ort zu erklären. Ein Situationsbericht von einem der Brennpunkte in Dresden.

26.07.2018

Roberto S. hat bei einigen Leuten in der Dresdner Innenstadt einen bleibenden Eindruck hinterlassen – allerdings keinen guten. Der 50-Jährige prügelt auf alles und jeden ein. Jetzt steht er vor dem Amtsgericht.

26.07.2018

Nach der Ohrfeigen-Affäre fordern die Dresdner Grünen harte Konsequenzen von CDU und FDP. Nachdem die Stadträte Jens Genschmar und Angela Malberg sowie das Ausschussmitglied Barbara Lässig eine Ohrfeige an den früheren Sozialbürgermeister Martin Seidel bejubelt hatten, dürften sie bei der nächsten Wahl nicht mehr berücksichtigt werden.

25.07.2018