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Dresdnerinnen sorgen für mehr Frauenpower in der Gründerszene

Gründerinnen-Preis Dresdnerinnen sorgen für mehr Frauenpower in der Gründerszene

„Ihr braucht einen Mann im Team“, bekam die Gründerin Nadine Glasow bei einem Geschäftsessen zu hören. Zusammen mit Katrin Lieberum von der Zigarren Manufaktur Dresden ist sie mit ihrem Unternehmen „UniversalRAUM“, das Forschunsergebnisse aus dem Gesundheitsbereich und Architektur zusammenbringt für den Sächsischen Gründerinnenpreis nominiert.

Nadine Glasow hat aus ihrer Dissertation heraus Ratgeber für die architektonische Umsetzung von Forschungsergebnissen aus dem Gesundheitsbereich entwickelt.

Quelle: D. Flechtner

Dresden. Rund 13 Prozent der erwerbstätigen Sachsen sind selbstständig. Unter den erwerbstätigen Frauen im Freistaat beträgt der Anteil nur rund acht Prozent. Damit erfolgreiche, selbstständige Unternehmerinnen in der Öffentlichkeit sichtbar werden und noch mehr Frauen mit guten Geschäftsideen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, vergibt die sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration jährlich den Gründerinnen-Preis. Aus der Landeshauptstadt sind unter anderem Nadine Glasow, Gründerin im Bereich gesundheitsfördernde Architektur und die Inhaberin der Zigarrenmanufaktur Katrin Lieberum nominiert.

Mit Architektur das Suizid-Risiko mindern – Ein Ziel der Architekturberatung „UniversalRAUM“ von Nadine Glasow

Die Architektin Nadine Glasow will Wissenschaft und Praxis mit ihrem Unternehmen „universalRAUM“ zusammenbringen

Die Architektin Nadine Glasow will Wissenschaft und Praxis mit ihrem Unternehmen „universalRAUM“ zusammenbringen. Sie berät zum Beispiel Kliniken zur baulichen Suizidprävention.

Quelle: Dietrich Flechtner

„Ihr braucht einen Mann im Team“, bekam die Architektin Nadine Glasow zu Beginn ihrer Selbstständigkeit während eines Geschäftsessens zu hören. Der Erfolg ihres Unternehmens „universalRAUM“, das forschungsbasierte,heilungsfördernde Architekturlösungen für den Gesundheitsbereich bietet, beweist das Gegenteil. Zusammen mit mittlerweile zwei Angestellten und weiteren freien Mitarbeiterinnen berät das Team europaweit Kliniken und Einrichtungen im Gesundheitssektor bei der Gestaltung. Der Fokus liegt dabei auf baulicher Suizidprävention, Psychiatriebau, Barrierefreiheit sowie Demenz- und Parkinson gerechter Architektur.

Architektur kann Suizid-Risiko entgegenwirken

In ihrem Architekturstudium an der TU Dresden lernte Glasow in einem Seminar die Vielfalt der wissenschaftlichen Arbeiten kennen, die sich mit den Auswirkungen der Gestaltung auf die Patientengenesung befassen. „Der Ausblick ins Grüne ist ein zentraler Punkt“, erklärt die Gründerin. Besonders sensibel müssen Architekten für Menschen mit seelischen Leiden planen. Im Jahr begehen rund 700 Erwachsene in psychiatrischen Einrichtungen in Deutschland Suizid, heißt es in einer Studie. „In Psychiatrien sollte es zum Beispiel keine tiefen Treppenschächte geben, da sie suizidauffordernd wirken können“, fasst Glasow Forschungsergebnisse zusammen, die sich mit baulicher Suizidprävention befassen. Das Problem: Bisher haben Architekten und Wissenschaft getrennt voneinander gearbeitet. Das soll sich mit „universalRaum“ als Schnitt-und Verbindungsstelle nun ändern.„Dass wir ein komplett weibliches Team sind, ist einfach Zufall“, schmunzelt die 38-jährige Gründerin. Aktuell führt das Büro die Bedarfsplanung für den Neubau des „Zentrum für seelische Gesundheit“ am Uniklinikum durch.

Neben der Auswertung von Forschungsergebnissen, basiert die Arbeit vor allem auf Kommunikation und Beobachtungen. Die Architekten und Experten befragen Mitarbeiter, Patienten und andere involvierte Personen einer Einrichtung sowie beobachten die täglichen Arbeitsabläufe. „Wo sind die Wege zu lang? Wo entsteht störender Lärm?“. Um sich in die Lage der Patienten zu versetzten, hat sich Glasow auch schon mal mit Gurten in einem Bett in der Psychiatrie fixieren lassen, um die Sichtachsen zu studieren. „Um dem Gefühl von Panik entgegen zu wirken, reichte es schon das Bett um 45 Grad zu drehen, so dass der Patient die Tür und die Bäume vor dem Fenster im Blick hat“, berichtet die Architektin.

Unsicherheit und schlaflose Nächte

Das Unternehmen ist eine Ausgründung der TU und entstand 2011 durch Glasows Forschungsarbeit für ihre Dissertation. Mit einem einjährigen Gründungsstipendium finanzierte sie die Produktion von Ratgebern, in denen sie die Forschungsergebnisse und Möglichkeiten der praktischen Umsetzung für Architekten gibt. Online sind die Ratgeber kostenlos auf der Unternehmenshomepage verfügbar. Die gedruckte Auflage sei nahezu ausverkauft, berichtet die 38-Jährige. Die anfängliche Unsicherheit und schlaflosen Nächte haben einige Zeit angedauert, doch mittlerweile ist das Beratungsangebot des Dresdner Unternehmens bekannt genug, damit sich die Aufträge verselbstständigen. Im neuen Jahr konnte sie zwei feste Mitarbeiterinnen einstellen. „Und es sollen noch mehr werden“, blickt Glasow in die Zukunft. Die Arbeit sei hochspezifisch, erklärt die ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU. „Daher müsste ich eigentlich meine Mitarbeiter selber ausbilden“, sagt Glasow. Ob sie ihre Entscheidung zu Gründen noch einmal wiederholen würde? „Ich weiß es nicht“, sagt sie. „Steuerfragen, Wirtschafts-Knowhow, Webseitengestaltung – der ganze Wahnsinn“. Doch mittlerweile kann sich Glasow nichts anderes mehr vorstellen. „Mein Lohn ist die Dankbarkeit der Mitarbeiter und Patienten“, erklärt sie.

„Schwierig war es als dreifache Mutter“ – dass die Existenzgründung trotzdem funktionieren kann, zeigt Katrin Lieberum, Inhaberin der „Zigarren Manufaktur Dresden“

Zusammen mit ihrem Mann Lazaro Javier Herrera Cabrera hat Katrin Lieberum die „Zigarren Manufaktur Dresden“ gegründet

Zusammen mit ihrem Mann Lazaro Javier Herrera Cabrera hat Katrin Lieberum die „Zigarren Manufaktur Dresden“ gegründet. Unter anderem können Interessierte in Workshops die kubanische Kunst des Zigarrendrehens erlernen.

Quelle: Dietich Flechtner

„Schwierigkeiten weil ich eine Frau bin, hatte ich als Gründerin nicht“, sagt die 34-jährige Lieberum. „Schwierig war es, mit drei kleinen Kindern und dass mein Mann und Mitgründer Lazaro Javier Herrera Cabrera Kubaner ist“, erklärt die Geschäftsführerin der „Zigarren Manufaktur Dresden“. Die Herstellung verschiedener Tabakprodukte hat in der Landeshauptstadt Tradition. Die ehemalige Zigarettenfabrik Yenidze, die Zigarettenfabrik „f6“ in Striesen und auch in der Region wurde zu DDR-Zeiten Tabak angebaut. „Allerdings fehlt in Deutschland die Sonne“, stellt der gelernte Zigarrendreher Herrera Cabrera fest. Die DDR-Zigarren waren sogenannte Shortfiller, deren Füllung aus klein geschnittenem Tabak besteht und die häufig maschinell hergestellt werden. Lieberum und Herrera Cabrera produzieren nach ganz anderer Machart Longfiller-Zigarren, bei denen der Kubaner ganze Tabakblätter aus Nicaragua für die Einlage faltet und rollt „In Kuba ist der Beruf des Zigarrendrehers eine angesehene Ausbildung“, erklärt der 44-Jährige. Rund fünf Minuten braucht er um eine Zigarre zu rollen, dann muss sie zwischen 15 und 30 Minuten gepresst werden.

Die Nachfrage nach Premium-Zigarren steigt

Als sich die beiden 2010 in der Dresdner Neustadt kennenlernten, trat Herrera Cabrera mit seinem Handwerk auf Veranstaltungen auf. 2013 gründeten sie die Zigarren Manufaktur, drei Jahre später eröffneten sie ihren Laden im Zentrum. „Premium-Zigarren sind, wie Schokolade, zu einem Genussprodukt geworden“, erklärt Lieberum. Die Nachfrage sei steigend. Das gelte auch für das Workshop und Veranstaltungsprogramm sowie das Rumsortiment der Zigarrenmanufaktur. Deshalb würden die beiden gerne noch einen weiteren Zigarrendreher einstellen. Auch Zigarren mit einer Füllung aus deutschem Tabak sind in Planung.

„Eine große Herausforderung beim Gründen waren für uns die Vorfinanzierung und Kreditaufnahme“, erzählt Lieberum. Die Zigarren Manufaktur stellte auch die zuständigen Behörden vor eine Herausforderung, die das Gründungsprojekt nur schwierig klassifizieren konnten. „Auf unseren 16 Quadratmetern Manufakturfläche wurde uns angeraten speziellen Großküchen-Fußboden zu verlegen“, berichtet Lieberum, die an der HTW International Business studiert hat, schmunzelnd. Auf der Arbeitsfläche rollt Herrera Cabrera Longfilter-Zigarren. Die wichtigste Zutat? „Liebe“, lacht er. Das wissen bereits Kunden bis nach Kanada zu schätzen.

Zehn der 40 Nominierten stammen aus Dresden

Seit 2008 zeichnet der Freistaat erfolgreiche Unternehmerinnen mit dem Gründerinnen-Preis aus. Am 3. Februar wird er im MDR-Hochhaus in Leipzig übergeben werden. Die Gewinnerin bekommt ein Preisgeld in Höhe von 5 000 Euro und eine Kunstskulptur, die Zweitplatzierte 1 000 Euro. Von den 40 Nominierten stammen 10 Gründerinnen aus der Landeshauptstadt. Vergangenes Jahr gewann die Dresdnerin Nadine Schmieder-Galfe, Geschäftsführerin der „Zellmechanik Dresden“. Ihr Unternehmen entwickelt ein medizinisches Gerät für eine neuartige Sepsis-Therapie.

Von Tomke Giedigkeit

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