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Lokales Drewag kündigt Kreativen im „LÖ14“ wegen Altlastensanierung
Dresden Lokales Drewag kündigt Kreativen im „LÖ14“ wegen Altlastensanierung
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14:15 25.03.2018
Außen pfui, Innen hui: Das Haus „7“ auf dem Grundstück Lößnitzstraße 14. Hier haben sich Künstler und Kreative rund um die Nikkifaktur und den Jeansschneider Ruttloff-Garments angesiedelt. Quelle: r
Dresden

 Kreativ, bunt und aufstrebend – so präsentiert sich das über dreieinhalb Hektar große Drewag-Gelände auf der Lößnitzstraße 14 (genannt „LÖ14“) seit Jahren. Zumindest innerhalb der heruntergewirtschafteten Häuser der ehemaligen Gasversorgungsanstalt. Denn dort ist ein regelrechtes Korallenriff der Kreativwirtschaft erwachsen, Start-Up-Unternehmen, Künstler und soziale Träger haben sich in den sieben Häusern und Ateliers auf der Lößnitzstraße 14 eingerichtet.

Nikkifaktur Quelle: Thomas Schlorke

Nun gibt es aber einen herben Rückschlag für das Kollektiv auf dem Gelände, auf dem bald auch eine Grundschule entstehen wird und das in den Augen von Anwohnern, Kreativschaffenden und sogar Stadtplanern großes Potential für einen kunterbunten Boulevard am Hechtviertel hat. Denn in Haus „7“, dem ehemaligen KFZ-Gebäude, ist den 18 Mietern

Ruttloff-Garments Quelle: Amac Garbe

rund um die Nikkifaktur, dem Upcycling-Atelier oder dem kreativen Jeans-Designer Johann Ruttloff zum 30. September dieses Jahres gekündigt worden.

Doch Bösartigkeit oder etwa eine alternative Planung mit dem Gebäude steckt von Seiten des Vermieters Drewag nicht dahinter. Der Grund für die Kündigungen ist simpel: ein erheblicher Teil es Gebäudes muss abgerissen werden, möglicherweise sogar das ganze Haus. Das steht in unmittelbaren Zusammenhang mit der ebenfalls auf dem Areal geplanten 148. Grundschule, die eigentlich noch in diesem Frühjahr ihren offiziellen Baustart haben sollte.

Altlasten sind das Problem

Denn das Areal an der Lößnitzstraße wurde on 1865 bis 1923 als Gasversorgungsanstalt genutzt, entsprechend kontaminiert ist der Boden. Direkt unter dem ehemaligen KFZ-Gebäude Haus „7“ befindet sich demnach eine alte Teergrube. Die Altlastenbehörde fordert nun mit Blick auf die neue Grundschule die Sanierung der Grube und Beseitigung der Altlasten. Das ist zwar schon bekannt, doch zunächst wurde die Teergrube nur unter dem westlichen Anbau des Gebäudes vermutet.

Auf dem 3,6 Hektar großen Grundstück müssen jede Menge Altlasten beseitigt werden. Quelle: Dietrich Flechtner

„Weil deshalb der Anbau abgerissen werden muss, haben wir einigen Mietern bereits zum Jahresende 2017 die Kündigung ausgesprochen“, erklärt Gerlind Ostmann, Pressesprecherin der Drewag. Doch weiterführende Untersuchung hätten nun ergeben, dass die Teergrube eine größere Ausdehnung hat, als bisher angenommen. Deshalb muss wohl nun auch mindestens ein Teil von Haus „7“ abgerissen werden, wenn nicht sogar das ganze Gebäude. „Der bevorstehende erhebliche Eingriff in die Substanz des Hauptgebäudes kann zu unvorhersehbaren baulichen Schwierigkeiten führen, die wir aktuell noch nicht abschätzen können“, so Ostmann.

Unerwartete Kündigung

Heißt, die 18 Mieter müssen raus, Textilunternehmen, Maßschneiderei, Siebdruckwerkstatt und die Künstlerateliers brauchen also eine neue Unterkunft. Bitter ist für die Betroffenen, dass sie das Gebäude ursprünglich selbst kaufen wollten. Nikkifaktur-Chef Marco Wildner hatte gemeinsam mit den anderen Künstlern und Kreativunternehmern bereits ein Konzept erarbeitet und finanzielle Rahmenbedingungen abgesteckt. Auch die Drewag räumte dem Kollektiv ein Vorkaufsrecht ein, alles schien in eine einvernehmliche Richtung zu verlaufen. „Seit der Bekanntgabe der Altlasten ist die Situation jedoch kompliziert geworden“, so Wildner.

Doch die unerwartete Kündigung Ende der vergangenen Woche traf den Textilhersteller und seine Kollegen aus heiterem Himmel. „Wir als kreative Unternehmer und Künstler stehen vor dem Aus, vergleichbare Unterkünfte sind in unmittelbarer Nähe nicht zu finden“, so Wildner. Und das Wegfallen von Haus „7“ hätte auch unmittelbare Folgen für die kulturelle Vielfalt vor Ort. Denn die Räume der Nikkifaktur sowie die der anderen Ateliers standen seit 2010 für über 100 kulturelle oder gemeinnützige Veranstaltungen zur Verfügung. „Das Areal würde seinen zentralen Charakter als Kulturtreff und Ort der Begegnung verlieren“, so der Textilunternehmer.

Grundschule nicht vor 2020

Er hofft, dass noch eine bessere Lösung gefunden werden kann und das Gebäude langfristig erhalten bleibt – und eine Rückkehr des Kollektivs ermöglicht. Doch vor allem die Kurzfristigkeit sei ein zentrales Problem, so Wildner weiter. Die Drewag selbst hat nämlich keinerlei Ausgleichsangebote unterbreitet oder Informationen über eine mögliche Rückkehr ins Haus nach einer Sanierung bereitgestellt. Deshalb möchte das Künstlerkollektiv jetzt rasch in Gespräche mit dem Branchenverband der Kultur- und Kreativwirtschaft und der Drewag treten, um über die Kündigungsmodalitäten und eine mögliche Zwischenlösung zu verhandeln. Doch die Chancen für ersteres scheinen schlecht, die Altlastensanierung steht unmittelbar vor der Tür – weil die Eröffnung der 148. Grundschule schon vor Baustart ein ganzes Jahr Verspätung hat. Wie das Schulverwaltungsamt auf DNN-Anfrage mitteilte, soll der Baubeginn Anfang 2019 erfolgen, statt wie geplant in diesem Frühjahr.

Die zuvor notwendige Altlastensanierung startet erst im April und soll bis November andauern und rund 4,1 Millionen Euro kosten, 3,2 Millionen davon übernimmt der Freistaat. Der Neubau für die zweizügige Grundschule sowie eine neue Sporthalle an der Friedensstraße sollen bis Juni 2020 stehen. Kostenpunkt rund 12 Millionen Euro – ein Zuwendungsbescheid für Fördergelder stehe hier aber noch aus, so das Schulverwaltungsamt.

Das „LÖ14“ – gibt es hier in einigen Jahren das von vielen ersehnte Boulevard am Hechtviertel? Quelle: Dietrich Flechtner

Von Sebastian Burkhardt

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