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Lokales Drewag öffnet historischen Fernwärmekanal nach Sanierung
Dresden Lokales Drewag öffnet historischen Fernwärmekanal nach Sanierung
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14:27 16.09.2018
Fernwärme-Abteilungsleiter Bernd Lehmann erläutert im historischen Fernwärmekanal unter der Brühlschen Terrasse den Verlauf der Hauptleitung. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Der Untergrund der Brühlschen Terrasse ist farbenfroh. Rote und grüne Rohre gewaltigen Ausmaßes verlaufen im Halbdunkel, Armaturen in dazu passender Größe springen ins Auge. „Wenn Sie an diesen Rädern drehen, werden sich nach kurzer Zeit die großen Hotels der Innenstadt bei der Drewag melden“, sagt Bernd Lehmann, der bei der Stadtwerketochter Drewag-Netz die Abteilung Fernwärmebetrieb leitet. Im ältesten Fernwärmekanal Dresdens verläuft eine Hauptleitung, die neben Schloss, Hofkirche und Oper viele andere Gebäude des Innenstadtrings versorgt. Seit dem Wochenende kann das Gewölbe nach langwieriger Sanierung auf Anfrage von interessierten Besuchern besichtigt werden.

120 Grad Celsius und 18 Bar Druck herrschen in den Wasserrohren. Für angeschlossene Gebäude muss das heruntergeregelt werden – das geschieht teilweise im Fernwärmekanal, wie Bernd Lehmann erklärt. Quelle: Dietrich Flechtner

Rund eine Million Euro haben Drewag und die Staatlichen Schlösser und Gärten seit 2012 in die Sanierung gesteckt. Im 1900 in Betrieb genommenen Kanal mussten Stahlträger von Rost befreit, Mauerwerk und Brandschutz erneuert, Leitungen und Beleuchtung ersetzt werden. Außerdem wurden bisher offene Ausgänge zum Residenzschloss und zur Hofkirche aus Hochwasserschutzgründen, aber auch zum Schutz vor Einbrechern, zugemauert. Besucher gelangen nun nur noch über den Eingang an der Brühlschen Gasse in den Gang. Ein neuer Ausgang ist zudem zwischen Schloss und Hofkirche entstanden, ist wegen der dortigen Bauarbeiten allerdings voraussichtlich die nächsten drei Jahre nicht nutzbar. Später sollen Besuchergruppen dort wieder ans Freie gelangen, wenn sie ihren 300 Meter langen Weg zwei bis 3,50 Meter unter der Oberfläche nach einer Stunde Besuchszeit beendet haben. Bis dahin müssen sie am Ende des Tunnels angelangt den Rückmarsch zur Brühlschen Gasse antreten.

Dass der erste Fernwärmekanal auf solch prominenten Territorium verläuft, hat seinen Grund. Es war König Albert, der den Anstoß für den Bau des ersten Fernwärmekraftwerks an der Großen Packhofstraße gab. Der Legende nach soll es den Regenten an einem Wintermorgen 1895 derart gefroren haben, dass er sich scheute, die Frühmesse in der bitterkalten Hofkirche zu besuchen. Fünf Jahre brauchte es, bis die neue Wärmeversorgung in Betrieb genommen werden konnte, auch weil ein erster Antrag auf dessen Errichtung vom Sächsischen Landtag eiskalt abgelehnt wurde. Die Bedürfnisse des frierenden Königs schien dem Parlament schlicht „nicht dringlich“ genug.

14 Gebäude der Altstadt, viele an der Brühlschen Terrasse gelegen, versorgte das Kraftwerk nach Inbetriebnahme mit Wärme, 23 mit Strom. Seither hat sich in Sachen Fernwärme viel getan, bemisst das Netz derzeit dorch mehr als 585 Kilometer Länge, zu denen derzeit vor allem in Pieschen immer neue mehr hinzu kommen. Auch im Kanal hat es viele Veränderungen gegeben, auch wenn er sich den Charme der Anfangszeit bewahren konnte. So wurde der Betrieb von Wasserdampf auf Heißwasser umgestellt. Das fließt derzeit mit 120 Grad Celsius durch die meist aus den 1970er Jahren stammenden Rohre im Vorlauf, also auf dem Weg vom Kraftwerk an der Nossener Brücke zu den Abnehmern. 18 Bar Druck sorgen dafür, dass das Wasser dabei im flüssigen Aggregatzustand bleibt. Für die angeschlossene Abnehmer wird das teils noch im Fernwärmekanal auf leichter handhabbare 90 Grad Celsius und vier Bar heruntergeregelt.

Der Rücklauf zum Kraftwerk hat immer noch 60 Grad Celsius Wärme. Im Fernwärmekanal herrschen deshalb das ganze Jahr über um die 25 Grad Celsius Lufttemperatur – trotz dicker Isolierung geben die Rohre etwas Wärme ab. 70 Zentimeter dick ist der Innendurchmesser der Rohre, durch die dicke Verpackung mit Glaswolle, Pappe, Stroh und Dachpappe – eine Isolierung, wie sie vor 40 Jahren üblich war, bringen es die Leitungen auf einen Außendurchmesser von bis zu 90 Zentimeter.

Dieser Schnitt zeigt die Dämmung der meist 40 Jahre alten Rohre. Quelle: Dietrich Flechtner

Die Führungen übernehmen ehemalige Fernwärme-Mitarbeiter, die allerhand Geschichten zu erzählen haben. Etwa von Angstlaschen, womit auf Schweißnähte aufgesetzte Stahlbänder gemeint sind, die ein Bersten der Leitungen verhindern sollen, falls eine Naht doch einmal undicht wird. „Gebraucht wurden die eigentlich nie, trotzdem waren sie lange Zeit üblich“, sagt Abteilungsleiter Lehmann. Zu hören ist auch von den Einbrüchen maskierter und verkleideter Menschen zu DDR-Zeiten. Studenten wollten über den Fernwärmekanal auf prominenten Terrain zur damals beliebten Faschingsfeier der Hochschule für Bildende Künste in der Kunstakademie gelangen – und sich durch den Gang durch die Eingeweide der Stadt die Eintrittskarte sparen.

Kostenlose Führungen von Gruppen bis maximal 15 Personen können unter der Tel. 0351/ 860 41 80 vereinbart werden. Kinder müssen zur Teilnahme sieben Jahre alt sein, unter zwölf Jahren ist die Teilnahme nur im Beisein der Eltern möglich. Festes Schuhwerk ist Voraussetzung. Nächste Öffnung ohne vorherige Terminvereinbarung wird die Museumsnacht am 6. Juli 2019 sein.

Von Uwe Hofmann

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