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Lokales Drogenlabor im Landtag
Dresden Lokales Drogenlabor im Landtag
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07:32 22.04.2018
Wolfgang Schütze vom Dresdner Polizeimuseum erklärt den Nachbau einer unterirdischen Drogenküche aus einem echten Kriminalfall von 2001. Der Beamte weist auf eine pneumatisch verschiebbare Werkbank in einer Garage in Schmiedeberg, von der aus ein versteckter Fahrstuhl in das gelegene Labor führte. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Angetrieben durch einen Kompressor, bewegt sich die Werkbank in der Garage zur Seite. Zum Vorschein kommt ein Fahrstuhlschacht, der in eine versteckte Drogenküche führt. Polizeihauptkommissar Wolfgang Schütze drückt erneut auf die Fernbedienung. Plötzlich bewegt sich in dem Labor ein Kühlschrank und gibt eine Treppe frei, die in ein Crystal- und Sprengstofflager führt. Nein, das ist keine Szene aus einem James-Bond-Film, sondern die Präsentation eines Miniatur-Nachbaus einer perfekt getarnten Drogenküche aus dem Fundus des Landeskriminalamts (LKA) Sachsen.

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Sachsens Polizei stellt im Foyer des Parlaments Episoden aus ihrer bewegten Geschichte aus

„Dieser Kriminalfall ist 2001 in Schmiedeberg wirklich so passiert“, berichtet Wolfgang Schütze, der Hüter der Polizeihistorischen Sammlung in Dresden. Das Mini-Drogenlabor ist jetzt in der neuen Ausstellung „Spurensuche – Die Polizei Sachsen im Wandel der Zeit“ im Bürgerfoyer des Landtagsgebäudes zu sehen. Die am 1. Mai 1853 – vor 165 Jahren – verstaatlichte sächsische Polizei bildet dort ihre wechselvolle Geschichte vom Kurfürstentum und Königreich über Weimarer Republik, NS- und DDR-Zeit bis hin in die Gegenwart ab.

Schon 1854 wurde in Dresden eine Kripo gegründet, die zweitälteste in Deutschland nach der Berliner. „Sie ist damals aus dem Ausländeramt entstanden. Warum auch immer“, wundert sich Wolfgang Schütze, der zu den Kuratoren der Ausstellung gehört. „Wir Sachsen haben nach Preußen die traditionsreichste Polizeigeschichte Deutschlands. Darauf können wir stolz sein.“

Zu sehen ist unter anderem ein Steckbrief, mit dem die Polizei 1788 aufgrund eines Bilderdiebstahls in der Dresdner Gemäldegalerie nach dem Tatverdächtigen Georg Wogaz suchte. In der Schau wimmelt es nur so von Dingen, die heute sehr kurios erscheinen. So können Interessierte auch eine über 100 Jahre alte Strafverfügung gegen eine Dresdnerin wegen des unbefugten Betretens einer Wiese und des unerlaubten Pflückens von Schneeglöckchen nachlesen.

Interessant sind die Uniformteile aus den unterschiedlichsten Epochen, darunter der Dresdner Kammhelm als Kopfbedeckung der Beamten um 1900. Pickelhauben waren hier verpönt. „Der König wollte das nicht, das war ihm zu preußisch“, erklärt Wolfgang Schütze – und schwelgt ein paar Meter weiter, als er vor der ersten Nachwende-Ausrüstung der sächsischen Polizei von 1991 steht, in Erinnerungen: „Den Einsatzanzug habe ich selbst noch so getragen. Wir haben dann auf den Rücken mit einer Schablone das Wort Polizei daraufgesetzt. Das sah sehr gewöhnungsbedürftig aus.“ Und ist ein himmelweiter Unterschied zur modernen Ausrüstung der heutigen Zeit.

Dazu gehört ein mit Technik vollgestopftes Polizeimotorrad, das in der Ausstellung ebenso zu sehen ist wie ein Bombenentschärfungsgerät. Und gleich daneben der passende Anzug für die Sprengmittelexperten. „Der wiegt 48 Kilogramm. Wir haben zu dritt drangehangen, um den auf die Puppe zu kriegen“, erzählt Wolfgang Schütze. Doch auch die anderen Exponate haben es in sich, darunter ein Richtbeil und historische Polizeiwaffen – und viele alte Fotos, Verordnungen und Lehrunterlagen.

Auch der Blick auf die Einführung der Daktyloskopie, also den Identitätsnachweis per Fingerabdruck, darf nicht fehlen. Sie wurde 1903 in Dresden eingeführt und trat danach einen Siegeszug im Deutschen Reich an. Auf die sächsische Vorreiterrolle bei dieser Identifizierungsmethode, die heute aus der Kriminalistik nicht mehr wegzudenken ist, sind die Beamten merklich stolz. Bis 1922 gab es im Land noch keine Polizeischule. Das Personal wurde zuvor aus Militärangehörigen rekrutiert, die in sechswöchigen Lehrgängen umgeschult wurden. „Zackiges Auftreten ersetzt fehlendes Fachwissen“, zitiert Wolfgang Schütze den Grundsatz dieser Zeit.

Drunter und drüber ging es auch in der Wendezeit, als die größte Polizeiaufgabe darin bestanden habe, die Stasi aufzulösen. Um ihre Historie während der Diktaturen macht die Polizei in der Ausstellung keinen Bogen. Sie zeigt Spionagekameras aus der DDR-Zeit ebenso wie eine Abschrift des Verhaftungsprotokolls von Reichsstatthalter Martin Mutschmann und wichtige Eckdaten der Gleichschaltung im Dritten Reich. „Die Polizei war an Kriegsverbrechen beteiligt“, legt Schütze den Finger in die Wunde.

„Wir verschweigen in der Ausstellung nichts. Natürlich ist die Polizei auch durch schwierige Zeiten gegangen. Aber seit 1990 dienen die Beamten einem demokratischen Rechtsstaat. Das ist hier in wunderbarer Weise aufgearbeitet und soll neugierig machen, was die Polizei kann und leistet“, meint Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) über die Ausstellung in „seinem“ Haus. Gemeinsam mit Günther Schneider, Staatssekretär im Innenministerium, und Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar wird Rößler die Schau am Montag um 18 Uhr offiziell eröffnen.

„Wir haben einen großen Fundus, aber zu wenig Platz, um ihn darzustellen. Diese Möglichkeit hier ist für uns ein echter Höhepunkt. So eine Ausstellung über die Historie einer Landespolizei hat man in Deutschland nur selten gesehen“, freut sich Horst Kretzschmar über die breite Präsentation vom Polizeimuseum bis hin zu LKA und Bereitschaftspolizei. Zu besichtigen ist die Schau bis 25. Mai jeweils montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr. Ausnahme ist nur der Feiertag am 1. Mai. Der Eintritt ist frei.

Von Stefan Schramm

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